Broomhilda steht im Mittelpunkt von Djangos Suche. Ihre Geschichte umfasst jedoch auch Fluchtversuche, Erinnerungen und eigene Entscheidungen unter extremen Bedingungen.
Eine Präsenz, die schon vor dem Wiedersehen besteht
Broomhilda von Shaft, gespielt von Kerry Washington, ist Djangos Ehefrau. Die erzwungene Trennung des Ehepaars treibt die Suche voran, doch der Film vermittelt ihre Beziehung durch mehr als nur die Erklärung eines Ziels. Broomhildas Erinnerungen und imaginierte Erscheinungen machen sichtbar, dass Django ein gemeinsames Leben in sich trägt, das ihre Besitzer zu zerstören versuchten.
Diese Bilder dürfen nicht mit Begegnungen verwechselt werden, die in der Gegenwart der Handlung stattfinden. Einige bringen Erinnerungen oder Sehnsüchte zum Ausdruck und unterscheiden sich in ihrer Gestaltung von den Reiseszenen. So bleibt Broomhilda in der Erzählung präsent, obwohl Django ihren Aufenthaltsort nicht kennt. Räumliche Distanz bedeutet nicht emotionale Abwesenheit.
Zur gemeinsamen Vergangenheit des Ehepaars gehören ein Fluchtversuch und die anschließende Bestrafung. Diese Vorgeschichte lässt sie nicht als jemanden erscheinen, der von Anfang an passiv wartet. Broomhilda hat bereits versucht, der Gefangenschaft zu entkommen. Dass dieser Versuch scheitert, zeigt das Kräfteungleichgewicht, nicht etwa mangelnden Willen oder fehlendes Verständnis ihrer Lage.
Die Spuren der Bestrafung bewahren eine Geschichte, die sich durch spätere Transaktionen nicht auslöschen lässt. Der Film betont, dass die als Ware behandelte Person Beziehungen und Erinnerungen hat. Die Analyse von Broomhildas Narben ermöglicht es, diese Dimension herauszuarbeiten, ohne die Figur auf eine Aufzählung von Leiden zu reduzieren oder die Zurschaustellung ihres Körpers zu ihrer einzigen Existenzform zu machen.
Deutsch als Verbindung und als Mittel zur Rettung
Broomhilda spricht Deutsch, weil sie sich in der Gewalt deutscher Besitzer befand. Diese Fähigkeit verbindet ihre Geschichte mit Schultz und bietet eine Möglichkeit, sich ihr in Candyland zu nähern. Eine während der Gefangenschaft erworbene Fähigkeit kann zu einem Mittel werden, ihr zu entkommen, auch wenn sie nicht aus einer freien Entscheidung der Protagonistin hervorgegangen ist.
Die Sprache ermöglicht außerdem einen Wandel hin zu größerer Vertrautheit. Mit jemandem zu sprechen, der sie versteht und sich scheinbar für sie als Person interessiert, verändert die Behandlung, der sie ausgesetzt ist. Bei der Begegnung mit Schultz bereitet das Gespräch sie auf eine Nachricht vor, die sie noch kaum glauben kann. Djangos Wiedererkennen löst eine Reaktion aus, die die vorherigen Worte nicht hatten vorwegnehmen können.
Washingtons Darstellung beruht auf der Spannung zwischen dem Versuch, eine Reaktion zu unterdrücken, und der Unfähigkeit, sie zu beherrschen. Die Überraschung des Wiedersehens, die Angst vor der Entdeckung und die Anstrengung, den Anweisungen zu folgen, gehören zu ein und derselben Situation. Es sind keine willkürlichen Stimmungsschwankungen: Die Gefahr bleibt bestehen, gerade wenn Hoffnung aufkommt, dass alles gut ausgehen könnte.
Der Plan zu ihrer Rettung erfordert, dass ihre emotionale Bedeutung verborgen bleibt. Schultz und Django versuchen, sie als beiläufigen Zusatzkauf darzustellen. Für Broomhilda bedeutet ihre Mitwirkung, ertragen zu müssen, dass über ihren Preis gesprochen wird, obwohl sie weiß, dass das Ergebnis über ihre Zukunft entscheiden kann. Dieser Unterschied zwischen der Bedeutung, die die Worte für die Käufer haben, und derjenigen, die sie für Broomhilda haben, macht einen Teil der Grausamkeit der Situation aus.
Ihre Gefangenschaft in der Hot Box von Candylandzeigt auch, dass das Plantagensystem Fluchtversuche bestraft. Die Gefangenschaft dort ist weder bloß ein exotischer Schauplatz noch ein dekoratives Hindernis. Sie bringt den Willen zum Ausdruck, Bewegungsfreiheit, Kontakt und Entscheidungsfähigkeit einzuschränken. Das Verlassen dieses Ortes bedeutet noch keine Freiheit: Sie bleibt weiterhin denen ausgeliefert, die ihre Einsperrung angeordnet haben.
Was sich aus dem Ende ableiten lässt – und was zu anderen Erzählungen gehört
Während des Abendessens in Candyland droht die Beziehung der Eheleute sichtbar zu werden. Broomhilda muss eine Wahrheit verbergen, die für das Publikum den Hauptgrund für die gesamte Reise darstellt. Diese Umkehr erzeugt Spannung: Ein liebevoller Blick, der das Paar unter anderen Umständen einander näherbringen würde, kann es hier in Gefahr bringen.
Das Ende ermöglicht es Broomhilda, nicht länger nur die Person zu sein, zu der andere auf einem Anwesen vorzudringen versuchen. Der Aufbruch mit Django eröffnet eine gemeinsame Zukunft außerhalb von Candyland. Der Film führt diese Zukunft nicht in Form eines detaillierten neuen Lebens aus und legt daher weder einen endgültigen Wohnort noch einen Beruf oder eine spätere Familienchronologie fest.
Der Nachname Shaft verweist auf eine Verbindung, die Tarantino 2012 auf der Comic-Con öffentlich erläuterte. Der Regisseur bezeichnete Broomhilda und Django als imaginierte Vorfahren von John Shaft. Diese Aussage erlaubt es, von einer vom Autor erdachten Verbindung zu sprechen; sie macht den Film jedoch weder zu einer Erzählung über alle dazwischenliegenden Generationen noch liefert sie für sich genommen einen vollständigen Stammbaum.
Die Verbindung zwischen Broomhilda und Shaft muss daher klar von dem unterschieden werden, was auf der Leinwand zu sehen ist. Das Publikum kann die Liebesgeschichte verstehen, ohne davon zu wissen. Die Anspielung schlägt eine Brücke zu einer anderen filmischen Welt, während sich die unmittelbare Handlung darauf konzentriert, die Möglichkeit eines gemeinsamen Lebens zurückzugewinnen.
Broomhilda hat weniger Szenen, in denen sie selbst zur Waffe greift, als Django. Dieser Unterschied erlaubt es jedoch nicht, ihren Widerstand allein an der Zahl der Schüsse zu messen. Auch der Fluchtversuch, das Festhalten an einer Beziehung und das Handeln unter Beobachtung gehören zu ihrem Weg. Die Figur macht deutlich, was der Held zu retten versucht, wenn er zurückkehrt: einen Menschen mit eigener Geschichte, nicht eine Belohnung, die das Abenteuer eines anderen rechtfertigt.
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