Tarantino nahm The Wild Bunch in ein Gespräch über Filme auf, die sich kaum herabsetzen lassen, räumte jedoch auch ihre Unvollkommenheiten ein. Diese Mischung aus Begeisterung und Vorbehalt ermöglicht einen Zugang zu Sam Peckinpah, ohne sein Werk auf eine Feier des Blutes zu reduzieren.
Ein Lob, das die Mängel nicht ausblendet
Bei seinem Besuch in der Sendung Jimmy Kimmel Live im Oktober 2022 sprach Tarantino über Filme, die er für perfekt hielt. Als er The Wild Bunch hinzufügte, schränkte er seine Aussage ein: Technisch perfekt fand er den Film nicht, doch seine Kraft schien ihm schwer anzuzweifeln. NME und andere Medien griffen die Äußerung auf. Diese Präzisierung verhindert, dass das Lob zu der wörtlichen Behauptung wird, jedes Element des Films sei makellos.
The Wild Bunch, 1969 uraufgeführt, folgt einer Gruppe von Männern, deren Lebensweise ihrem Ende entgegenzugehen scheint. Der Verschleiß ist nicht nur körperlich. Ihre Loyalitätskodizes müssen sich in einer Welt behaupten, die von wirtschaftlichen Interessen, Waffen und übermächtigen Kräften geprägt ist. Die Gewalt geht aus dieser Situation und aus den Entscheidungen hervor, die sie darin treffen.
Der Film muss seine Protagonisten nicht als vorbildliche Menschen darstellen, damit ihr Schicksal Bedeutung erhält. Wir können Verbundenheit, Erinnerungen und Widersprüche erkennen, ohne jede Tat zu entschuldigen. Diese Ambivalenz macht die Identifikation des Publikums unsicherer als eine einfache Einteilung in Helden und Schurken.
Tarantinos Hinweis auf die Unvollkommenheit ist ein hilfreicher Ausgangspunkt für eine kritische Betrachtung. Es gibt Filme, deren Wirkung aus dem Spannungsverhältnis zwischen Elementen entsteht, die sich nicht nahtlos zusammenfügen. Ihre Größe kann neben Übertreibungen, unbequemen Momenten und fragwürdigen Entscheidungen bestehen. Sie zu bewundern heißt nicht, diese Spannung auszublenden.
Die Inszenierung der Gewalt und die Wahrnehmung des Körpers
In den großen Sequenzen von The Wild Bunch erscheint Gewalt nicht als einheitliche Handlung, die wir in einem einzigen Tempo verfolgen können. Wechselnde Bildausschnitte und Zeitspannen zersplittern die Wahrnehmung. Eine Bewegung wird unterbrochen, ein Körper stürzt, eine andere Position rückt ins Blickfeld. Die Montage macht den Zusammenstoß zu einem zeitlichen ebenso wie zu einem räumlichen Erlebnis.
Zeitlupe lässt den Schaden auf andere Weise wahrnehmen, wirkt aber nicht losgelöst vom übrigen Film. Ihre Wirkung hängt vom Kontrast zu schnelleren Bildern und von der Ansammlung verschiedener Blickwinkel ab. Das Publikum kann zugleich von der Form fasziniert sein und das ablehnen, was diese Form zeigt.
Der Ausdruck poetische Gewalt sollte nicht dazu dienen, die Opfer auszublenden. Das Adjektiv kann eine Gestaltung von Rhythmus und Bild beschreiben, birgt aber auch das Risiko, das Leiden zum Dekor zu machen. In The Wild Bunch erschwert die Dichte von Körpern, Lärm und Zerstörung eine völlig unbefangene Beziehung zum Spektakel.
Auch der Raum bleibt kein neutrales Spielfeld. Die Menschen nehmen Positionen ein, die sich mit jedem Schuss verändern, und die kollektive Dimension verhindert, dass jeder Tod gleich viel Aufmerksamkeit erhält. Diese Ungleichheit der Wahrnehmung trägt zum Unbehagen der Sequenz bei: Das Spektakel kann unsere Fähigkeit überfordern, einzeln zu erfassen, was gerade geschieht.
Diese Beobachtungen beschreiben Peckinpahs Montage; sie sollten nicht zu einer vermeintlichen technischen Erklärung Tarantinos umgedeutet werden. Sein belegtes Lob eröffnet einen Zugang zum Film. Eine genauere Betrachtung seiner Bilder ermöglicht es anschließend, darüber zu diskutieren, welche Wirkung diese Gewalt entfaltet und warum sie sich weiterhin nicht auf eine einzige Antwort reduzieren lässt.
Loyalität, das Ende einer Epoche und eine gemeinsame Entscheidung
Die Beziehung zwischen den Männern verleiht den letzten Handlungen Gewicht. Ein Aufbruch oder ein kurzer Wortwechsel kann Entscheidungen enthalten, die keiner langen Rede mehr bedürfen. Die Gruppe hat eine Geschichte voller Verluste und Verpflichtungen angesammelt; das Publikum spürt diese Last an der Art, wie die Männer gehen und einander erkennen.
Der Loyalitätskodex löst nicht alle Widersprüche auf. Er kann eine solidarische Geste antreiben und zugleich mit Grausamkeit, Opportunismus oder Verachtung für Außenstehende einhergehen. Der Film lässt diese Gruppenmoral ihre dramatische Anziehungskraft behalten, ohne sie zu einer universellen Ethik zu erheben, die das Publikum annehmen müsste.
Die müden Gesichter verleihen diesem Kodex eine körperliche Dimension. Erfahrung kann Geschicklichkeit mit sich bringen, hinterlässt aber auch Spuren der Abnutzung, die sich durch keine heroische Erklärung tilgen lassen. Die Zeit der Figuren wird spürbar, bevor jemand sie in Worte fasst.
Zudem besteht ein Unterschied zwischen dem Idealbild, das die Figuren von sich haben, und der materiellen Wirklichkeit ihres Handelns. Geld, Waffen und das eigene Überleben verschwinden nicht, wenn sie sich auf ihre Prinzipien berufen. Diese Mischung verhindert, dass man sie zu abstrakten Sinnbildern eines untergegangenen Westens macht. Ihre Welt mag dem Ende entgegengehen und dennoch zutiefst gewalttätig sein.
Tarantinos Bewunderung für Peckinpah umfasst auch andere Facetten. In seinem Gespräch bei den BAFTA 2019 nannte er Junior Bonner als einen Film, zu dem man wegen seiner Figuren zurückkehrt. Dieser kurze Verweis erinnert daran, dass die Verbundenheit nicht allein von der blutigen Montage abhängt und dass ein filmisches Werk sehr unterschiedliche Freuden bieten kann.
The Wild Bunch bleibt ein besonders intensiver Fall, weil der Film die Zuneigung zu den Männern nicht ohne Weiteres vom Entsetzen über ihre Taten trennt. Das Publikum kann ihr Schicksal bedauern und zugleich den Schaden erkennen, der damit einhergeht. Diese Spannung verleiht Tarantinos nuanciertem Lob von 2022 Bedeutung: Ein Film kann eine außergewöhnliche Kraft bewahren, ohne deshalb makellos oder bequem zu sein.
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