Sharen Davis und das Kostümdesign von Django Unchained

Sharen Davis entwarf Kostüme, die historische Silhouetten mit einer bewusst filmischen Ausdruckskraft verbinden. Jede Figur setzt Kleidung auf ihre eigene Weise ein, um ihren Platz in der Geschichte einzunehmen.

Eine Epoche mit der Freiheit des Western gestalten

Sharen Davis ging Django Unchained als Historienfilm an, der von der Vorstellungswelt des Western geprägt ist. In Interviews erläutert sie eine doppelte Priorität: erkennbare Silhouetten zu bewahren und den Figuren zugleich eine stilisierte Präsenz zu verleihen. Historische Genauigkeit bedeutete nicht, sämtliche Kleidungsstücke aus dem Jahr 1858 einheitlich nachzubilden. Die Kostüme mussten auch zum Ton des Films, zu den Darstellern und zu Tarantinos Referenzen für das Projekt passen.

Am Anfang stehen konkrete dramaturgische Fragen. Wer kann seine Kleidung selbst wählen? Wer muss eine Stellung darstellen, die er noch gar nicht innehat? Welche Figur verfügt über die Mittel, ihr Aussehen zu verändern, und welche trägt die Spuren eines auferlegten Zustands am eigenen Körper? In dieser Geschichte ist Kleidung Teil von Freiheit, Besitz und gesellschaftlichem Ansehen. Ein anderer Schnitt oder eine andere Farbe kann diese Verhältnisse vermitteln, noch bevor jemand sie in Worte fasst.

Davis arbeitete mit einem Regisseur zusammen, der konkrete visuelle Referenzen vorgab. Ihre Erläuterung der Anpassungen an der von Little Joe aus Bonanza inspirierten Jacke für Jamie Foxx zeigt, dass sich eine Referenz nicht mechanisch übertragen lässt. Proportionen und Materialien müssen gefunden werden, die an einem anderen Körper und in einem anderen Film funktionieren. Das Ergebnis weckt eine wiedererkennbare Erinnerung und entwickelt zugleich vor der Kamera eine eigene Präsenz.

Die gesamte Entwicklung der Kleidung der Hauptfigur wird im Kostümführer zu Django erläutert. Hier geht es um die Methode, mit der sich die gesamte Besetzung voneinander abheben lässt. Die Kostüme müssen Kontraste zwischen den Figuren unterstützen, ohne sie zu isolierten Gestalten aus unvereinbaren Bildwelten zu machen. Die individuellen Entscheidungen funktionieren, weil sie einer gemeinsamen Logik von Farbe, Textur und Stilisierungsgrad folgen.

Schultz, Candie und Broomhilda: drei unterschiedliche Beziehungen zum eigenen Erscheinungsbild

Schultz verkörpert eine bewegliche, professionelle Eleganz. Seine Kleidung passt zu jemandem, der reist, Gespräche führt und Haltung als Arbeitsmittel einsetzt. Sein gepflegtes Erscheinungsbild ermöglicht ihm den Zugang zu Räumen, in denen er Gehör finden muss. Zugleich behält seine Figur eine Exzentrik, die ihn von den örtlichen Grundbesitzern unterscheidet. Auf den ersten Blick kann er akzeptabel wirken, ohne ganz mit ihnen gleichgesetzt zu werden.

Die Kostümbildnerin erklärte, dass der Inverness-ähnliche Mantel trotz seines schweren Aussehens aus Baumwolle gefertigt war. Dieses Detail macht deutlich, dass Filmkostüme einen Eindruck vermitteln und dem Schauspieler zugleich die Arbeit ermöglichen müssen. Das scheinbare Gewicht eines Kleidungsstücks verrät nicht unbedingt sein tatsächliches Gewicht. Bewegungsfreiheit, Temperatur und Länge der Drehtage fließen in Entscheidungen ein, die das Publikum lediglich als Natürlichkeit der Figur wahrnimmt.

Calvin Candie setzt sein Erscheinungsbild aus einer anderen Position heraus ein. Seine Kleidung ist Teil einer Inszenierung von Reichtum und Autorität. Er kann sich als kultivierter Gastgeber präsentieren und zugleich den Menschen, die von ihm abhängig sind, gewaltsam Bedingungen aufzwingen. Die Eleganz mildert seine Taten nicht ab; vielmehr macht sie das Nebeneinander von guten Manieren und Grausamkeit sichtbarer. Das Kostümdesign trägt zu diesem Widerspruch bei, indem es die Oberfläche attraktiv hält, selbst wenn wir wissen, was sie verbirgt.

Bei Broomhilda verleihen kräftige Farben ihr eine eigene visuelle Präsenz in einer Geschichte, in der sie häufig unter der Kontrolle anderer steht. Gelb-, Blau- und Violetttöne heben ihre Figur von der Umgebung und den Erinnerungen an Gewalt ab. Diese farbliche Wirkung darf nicht mit tatsächlicher Freiheit verwechselt werden: Ein Mensch kann ein schönes Kleidungsstück tragen und dennoch unterworfen sein. Gerade der Abstand zwischen Erscheinungsbild und Lebenssituation verleiht ihrem Bild Ausdruckskraft.

Ein Kostüm muss auch der Action standhalten

Kostüme aus einer Dialogszene können später in einer Actionszene zum Einsatz kommen. In Django verändert die Gewalt den Zustand der Kleidungsstücke grundlegend. Die Kontinuität verlangt, dass Flecken, Risse und Schmutz zum jeweiligen Moment der Handlung passen, auch wenn die Einstellungen in einer anderen Reihenfolge gedreht werden. So tragen die Kostüme das körperliche Gedächtnis des Geschehenen in sich und helfen dabei, getrennt gedrehte Szenen miteinander zu verbinden.

Auch verborgene Mechanismen und geplante Bewegungen beeinflussen den Schnitt. Davis sprach davon, die Ärmel für das Gerät anpassen zu müssen, das Schultz bei sich trägt. Das Beispiel zeigt, wie verschiedene Abteilungen zusammenarbeiten: Das Kleidungsstück muss seine Silhouette bewahren, die Bewegung ermöglichen und darf nicht vom verborgenen Effekt ablenken, bevor dieser zum vorgesehenen Zeitpunkt eingesetzt wird. Eine gelungene Lösung bleibt unbemerkt, bis die Szene das Verborgene zum Einsatz bringt.

Erst die Kameraarbeit vollendet die Wirkung des Designs. Ein Stoff, der auf dem Arbeitstisch intensiv wirkt, kann unter warmem Licht oder neben einer farbigen Wand ganz anders aussehen. Davis’ Entscheidungen müssen mit dem Dekor und der Kameraarbeit harmonieren. Die visuelle Identität entsteht aus diesen Beziehungen und nicht aus einer unveränderlichen Eigenschaft, die jedes Kostüm unter allen Umständen bewahren würde.

Anhand der Kostüme lassen sich die Figuren lesen, während sich ihre Positionen verändern. Django entdeckt die Möglichkeit, selbst zu wählen; Schultz macht Haltung zu einem Mittel; Candie stellt eine ererbte Autorität zur Schau; Broomhilda bewahrt eine Präsenz, die ihre Gefangenschaft zu unterdrücken versucht. Davis’ Leistung besteht darin, diese Unterschiede sichtbar zu machen und dafür zu sorgen, dass jedes Kleidungsstück auch dann funktioniert, wenn Gespräche, Täuschung oder Gewalt die Szene verändern.

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