Will Smith gab unterschiedliche, wenn auch miteinander verbundene Erklärungen dafür, warum er die Rolle des Django ablehnte. Um sie zu verstehen, sollte man seine Aussagen von der Rolle trennen, die schließlich Jamie Foxx spielte.
Die Erklärung von 2013: Wer im Mittelpunkt der Geschichte steht
Will Smith war im Gespräch für die Rolle des Django, bevor die Figur schließlich von Jamie Foxx gespielt wurde. Im März 2013 erklärte er gegenüber Entertainment Weekly, warum er die Rolle abgelehnt hatte: Seiner Ansicht nach stand die Figur von Christoph Waltz im dramatischen Mittelpunkt, und er wollte, dass Django dem Bösewicht den entscheidenden Schlag versetzt. Die Aussage verbreitete sich weithin, als der Film bereits angelaufen war und Waltz den Oscar gewonnen hatte.
Diese Erklärung gibt Smiths Sicht auf das Material wieder, über das er gesprochen hatte. Sie ist keine objektive Einordnung der Rollenverteilung. Der Film trägt Djangos Namen, beginnt mit seiner Gefangenschaft und endet mit seiner Befreiung und der von Broomhilda. Schultz bestimmt jedoch einen großen Teil der Handlung in der ersten Hälfte: Er kauft Django frei, erklärt das Kopfgeldjägergeschäft und schlägt die Verkleidung vor, mit der sie versuchen wollen, in Candies Welt einzudringen.
Der Konflikt wird am Tod des Plantagenbesitzers konkret. Schultz ist es, der Calvin Candie erschießt. Django hat danach noch einen langen Auftritt, befreit sich aus der Gefangenschaft seiner neuen Bewacher und kehrt nach Candyland zurück. Die Ausschaltung des Antagonisten und die Auflösung der Reise fallen somit unterschiedlichen Figuren und Handlungsphasen zu. Diese Aufgabenteilung hilft, Smiths Vorbehalte zu verstehen, ohne daraus zu schließen, Django sei eine Nebenfigur.
Der Begriff Hauptfigur kann sich auf die Figur beziehen, deren Wunsch die Geschichte vorantreibt, diejenige, die die Szenen sprachlich beherrscht, oder diejenige, die die Handlung ausführt, die ein Schauspieler als Höhepunkt betrachtet. Hier sind diese Funktionen auf mehrere Figuren verteilt. Das beständige Ziel ist, Broomhilda zurückzugewinnen; lange Zeit geht die Initiative im Umgang mit anderen von Schultz aus; am Ende muss Django ohne ihn handeln. Die öffentliche Debatte vereinfachte eine Frage, die durch die Struktur des Films selbst komplexer wird.
Die Erklärung von 2015: Liebe und Rache
Bei der Schauspieler-Runde von The Hollywood Reporter im Jahr 2015 kam Smith erneut auf das Thema zu sprechen und hob einen Unterschied in der kreativen Ausrichtung hervor. Er sagte, er habe sich eine große Liebesgeschichte gewünscht und mit dem Racheansatz, den er mit dem Projekt verband, nicht übereingestimmt. Diese zweite Erklärung lenkt den Blick von der Größe der Rolle auf die Bedeutung der Reise. Sie erlaubt es weder, jedes private Gespräch mit Tarantino zu rekonstruieren, noch eine einzige Ursache festzulegen, die alle früheren Aussagen hinfällig macht.
Beide Äußerungen zeugen von Smiths Interesse daran, welche Art von Held er spielen wollte. Ein Mann, der kämpfen lernt, um seine Frau zurückzugewinnen, kann im Mittelpunkt eines romantischen Abenteuers stehen. Dieselbe Reise kann zu einer Vergeltungsfantasie gegen ein System und dessen Vertreter werden. Der fertige Film verbindet diese Dimensionen, widmet aber einen Großteil seiner Energie der Grausamkeit der Plantagenbesitzer und dem spektakulären Vergnügen an ihrer Niederlage.
Broomhilda liefert die Motivation, die den Handlungsweg zusammenhält. Selbst wenn Django bezahlte Aufträge annimmt oder vorgibt, jemand zu sein, der ihm zuwider ist, bleibt sein endgültiges Vorhaben mit ihr verbunden. Die Gewalt wiederum gewinnt eine beträchtliche eigene Ausdruckskraft: Die Bestrafungen, Duelle und die Zerstörung von Candyland gehen weit über das hinaus, was für die bloße Erzählung einer Befreiung nötig wäre. Smiths geäußerte Vorliebe bezog sich auf dieses Gewichtungsverhältnis.
Es wäre gewagt, den Film zu beschreiben, der bei einer anderen Einigung entstanden wäre. Es gibt keine gedrehte Fassung mit Smith, anhand derer sich Szenen, Ton oder Schluss vergleichen ließen. Auch entsprechen seine Kommentare keinem vollständigen Alternativdrehbuch. Belegt ist eine Meinungsverschiedenheit, die der Schauspieler bei zwei öffentlichen Gelegenheiten zum Ausdruck brachte. Darauf aufbauend lassen sich Übereinstimmungen und Spannungen untersuchen; jede detaillierte Rekonstruktion einer mutmaßlich romantischen Version wäre jedoch Spekulation.
Die Figur, die Jamie Foxx schließlich spielte
Foxx gestaltet Django als Figur, die eine allmähliche Entwicklung durchläuft. Zu Beginn hört er zu, beobachtet und lernt, sich in Situationen zurechtzufinden, die ihm zuvor verwehrt waren. Später tritt er mit bewusst sichtbarem Selbstbewusstsein auf: Er wählt seine Kleidung, kontrolliert seine Haltung und spielt eine Rolle, die seine Umgebung irritiert. Seine vergleichsweise zurückhaltende Art zu sprechen lässt Schultz oft das Gespräch beherrschen, während der Protagonist an Erfahrung gewinnt.
Als der Mentor nicht mehr da ist, muss Django das Gelernte allein anwenden. Er muss andere Männer mit einer Geschichte überzeugen und sich ihre Gier zunutze machen. Das Ende zeigt, dass er Selbstständigkeit erlangt hat, obwohl Candie bereits tot ist. Aus dieser Perspektive ist es Teil des gewählten Entwicklungsbogens, dass der Held erst spät die volle Kontrolle übernimmt. Das erklärt, warum die Hauptfigur nicht immer mit der Person übereinstimmt, die am meisten spricht oder als Erste eine Entscheidung trifft.
Smiths Absage gehört zur Besetzungsgeschichte; Foxx' Leistung gehört zum fertigen Film. Diese Ebenen auseinanderzuhalten verhindert, eine Darstellung an den Bedingungen zu messen, die ein anderer Schauspieler bevorzugt hätte. Zugleich wird so verständlich, dass eine berufliche Absage mehrere Erwartungen zugleich betreffen kann: den dramatischen Mittelpunkt, den Ton, die Identifikation mit dem Helden und die Bedeutung der Gewalt.
Die beiden bekannten Aussagen liefern eine ausreichende Antwort auf die Frage nach der Absage: 2013 äußerte Smith Vorbehalte hinsichtlich der Hauptrolle und 2015 hinsichtlich der kreativen Ausrichtung. Daraus eine Anekdote über Eitelkeit oder einen vollständig rekonstruierten Streit zu machen, verkürzt das, was wir tatsächlich wissen. Interessant ist vielmehr, dass dieselbe Geschichte unterschiedliche Vorstellungen davon hervorrufen konnte, wer die Handlung vorantreiben und welches Gefühl nach der Befreiung nachwirken sollte.
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