Der Verweis auf das AK-47 fällt bei der Einführung von Ordell Robbie und Louis Gara in Jackie Brown. Sie sitzen vor dem Fernseher und sehen Chicks Who Love Guns, einen Beitrag, der Waffenpräsentation mit Frauen im Bikini verbindet. Ordell nutzt die Bilder, um über das Geschäft zu sprechen und seinem Begleiter sein Wissen zu demonstrieren.
Die unmittelbare Handlung spielt sich in der Wohnung ab: Zwei Männer schauen auf einen Bildschirm und unterhalten sich. Die Schießvorführung gehört zu dem Material, das sie ansehen. Wenn diese beiden Ebenen auseinandergehalten werden, lässt sich der filmische Kniff besser verstehen – und Ordell wird nicht fälschlich zum Hauptakteur eines Waffentests, der innerhalb des Videos stattfindet.
Der Reiz der Sequenz liegt darin, wie sie den Waffenhändler vorstellt. Er spricht ungezwungen über seine Ware, preist ihre Wirksamkeit und versucht, sich als denjenigen zu positionieren, der sich am besten auskennt. Louis hört eher zurückhaltend zu. Der Fernseher liefert ein gemeinsames Gesprächsthema, während sich im Gespräch allmählich zeigt, was Ordell von dem Mann erwartet, den er in sein Geschäft einführt.
Ordells Kommentar zum AK-47 ist Teil eines umfassenderen Gesprächs über die Waffen, die im Fernsehen zu sehen sind. Samuel L. Jackson macht aus der Erklärung eine Charaktervorstellung: Er möchte, dass Louis ihm als jemandem zuhört, der den Markt kennt und sich darin zu bewegen weiß.
Chicks Who Love Guns im Film
Die 2020 von ARTHAUS veröffentlichte Analyse des Filmanfangs bezeichnet Chicks Who Love Guns als einen eigens für Jackie Brown geschaffenen fiktiven Beitrag. Die Moderatorinnen präsentieren Waffen mit einer auf Verkaufswirkung ausgerichteten Ästhetik. So führt der Film einen zweiten Bildschirm ein, dessen Inhalt von einer der zuschauenden Figuren kommentiert wird.
Die Vorführung wird durch dieses Format vermittelt. Das Publikum von Jackie Brown sieht die Bilder aus dem Video und zugleich Ordells Reaktion darauf. Diese Kombination lenkt den Blick sowohl auf das audiovisuelle Produkt als auch darauf, wie er dessen Bilder nutzt. Die Szene zeigt einen Verkaufsvortrag und einen Mann, der ihn in einem privaten Gespräch weiterführt.
Der ARTHAUS-Bericht zeigt Jackson und De Niro gemeinsam auf dem Sofa und erwähnt auch Melanies Anwesenheit in der Wohnung. Fernseher, Unterhaltung und häuslicher Alltag verleihen der Situation eine alltägliche Atmosphäre. Das Geschäft wird an einem Ort zum Thema, an dem die Figuren ihre Zeit verbringen – weit entfernt von einer formellen Präsentation vor Käufern.
Der Kommentar zum AK-47 und Ordells Stimme
Die bekannteste Formulierung in diesem Abschnitt stellt die Fähigkeit zu töten als Verkaufsargument dar. Ihre Schlagkraft gehört zur Charakterisierung von Ordell Robbie: Er spricht über Gewalt mit dem Enthusiasmus eines Mannes, der mit seiner Ware prahlt. Der geschäftsmäßige Ton lässt erkennen, wie weit seine ungezwungene Art zu erklären von dem entfernt ist, worüber er spricht.
Das Gespräch vermittelt Informationen über seinen Beruf, ohne dass eine Erzählerstimme seinen Werdegang aufzählt. Ordell möchte den Mann neben sich beeindrucken, und deshalb holt er weit aus. Seine Worte richten sich an jemanden innerhalb der Szene und machen zugleich das Publikum mit ihm bekannt.
Der Fernseher liefert ihm immer neue Anlässe, weiterzureden. Indem er die Bilder kommentiert, kann Ordell sein Thema entfalten, ohne auf eine weitere Frage von Louis angewiesen zu sein. Er bestimmt selbst, in welchem Tempo die Erklärung voranschreitet.
Louis hört zu, während der Alltag in der Wohnung weitergeht
Die Haltung von Louis Gara, gespielt von Robert De Niro, steht im Kontrast zur Redegewandtheit seines Begleiters. Ordell kann seine Erklärung ausführlich entwickeln, weil Louis sich seltener zu Wort meldet. Dieser Unterschied macht ein ungleiches Maß an Eigeninitiative sichtbar, noch bevor die späteren Aufträge es auf die Probe stellen.
Dass sie dasselbe Sofa teilen, bedeutet nicht, dass sie dieselbe Stellung haben. Ordell spricht aus der Position eines Mannes, der sein Geschäft bereits betreibt; Louis ist gerade erst in sein Umfeld zurückgekehrt. Die Sequenz lässt sich als Annäherung an diese Abhängigkeit lesen: Der eine präsentiert seine Möglichkeiten, während der andere den sich eröffnenden Arbeitschancen zuhört.
Melanies Anwesenheit verhindert, dass die Wohnung zu einem bloßen Treffen unter Geschäftspartnern wird. Auch sie lebt dort und gehört zur ungezwungenen Atmosphäre. Die Aufmerksamkeit kann zwischen dem Fernseher und den Anwesenden wechseln. Ordells Rede muss daher mit Interessen koexistieren, die er nicht vollständig kontrolliert.
Der visuelle Reiz des Videos eröffnet einen weiteren Zugang zu der Passage. Die Moderatorinnen wenden sich an die Kamera und verbinden die Präsentation der Produkte mit ihrem eigenen Aussehen. Innerhalb des Films nehmen Ordell und Louis den Platz des Publikums ein, dem diese Kombination angeboten wird. Jackie Brown zeigt auch, wie die Werbung aufgenommen wird: Das Material erhält eine andere Funktion, wenn ein Waffenhändler es von seinem Sofa aus kommentiert.
Die Szene überlagert zwei Formen der Präsentation. Auf dem Fernsehbildschirm wird die Ware attraktiv in Szene gesetzt; in der Wohnung entwirft Ordell ein überzeugendes Bild von sich selbst. So lässt sich die Passage als Kontrast zwischen dem Angekündigten und demjenigen lesen, der es kommentiert. Beide Darbietungen versuchen, die Aufmerksamkeit eines Gegenübers zu gewinnen, auch wenn sie sich an unterschiedliche Adressaten richten und verschiedene Medien nutzen.
Die Wirkung beruht auf dieser konkreten Situation. Der Film zeigt eine Figur, die sich die Sprache der Werbung aneignet und sie zu einem Teil ihrer Gesprächsweise macht.
