Fulcis Bewunderung lässt sich an einer Vertriebsentscheidung ablesen, die The Beyond zurück in die Kinos brachte und einem größeren Publikum zugänglich machte.
Aus einer Empfehlung wird eine Wiederaufführung
Die konkreteste Verbindung zwischen Quentin Tarantino und Lucio Fulci findet sich in The Beyond, der ursprünglich 1981 in die Kinos kam. Rolling Thunder Pictures, das mit Tarantino verbundene Label, beteiligte sich gemeinsam mit Grindhouse Releasing daran, den Film dem US-amerikanischen Publikum wieder zugänglich zu machen. Die Forscherin Paola Brembilla datiert diese Wiederaufführung in ihrer Studie zur internationalen Verbreitung des Films, die am 26. August 2019 veröffentlicht wurde, auf das Jahr 1998. Diese Unterstützung lässt sich belegen, ohne eine Rangliste von Fulcis Lieblingsfilmen zu erfinden.
Der Unterschied zwischen Lob und Verleih ist wichtig. Eine Äußerung kann Neugier wecken; eine Wiederaufführung schafft die konkrete Möglichkeit, einen Film unter neuen Bedingungen zu sehen. Dazu gehören Filmkopien, Kinos, Werbung und ein Titel, der erneut in Umlauf kommt. Der Name eines bekannten Filmemachers kann Zuschauer anziehen, die zuvor nicht nach diesem Werk gesucht hätten. Was sie schließlich erleben, hängt jedoch davon ab, was sie vor der Leinwand vorfinden.
In diesem Fall ist auch die Geschichte der verschiedenen Fassungen wichtig. Brembillas Studie erinnert daran, dass der Film in den USA unter dem Titel 7 Doors of Death verbreitet wurde – mit Änderungen am Schnitt und an der Musik. Die Wiederaufführung Ende der 1990er-Jahre erleichterte den Zugang zu einer Fassung ohne diese Kürzungen. Es ging also nicht einfach darum, den Ruf eines Werks mit einem prestigeträchtigen Satz aufzupolieren: Auch der Film selbst, den das Publikum kennenlernen konnte, veränderte sich.
Das Hotel und eine Albtraumlogik
The Beyond erzählt von einer Frau, die ein Hotel in Louisiana erbt, in dem eine gewaltsame Vergangenheit und eine übernatürliche Bedrohung das Erleben des Ortes verändern. Der Film ordnet nicht alle Episoden zu einer Untersuchung, die verspricht, jede Frage zu beantworten. Die Zusammenhänge können instabil wirken, und die Orte bieten nicht länger die Sicherheit, die sie eigentlich vermitteln sollten. Diese Instabilität trägt zur Wirkung des Films bei, auch wenn nicht alle Zuschauer sie gleich bewerten.
Das Hotel eignet sich besonders gut als Ausgangspunkt, weil es Vertrautes mit Unbekanntem verbindet. Es ist ein Gebäude, das Menschen beherbergen soll, enthält aber Zimmer, Keller und Flure, deren Geschichte die Protagonistin nicht kennt. Es zu erben bedeutet nicht, es zu verstehen. Die Erzählung spielt diesen Unterschied zwischen dem Besitz eines Ortes und der Möglichkeit, sich darin sicher aufzuhalten, aus – bis die Architektur selbst zu einer Bedrohung wird, die sich den Entscheidungen derjenigen entzieht, die das Hotel zu verwalten versucht.
Fulci arbeitet zudem mit der Verletzlichkeit des Körpers. Die körperlichen Angriffe vermitteln nicht bloß, dass jemand gestorben ist: Sie unterbrechen den Zusammenhang der Welt und machen das Hinsehen schwer. Die Aufmerksamkeit für Augen und Gesichter fällt besonders ins Gewicht in einem Film, in dem die Wahrnehmung ohnehin unsicher ist. Sehen kann Informationen liefern, bietet aber keinen Schutz. Erkenntnisse kommen zu spät oder ermöglichen nicht, wie erhofft einzugreifen.
Die Atmosphäre hängt auch davon ab, wie die einzelnen Episoden aufeinander bezogen sind. Eine Szene kann mit einer vertrauten Aufgabe beginnen und sich zu einer Situation entwickeln, die den zuvor geltenden Regeln nicht mehr folgt. Dem Zuschauer geht die Sicherheit verloren, vorhersehen zu können, welche Orte sicher sind und welche Figuren die Kontrolle behalten. Der Film steigert dieses Misstrauen, bis die Vorstellung einer Rückkehr zu einer stabilen Normalität immer unwahrscheinlicher erscheint.
Was es bedeutet, Fulci zu würdigen
Wer The Beyond verteidigt, muss weder seine Brüche leugnen noch sie sämtlich als vom Regisseur bewusst erklärte Absichten ausgeben. Eine kritische Lesart kann anerkennen, dass die Stärke des Films eher in Assoziationen, Atmosphäre und Momenten großer Intensität als in einer klar nachvollziehbaren Kausalität liegt. Eine andere kann diese Erzählweise für unzureichend halten. Die Meinungsverschiedenheit ist dann produktiv, wenn sie sich darauf bezieht, was der Film bewirkt, statt ihn ausschließlich an den Erwartungen an einen konventionellen Ermittlungs-Thriller zu messen.
Tarantinos Beteiligung an der Wiederaufführung bietet einen Kontext für die Rezeption, erklärt aber nicht automatisch jede Einstellung. Sie rechtfertigt auch nicht, ihm Werbetexte über Fulci zuzuschreiben, die andere verfasst haben. Das Programm des New Beverly erinnert an die Restaurierung und Wiederaufführung, doch eine institutionelle Inhaltsangabe und eine namentlich gezeichnete Rezension sind unterschiedliche Dokumente. Die nachweisbare Bewunderung zeigt sich in der Unterstützung für die Verbreitung des Werks; ihre konkreten Beweggründe sollten, wenn sie wiedergegeben werden, mit eindeutig zuordenbaren Aussagen belegt sein.
Diese Unterstützung knüpft an die Grindhouse-Kultur und das Exploitation-Kino an, in denen viele Filme ein ausgesprochen interessiertes Publikum fanden, ohne im Zentrum der kritischen Anerkennung zu stehen. Ihre Wiederentdeckung eröffnet die Möglichkeit, zu überprüfen, was in den gängigen Darstellungen der Filmgeschichte außen vor blieb. Dadurch wird nicht jeder Randtitel automatisch zum Meisterwerk, aber das Publikum erhält die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu bilden.
Wer sich über diese Verbindung Fulci nähern möchte, ist mit The Beyond besser beraten als mit einer beliebigen Liste seiner gesamten Filmografie. Es lohnt sich, die gesehene Fassung zu bestimmen und darauf zu achten, wie die Räume und Körper ihre Stabilität verlieren. Die Bedeutung der Wiederaufführung von 1998 liegt darin, diese Begegnung ermöglicht zu haben. Der Film kann weiterhin Bewunderung, Ablehnung oder Verwirrung auslösen, ohne dass Tarantinos Ansehen für ihn sprechen muss.
Entdecke die Auswahl an Filmemachern und Schauspielern, die Tarantino bewundert.
