Die Gewalt in Jackie Brown verbindet Drohungen, plötzliche Ausbrüche und Situationen, die komisch wirken können. Der Unterschied zu Pulp Fiction zeigt sich daran, worauf die Aufmerksamkeit nach einem Todesfall gerichtet ist: auf das Unbehagen derjenigen, die mit dem Schlamassel zurechtkommen müssen, auf den Zerfall einer Zusammenarbeit oder auf das Verschwinden einer Person, die bis dahin am Gespräch beteiligt war.
Louis und Melanie bieten ein besonders unangenehmes Beispiel, denn die Gereiztheit zwischen ihnen hat eine komische Seite, bevor sie in tödliche Gewalt mündet. Der Wechsel des Tons macht das Vorherige nicht automatisch ungeschehen. Die Szene lässt einen zunächst einen Streit lächerlich finden und dann erkennen, dass einer der Beteiligten beschlossen hat, ihn mit Gewalt zu beenden.
Beim Vergleich der beiden Filme muss man auch die Verantwortung des Täters und den Platz berücksichtigen, den das Opfer in der Erzählung einnimmt. Eine absichtliche Tat und ein Unfall können gleichermaßen abrupt alles unterbrechen, werfen aber unterschiedliche Fragen auf. Der Humor spielt dabei eine Rolle: Er kann die Verwirrung der Überlebenden verlängern, ohne das Geschehene umkehrbar erscheinen zu lassen.
Der Gegensatz zwischen Jackie Brown und Pulp Fiction wird besonders deutlich, wenn man zwei konkrete Todesfälle vergleicht. Melanies Tod ermöglicht es, eine gewaltsame Entscheidung innerhalb eines Streits zu untersuchen; Marvins Tod dagegen einen Unfall, der weitere Probleme auslöst. Die Plötzlichkeit verbindet die beiden Fälle, doch der Grund für den Schuss und die anschließenden Ereignisse machen Unterschiede sichtbar, die eine pauschale Einordnung als ernsthafte oder komische Gewalt außer Acht lässt.
Ein Streit, auf den es keine Antwort mehr geben kann
Auf dem Parkplatz lässt sich die Spannung zwischen Louis und Melanie noch als Machtkampf um die Gesprächsführung verstehen. Spott und Gereiztheit lassen die Möglichkeit einer weiteren Erwiderung offen. Als Louis schießt, zerstört er diese Möglichkeit auf unverhältnismäßige Weise: Der Konflikt lässt sich nicht mehr mit Worten lösen. Die Wirkung hängt nicht davon ab, Melanie als bewundernswerte Person darzustellen. Es genügt, den Unterschied zu erkennen zwischen jemandem lästig zu sein und davon, dass diese Person beschließt, einen zu töten.
An dieser Stelle erfüllt die vorherige Komik eine unangenehme Funktion. Sie lässt den Streit als Aufeinanderprallen zweier Temperamente erscheinen, wobei man darauf achtet, wem es gelingt, den anderen zur Ungeduld zu treiben. Der Tod unterbricht dieses Spiel, ohne eine geistreiche Lösung anzubieten. Louis ist nicht länger nur der Gesprächspartner, der eine Provokation erträgt, sondern wird zum Verantwortlichen für eine unumkehrbare Tat. Diese beiden Rollen zu verwechseln, würde seinen Ärger zu einer Entschuldigung machen, die die Beschreibung der Szene ihm nicht zugestehen muss.
Das abschließende Continuity-Dokument zu Pulp Fiction, das Words in Pictures im Juli 1994 erstellt hat, bezeichnet Vincents Schuss, durch den Marvin während des Gesprächs im Auto getötet wird, als versehentlich. Anschließend sind Jules und Vincent auf einen Gastgeber angewiesen und müssen sich mit häuslichen Anforderungen auseinandersetzen.
Der Unterschied zwischen Absicht und Unfall ist für den Vergleich der beiden Szenen entscheidend. In Pulp Fictionlegt das Missverhältnis zwischen einem gewöhnlichen Gespräch und seinem tödlichen Ausgang die Inkompetenz desjenigen offen, der die Waffe bei sich hatte. In Jackie Brown besteht das Missverhältnis zwischen dem Anlass für die Gereiztheit und der gewählten Reaktion. Beide Situationen können überraschen; nur im zweiten Fall wird die Aggression ausdrücklich zu einer Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit der anderen Person zu beenden.
Der Humor verschwindet in Jackie Brown nicht
In seinem Interview mit Erik Bauer für Creative Screenwriting, das ursprünglich 1998 veröffentlicht wurde, sagte Tarantino, dass er gern Humor und Gewalt miteinander verbinde. Über Melanie beschrieb er den plötzlichen Ausbruch als einen Realitätsstoß innerhalb des Films. Er erinnerte sich auch an Beifall bei ihrem Tod und an die zwiespältige Beziehung des Publikums zu der Figur. Diese Erinnerung bezieht sich auf seine eigene Erfahrung mit der Rezeption, nicht auf eine Reaktion, die alle Zuschauer gleichermaßen zeigten.
Diese Aussage macht die Vorstellung unhaltbar, Jackie Brown verabschiede sich mit den Todesfällen von der Komödie. Zugleich lässt sie die Unterscheidung zwischen der vom Regisseur beabsichtigten Wirkung und dem offen, was die einzelnen Zuschauer komisch finden. Der unerwartete Bruch, die Ungeschicklichkeit des Täters und das Verschwinden des Opfers fallen in denselben Moment, sind aber nicht gleichwertige Gegenstände der Aufmerksamkeit. Über eines dieser Elemente zu lachen, sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, wie man das Ganze beurteilt.
Nach dem Schuss verschiebt sich der Schwerpunkt
Die Komik im Anschluss an Marvins Tod in Pulp Fiction beruht auf dem Gegensatz zwischen dem Bild, das die Kriminellen von ihrer Autorität haben, und ihrer Abhängigkeit von anderen Menschen. Die Probleme des Zusammenlebens werden für sie enorm wichtig, obwohl sie durch ein schwerwiegendes Ereignis ausgelöst wurden. Dieser Größenunterschied lässt die Situation weiterhin komisch wirken, ohne den Tod als einen von Vincent inszenierten Scherz darzustellen.
In Jackie Brown erschüttert Louis’ Tat das Vertrauen in eine kriminelle Zusammenarbeit. Die Gewalt beweist nicht, dass er die Kontrolle zurückgewonnen hat: Er hat eine Beteiligte aus dem Austausch gerissen und einer gemeinsamen Operation ein eigenes Problem hinzugefügt. Die Aufmerksamkeit verlagert sich von dem Streit, der ihn gereizt hat, auf die Frage, ob man weiterhin auf ihn zählen kann. So betrifft die Tat sowohl diejenige, die stirbt, als auch die Beziehung zwischen denjenigen, die weiterhin zusammenarbeiten müssen.
Beide Szenen haben außerdem gemeinsam, dass es keinen Kampf zwischen gleichwertigen Gegnern gibt. Die Aggression ist keine Kraftprobe mit einem anderen Kämpfer. Sichtbar wird vielmehr die Macht, irreparablen Schaden anzurichten, während sich zugleich berufliche Unfähigkeit zeigt. Diese Verbindung verhindert, dass die Ungeschicklichkeit der Täter als sympathische Eigenschaft ohne Folgen abgetan werden kann.
Das Wort „nüchtern“ beschreibt oft einen Tod, der ohne lange emotionale Vorbereitung und ohne Abschied eintritt. Für sich genommen sagt es weder aus, wie viel Blut zu sehen ist, noch ob der Schuss aus der Nähe gezeigt wird oder ob der Moment nervöses Lachen auslösen kann. Das sind unterschiedliche gestalterische Entscheidungen. Ein sehr kurzer Einschnitt kann gerade deshalb einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weil keine Zeit bleibt, sich darauf einzustellen.
Wichtig ist auch, wie viel Zeit die Erzählung der Person zugesteht, die gerade verschwunden ist. Ein Gespräch weckt die Erwartung einer Antwort; der Tod macht dieser Antwort ein Ende und lässt andere sofort den frei gewordenen Raum einnehmen. Dass eine Trauerszene ausbleibt, gibt dem Opfer seinen Gesprächsanteil nicht zurück und beweist auch nicht, dass es unwichtig war. Dieser Verlust kann sich darin zeigen, wie abrupt die Welt ringsum weiterfunktioniert und von den Interessen der Figuren bestimmt wird, die ihm nicht mehr zuhören müssen. Das Schweigen wirkt dann anders als ein feierlicher Abschied.
