Kinji Fukasaku aus Tarantinos Sicht: der Platz von Battle Royale

Tarantinos Bewunderung für Kinji Fukasaku kommt in einer Aussage besonders deutlich zum Ausdruck: In seiner Auswahl von Filmen, die zwischen 1992 und 2009 erschienen waren, setzte er Battle Royale auf den ersten Platz. Dieses Lob lädt dazu ein, die Gewalt des Films im Zusammenhang mit dem politischen und emotionalen Druck zu betrachten, der sie prägt.

Der belegte Spitzenplatz

Am 19. August 2009 veröffentlichte L.A. Weekly eine von Tarantino zusammengestellte Auswahl. Battle Royale stand bei seinen Favoriten aus den vorangegangenen siebzehn Jahren an erster Stelle; die übrigen Titel waren alphabetisch geordnet. Dieser zeitliche Rahmen sollte beibehalten werden: Es handelte sich weder um eine Rangliste aller Filme der Filmgeschichte noch um eine vollständige Rangliste von Fukasakus Werken.

Die Wahl ist angesichts der besonderen Erfahrung, die der Film aus dem Jahr 2000 bietet, bedeutsam. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern wird einem System unterworfen, das sie zwingt, einander zu töten, um zu überleben. Die Gewalt geht von einer institutionellen Vorgabe aus, bevor sie sich in den Entscheidungen der einzelnen Jugendlichen zeigt. Die Erzählung kann individuelle Aggression darstellen, ohne dabei die Verantwortung der Struktur aus dem Blick zu verlieren, die sie hervorruft.

Die Prämisse verwandelt bereits bestehende Beziehungen. Eine Freundschaft, eine Rivalität in der Schule oder eine romantische Zuneigung sind keine relativ alltäglichen Angelegenheiten mehr, sondern entscheiden darüber, ob man am Leben bleibt. Das Publikum erkennt vertraute Gefühle in einer Extremsituation wieder. Diese Nähe verhindert, dass die Gruppe gänzlich auf eine Ansammlung austauschbarer Figuren reduziert wird.

Tarantinos Bewunderung ermöglicht einen Zugang zu dieser Verbindung von Action und Verletzlichkeit, berechtigt aber nicht dazu, ihm beliebige Deutungen des Films in den Mund zu legen. Die folgenden Beobachtungen beschreiben dessen dramatische Wirkung. Die Empfehlung ist belegt; die Analyse kann das Sichtbare weiter ausloten, ohne vorzugeben, einen seiner Vorträge wiederzugeben.

Subversive Action und alltägliche Autorität

Battle Royale lässt das Nebeneinander einer monströsen Regel und einer scheinbar routinemäßigen Verwaltung unheimlich wirken. Es gibt Anweisungen, Fristen, Sperrzonen und Durchsagen. Diese organisierte Sprache mildert die Brutalität nicht ab; sie macht sie noch beklemmender, weil sie den Tod als ein Verfahren darstellt, das sich ganz normal erklären lässt.

Die Schülerinnen und Schüler reagieren unterschiedlich. Einige versuchen, zusammenzuarbeiten, andere ziehen sich zurück, und wieder andere nutzen die Gelegenheit, Macht auszuüben. Diese Vielfalt verhindert, dass der Film eine einzige menschliche Reaktion nahelegt. Das bedeutet auch nicht, dass alle Entscheidungen unter gleichen Bedingungen getroffen werden: Waffen, Ortskenntnis und frühere Beziehungen verteilen Vorteile und Ängste ungleich.

Der Schnitt wechselt zwischen kleinen Gruppen und verändert rasch den Ton. Neben einer absurden Situation kann ein schmerzlicher Verlust stehen. Diese emotionale Unbeständigkeit gehört zur Welt, die der Film erschafft: Die Figuren haben keine Zeit, sich auf eine angemessene Reaktion auf jedes Ereignis vorzubereiten. Die Abfolge der Begegnungen zwingt das Publikum dazu, seine Erwartungen ständig neu auszurichten.

Die Schuluniformen bewahren die schulische Identität in einer Landschaft, die zu einem Überlebenskampf geworden ist. Dieses Bild lässt das Alter und das frühere Leben der Teilnehmenden nicht in Vergessenheit geraten. Der gewalttätige Mechanismus versucht, sie als Konkurrenten zu behandeln, doch ihre Kleidung erinnert weiterhin an die Gemeinschaft, aus der sie stammen.

Die erwachsene Figur, die das Spiel verwaltet, verstärkt dessen politischen Charakter. Die Autorität pflegt gegenüber den Schülerinnen und Schülern vertraute Umgangsformen, setzt sie jedoch innerhalb eines Strafapparats ein. Das Grauen entsteht nicht allein dadurch, dass es gewalttätige Jugendliche gibt. Es entsteht auch dadurch, dass eine erwachsene Macht beschlossen hat, ihre Verletzlichkeit zum Spektakel und zum Mittel der Disziplinierung zu machen.

Fukasaku jenseits eines Etiketts betrachten

Fukasaku hatte schon jahrzehntelang im japanischen Kino gearbeitet, bevor er Battle Royale drehte. Ihn ausschließlich als Regisseur eines Films zu bezeichnen, den Tarantino bewunderte, wird der Breite seines Werks nicht gerecht. Sein Gangsterkino, insbesondere die mit Battles Without Honor and Humanity verbundene Arbeit, eröffnet weitere Möglichkeiten, Konflikte zwischen Einzelnen, Gruppen und Autoritätssystemen zu erkunden.

Dieser Verweis auf seine Laufbahn bedeutet nicht, dass Tarantino hier jeden Teil der Reihe empfohlen hätte. Er dient dazu, einen Regisseur einzuordnen, dessen Erfahrung mit kollektiver Action weit vor den Film von 2000 zurückreicht. Fukasakus Gruppen können aus Notwendigkeit zusammenhalten, während ihre inneren Interessen sie auseinanderzutreiben drohen. Das Bündnis ist vorläufig und dem Druck ausgesetzt.

In Battle Royale erhält diese Instabilität eine besonders bittere Dimension, weil die Hauptfiguren gerade erst ihre Identität entwickeln. Das System verlangt von ihnen unumkehrbare Entscheidungen, obwohl sie noch Fehler machen, ihre Meinung ändern oder einen Konflikt lösen können sollten, ohne dass alles mit dem Tod endet. Die Gewalt unterbricht Möglichkeiten des Lebens – nicht nur die Körper innerhalb einer choreografierten Szene.

Wichtig ist auch der Unterschied zwischen der Befolgung einer Regel und ihrer Legitimation. Eine Figur kann ausrechnen, wie sie im Spiel überlebt, ohne das Spiel für gerecht zu halten. Die Erzählung zeigt unterschiedliche Grade von Anpassung, Widerstand und Verzweiflung. Diese Spannung trägt die subversive Lesart des Films besser als eine bloße Gleichsetzung von drastischer Gewaltdarstellung und Rebellion.

Tarantinos Anerkennung öffnet eine Tür zu Fukasaku, ersetzt aber nicht die eigene Begegnung mit dessen Kino. Battle Royale verbindet eine leicht zu erklärende Prämisse mit einem Geflecht aus Zuneigung und Entscheidungen, das sich nur schwer reduzieren lässt. Der Platz in der Auswahl von 2009 belegt eine konkrete Vorliebe; die Kraft des Films liegt darin, dass das Überlebensspektakel das Gewicht der Leben bewahrt, die es in Gefahr bringt.

Siehe die Auswahl der von Tarantino bewunderten Filmschaffenden und Schauspieler.