Grindhouse und Autokino: Tarantinos Erinnerung an das Kinoerlebnis

Grindhouse steht sowohl für eine Art, Filme zu sehen und zu vertreiben, als auch für eine Ästhetik. Tarantino macht Erinnerungen an Programme, Kinos und Filmkopien zum Stoff für neue Geschichten.

Eine Kinokultur, kein einzelnes Genre

Grindhouse wird mit Kinos verbunden, die Exploitationfilme zeigten, oft in Endlosschleifen oder Doppelvorstellungen. Autokinos boten eine andere Art des Erlebens: Das Publikum blieb in seinen Fahrzeugen vor einer Leinwand im Freien. Beide Vorführformen konnten dieselben Filme und Vermarktungsstrategien teilen, waren aber weder derselbe Ort noch schufen sie genau dieselbe Beziehung zwischen Publikum und Bildern.

Das Exploitationkino umfasst unterschiedliche Genres. Horror, Action, Erotik und Geschichten über Gewalt konnten mit einem auffälligen Element beworben werden, das das Publikum anziehen sollte. Die Bezeichnung garantiert keine bestimmte Qualität und bedeutet auch nicht, dass alle Filme gleich waren. Manche kamen mit geringen Budgets aus; andere nutzten umfangreichere industrielle Ressourcen oder waren kommerziell wesentlich erfolgreicher als erwartet.

Tarantinos Verhältnis zu diesem Kino umfasst sein Interesse an Filmen, die in weniger angesehenen Darstellungen der Filmgeschichte zu kurz kommen konnten. Ihm geht es nicht nur darum, unbekannte Titel wiederzuentdecken. Er achtet auch auf Schauspiel, Schnittlösungen, Musik und Erzählweisen, die ihre Energie bewahren können, wenn sie in einem anderen Werk aufgegriffen werden.

Das B-Movie- und Exploitationkino in Reservoir Dogs lässt dieses Interesse schon vor dem Projekt Grindhouse erkennen. Der Regisseur muss kein altes Kino nachbilden, um auf Mittel zurückzugreifen, die mit diesen Filmen verbunden sind. Die Erinnerung an den Kinobetrieb zeigt sich im Ton, in der Gewalt und in der Verbindung von Anspielungen, die neben anderen, stärker anerkannten Traditionen stehen.

Grindhouse macht das Programm zum Teil des Werks

Grindhouse vereinte 2007 Planet Terror von Robert Rodriguez und Death Proof von Tarantino in einer Doppelvorstellung mit zusätzlichem Material, das an das Kinoerlebnis erinnerte. Auch die Wartezeit zwischen den Filmen und der Kontrast ihrer Laufzeiten gehören zu einer Vorstellung: Sie wecken Erwartungen, mit denen ein einzelnes Werk nicht auf dieselbe Weise umgehen muss. Das gesamte Programm war wichtig: Das Publikum erlebte eine Abfolge von Beiträgen und wechselnden Tonlagen, nicht einfach einen einzelnen Langfilm mit altmodischer Optik.

Abnutzungsspuren, Bildveränderungen und Anspielungen auf fehlendes Material tragen zu dieser Simulation bei. Es sind Entscheidungen einer zeitgenössischen Produktion, die eine beschädigte Filmkopie darstellt. Sie mit versehentlichen Fehlern beim Dreh zu verwechseln, hieße, ihre Funktion zu verkennen. Der Film entwirft eine Erinnerung daran, wie bestimmte Kopien nach vielen Vorführungen im Umlauf sein konnten.

Die Position von Death Proof innerhalb von Grindhouse prägt den Rhythmus des Films und sein Verhältnis zum Gesamtprogramm. Seine spätere Verbreitung als eigenständiger Langfilm schafft ein anderes Erlebnis. Die Unterschiede zwischen der Programmfassung und der erweiterten Fassung müssen bei jeder Schnittfassung einzeln betrachtet werden, denn die Rede von einer einzigen Version kann wichtige Änderungen an Laufzeit und Struktur verdecken.

Die Zusammenarbeit mit Robert Rodriguez bringt zwei unterschiedliche filmische Sensibilitäten zusammen, die durch ein gemeinsames Programm nicht identisch werden. Planet Terror entfaltet eine Horror- und Actionfantasie; Death Proof verbindet Gespräche, Bedrohung und Verfolgungsjagden. Die Doppelvorstellung macht diese Unterschiede zu einem Teil des Vergnügens am Kinoerlebnis – wie damals, wenn ein Programm Werke mit unterschiedlichen Tonlagen vereinte.

Ein Erlebnis bewahren, ohne es mit der gesamten Geschichte gleichzusetzen

Das New Beverly Cinema zeigt eine weitere Dimension von Tarantinos Verhältnis zum Kino. Das Filmprogramm und das Engagement für Vorführungen auf Zelluloid führen seine Tätigkeit als Zuschauer und Sammler fort. Dennoch hat jede einzelne Vorstellung ihre eigene Geschichte, und nicht jeder dort gezeigte Film ist als Tarantinos absoluter Lieblingsfilm zu verstehen.

Auch bei der Debatte über Zelluloid und digitale Projektionmüssen Trägermedium, Erhaltung und Erlebnis voneinander unterschieden werden. Eine fotochemische Filmkopie kann Eigenschaften bieten, die der Filmemacher schätzt, doch ihre Verteidigung bedeutet nicht, dass jede Beschädigung wünschenswert ist. Die simulierten Abnutzungsspuren in Grindhouse sind eine ästhetische Entscheidung; bei der Erhaltung eines Films müssen die Materialien gepflegt werden, damit er zugänglich bleibt.

In Once Upon a Time in Hollywood gehört das Autokino zu Cliff Booths alltäglicher Umgebung. Sein Zuhause liegt neben einer Leinwand und einer Vorführinfrastruktur, die sein Privatleben umgibt. Das mit Cliff verbundene Autokinomacht die Filmkultur zu einer bewohnbaren Landschaft und zugleich zu einem visuellen Bezugspunkt. Kino ist hier Arbeit, Freizeit und Nachbarschaft.

Nostalgie kann reizvolle Aspekte hervorheben und andere in den Hintergrund rücken. Eine begeistert erinnerte Doppelvorstellung steht nicht für sämtliche Arbeits-, Geschäfts- oder gesellschaftlichen Bedingungen jener Kinos. Eine Analyse kann Tarantinos Zuneigung anerkennen, ohne die Vergangenheit als einheitliches Erlebnis darzustellen oder jeden Film zu verklären, der in diesen Kreisläufen gezeigt wurde.

Sein Beitrag besteht darin, das Kinoerlebnis als Teil der Erinnerung an den Film zu betrachten. Die Reihenfolge eines Programms, der Zustand einer Kopie und der Ort, von dem aus man zusieht, beeinflussen, woran man sich erinnert. Grindhouse verwandelt diese Bedingungen in eine filmische Form; das New Beverly setzt sich über sein Programm mit ihnen auseinander. Beide Ansätze zeigen, dass ein Film seine Bedeutung weiter verändern kann, je nachdem, wie er seinem Publikum erneut begegnet.

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