Robert Rodriguez und Tarantino: unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen Robert Rodriguez und Quentin Tarantino hat nicht nur eine einzige Form. Ihre Credits zeigen eine Beziehung, die von einem gemeinsamen Film bis zu einem punktuellen Beitrag reichen kann, ohne die Urheberschaft an den einzelnen Arbeiten zu verwischen.

Eine Freundschaft, aus der verschiedene Formen der Zusammenarbeit entstanden

In einem gemeinsamen Interview von 2007 verorteten Rodriguez und Tarantino ihre erste Begegnung beim Filmfestival in Toronto, wo sie mit El Mariachi und Reservoir Dogs unterwegs waren. Ihre Beziehung vertiefte sich, als sie bei weiteren Festivals aufeinandertrafen. Dieser Anfang ist wichtig, weil beide mit eigenen Filmen und noch im Aufbau befindlichen Karrieren kamen. Ihre Zusammenarbeit entstand zwischen Regisseuren, die bereits nach ihrer eigenen Position suchten, und nicht dadurch, dass ein Assistent zu einem etablierten Autor hinzustieß.

Die Vorliebe für populäres Kino bot eine gemeinsame Basis, doch ihre Arbeitsweisen und Filme sind nicht identisch. Rodriguez hat eine Praxis entwickelt, die stark damit verbunden ist, mehrere technische Aufgaben zu übernehmen und mit digitalen Werkzeugen zu experimentieren. Tarantino misst dem Drehbuch, den Darstellern und der Erfahrung mit analogem Film besondere Bedeutung bei. Ihre Freundschaft ermöglicht den Austausch von Ressourcen, ohne dass einer dauerhaft die Arbeitsweise des anderen übernehmen muss.

Tarantinos Auftritt als Schauspieler in Desperado ist eine frühe Form dieses Austauschs. Vor der Kamera mitzuwirken ist nicht dasselbe, wie gemeinsam Regie zu führen. Diese Unterscheidung hilft dabei, eine Filmografie zu lesen, in der dieselben Namen in unterschiedlichen Funktionen wiederkehren. Der Beitrag eines Kollaborateurs kann eine schauspielerische Leistung, ein musikalischer Beitrag oder eine klar abgegrenzte Regiearbeit sein.

Der Reiz dieser Beziehung liegt gerade in ihrer Flexibilität. Ein Regisseur kann einem anderen eine bestimmte Aufgabe anvertrauen, ohne sämtliche Entscheidungen für den Spielfilm mit ihm zu teilen. Die Credits machen den Umfang der Zusammenarbeit sichtbar; die Freundschaft erklärt den Kontext, ersetzt aber nicht die professionelle Zuschreibung dessen, was jeder Einzelne getan hat.

Four Rooms und From Dusk Till Dawn verteilen die Aufgaben unterschiedlich

Four Rooms aus dem Jahr 1995 vereint vier Episoden, bei denen Allison Anders, Alexandre Rockwell, Rodriguez und Tarantino Regie führten. Tim Roth sorgt als Hotelpage für Kontinuität, während jedes Segment eine eigene Situation entwickelt. Den Film einfach als Gemeinschaftsregie der beiden Freunde zu bezeichnen, würde die beiden anderen Urheberschaften ausblenden und die Gliederung in separate Episoden verschleiern.

Die Episode von Tarantino und Chester Rushfolgt einer anderen Logik als Rodriguez’ Segment, in dessen Mittelpunkt die Schwierigkeiten stehen, auf Kinder aufzupassen. Das Hotel als gemeinsamer Schauplatz lässt beide Tonlagen nebeneinander bestehen. Das gemeinsame Projekt funktioniert als Begegnungsstruktur: Jeder Regisseur steuert einen Teil bei, und das Publikum erlebt die Abfolge als eine Nacht voller sich häufender Zwischenfälle.

In From Dusk Till Dawn, das 1996 in die Kinos kam, führte Rodriguez Regie, während Tarantino das Drehbuch nach einer Geschichte von Robert Kurtzman verfasste. Außerdem spielte Tarantino Richard Gecko. Die Zusammenarbeit vereint Drehbuch und Inszenierung in unterschiedlichen Händen und umfasst zusätzlich einen schauspielerischen Auftritt. Diese Aufgaben genau zu benennen, ergibt ein präziseres Bild, als den Film unterschiedslos beiden zuzuschreiben.

Der Genrewechsel, der den Spielfilm prägt, lässt eine gemeinsame Vorliebe dafür erkennen, das Publikum von einer Erwartung zur nächsten zu führen. Die Geschichte sollte jedoch nicht als Beleg dafür dienen, dass jede visuelle Entscheidung vom Drehbuchautor stammt. Rodriguez gestaltet das geschriebene Material durch Schauspiel, Effekte, Rhythmus und Raum. Der Film zeigt, wie eine erzählerische Stimme durch eine andere Regiesensibilität hindurchgehen kann, ohne ihre gesamte Identität zu verlieren.

Musik und Gastregie als punktueller Austausch

Der musikalische Beitrag von Rodriguez zu Kill Bill: Volume 2fügte der Beziehung eine weitere Funktion hinzu. Sein Beitrag ist Teil eines Soundtracks, der Materialien unterschiedlicher Herkunft verbindet. Das bedeutet weder, dass er die gesamte Musik der beiden Teile komponierte, noch dass er alle beteiligten Künstler ersetzte. Präzise Credits sind bei einem Werk, das Songs, bereits bestehende Kompositionen und Originalmusik miteinander verbindet, besonders wichtig.

Rodriguez erklärte 2005, dass der symbolische Austausch eines Dollars auf seiner Musik für Kill Bill: Volume 2 beruhte und mit Tarantinos Gastregie bei Sin City erwidert wurde. Außerdem wollte er, dass sein Freund die digitale Filmproduktion ausprobierte. Diese Aussage beschreibt die konkreten Vereinbarungen; sie legt kein allgemeines Honorar zwischen den beiden fest.

Die Autoszene in Sin Citygrenzt diesen Beitrag klar ein. Tarantino wird als Gastregisseur innerhalb eines Films geführt, bei dem Rodriguez und Frank Miller Regie führten. Eine dritte Unterschrift macht das Projekt nicht automatisch zu einer gleichberechtigten Gemeinschaftsregie über das gesamte Filmmaterial. Gerade der begrenzte Umfang des Beitrags macht diesen Fall besonders.

Die Erfahrung macht verständlich, wie Zusammenarbeit zum Experimentierraum werden kann. Ein Filmemacher kann innerhalb des Projekts eines anderen eine Technik erproben, ohne zu versprechen, sie später immer einzusetzen. Der Austausch eröffnet den Zugang zu Werkzeugen und einer Arbeitsumgebung. Sein Ergebnis sollte im Rahmen des jeweiligen Films beurteilt werden, ohne einen beruflichen Gastauftritt als endgültige ästhetische Bekehrung zu deuten.

Grindhouse greift 2007 die Idee eines Doppelprogramms wieder auf. Rodriguez führte bei Planet Terror Regie, Tarantino bei Death Proof. Die Position von Death Proof innerhalb von Grindhouseergibt sich aus dieser gemeinsamen Präsentation, zu der Verbindungsmaterial und das Erlebnis einer Filmvorführung gehören. Es sind zwei Spielfilme, die durch ein Auswertungsprojekt miteinander verbunden sind und jeweils einen eigenen Hauptregisseur haben.

Die Kultur der Grindhouse-Kinos und Autokinosbildet den Hintergrund dieses Konzepts. Die gemeinsame Idee verlangt keine Einheitlichkeit: Ein Film kann sich auf die Effektexzesse konzentrieren, der andere auf Gespräche, Autos und Verfolgungsjagden. Die Zusammenarbeit lässt diese Unterschiede bestehen. Im Laufe der Jahre haben Rodriguez und Tarantino eine unverwechselbare Beziehung aufgebaut, weil sie zusammenarbeiten können, ohne dass ihre Credits, Werkzeuge oder Entscheidungen austauschbar werden.

Siehe den Leitfaden zu Tarantinos kreativen Partnern und Produzenten.