Weniger bekannte Empfehlungen sind besonders hilfreich, wenn wir wissen, wo sie ausgesprochen wurden. Drei im New Beverly veröffentlichte, namentlich gezeichnete Kritiken geben Einblick in konkrete Begeisterung – samt Vorbehalten und eigenen Maßstäben.
The Dynamite Brothers: eine Überraschung, die Erwartungen verändert
Am 1. April 2020 veröffentlichte Tarantino eine positive Besprechung von The Dynamite Brothers, einem Film von Al Adamson aus dem Jahr 1974. Er erklärte, er habe den Film auf Empfehlung von Elvis Mitchell entdeckt, und hob die Kombination aus Martial Arts, Blaxploitation und Musik hervor. Seine Begeisterung ging mit einer Überraschung einher: Der Film veränderte seine eher geringe Erwartung an den Regisseur.
Der Fall zeigt, wie eine Empfehlung zu einer offenen Erfahrung werden kann. Eine Filmografie zu kennen, verpflichtet niemanden dazu, den Wert all ihrer Filme im Voraus festzulegen. Ein Titel kann Elemente auf unerwartete Weise zusammenführen – selbst für jemanden, der mit dieser Art von Produktion vertraut ist. Neugier bleibt nützlich, wenn sie ein vorheriges Urteil verändern kann, statt es nur zu bestätigen.
Für neue Zuschauerinnen und Zuschauer bietet die Verbindung verschiedener Traditionen einen Einstieg. Martial-Arts-Filme und Blaxploitation sind keine identischen Kategorien, auch wenn ein Film auf Elemente aus beiden zurückgreifen kann. Das Zusammenspiel der Hauptfiguren, das urbane Umfeld und der Einsatz von Musik zeigen, wie unterschiedliche Erwartungen in einer Action-Erzählung nebeneinander bestehen können.
Man sollte den Film ansehen, ohne das geringe Budget automatisch als Entschuldigung oder als Vorzug zu betrachten. Eine kleine Produktion kann eine Szene einfallsreich oder unbeholfen umsetzen. Tarantinos Empfehlung lädt dazu ein, einen bestimmten Film anzusehen – nicht dazu, jedes Werk mit einem ähnlichen Budget für wertvoll zu erklären. Die Überraschung ist bedeutsam, weil sie Raum lässt, zwischen den Ergebnissen zu unterscheiden.
Fatal Needles vs Fatal Fists: einen Film schätzen, ohne alles daran zu bewundern
In seiner Besprechung vom 9. März 2020 setzte sich Tarantino für Fatal Needles vs Fatal Fists ein, einen Film von Lee Tso-nam aus dem Jahr 1978. Seine positive Einschätzung ging mit Vorbehalten gegenüber anderen Arbeiten des Hauptdarstellers einher. Der Text zeigt, dass eine Empfehlung nicht bedeutet, dieselbe Begeisterung auf die gesamte Karriere der Beteiligten auszudehnen.
Diese Unterscheidung ist besonders hilfreich bei Genres, deren umfangreiche Kataloge schwer zu überblicken sein können. Ein Schauspieler wirkt in Filmen mit unterschiedlichen Regisseuren, Drehbüchern und Produktionsbedingungen mit. Ein bekannter Name gibt Orientierung, sagt aber noch nichts über das Filmerlebnis aus. Eine konkrete Empfehlung kann auf den Punkt hinweisen, an dem bestimmte Fähigkeiten besonders gut zur Geltung kommen.
Das Interesse an Martial-Arts-Filmen beschränkt sich auch nicht darauf, Schläge zu zählen. Die Action hängt von den Erwartungen an die Figuren, ihren vorherigen Entscheidungen und den Beziehungen ab, die einer Auseinandersetzung Bedeutung verleihen. Wie ein Kampf vorbereitet wird, kann unser Empfinden beeinflussen, sobald er beginnt. Sichtbares Können und dramatischer Aufbau stehen einander nicht entgegen.
Eine namentlich gezeichnete Kritik macht außerdem Vorbehalte sichtbar, die verloren gehen, wenn ein Titel lediglich als Favorit gehandelt wird. Ein Lob kann teilweise oder vergleichend sein oder sich auf eine bestimmte Darstellung konzentrieren. Diese Nuancen zu bewahren, ist für Leserinnen und Leser hilfreicher, als ein allgemein perfektes Werk zu versprechen. Man kann sich einen Film ansehen, wissen, was der Empfehlende daran bemerkenswert fand, und sich dennoch eine eigene Meinung bilden.
Soul Brothers of Kung Fu und die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen
Die am 24. Dezember 2019 veröffentlichte Besprechung von Soul Brothers of Kung Fu hebt die Beziehung zwischen den von Bruce Li und Lo Meng gespielten Figuren hervor. Tarantino würdigt, wie die emotionale Ebene die Action trägt. Bruce Li und Bruce Lee sind unterschiedliche Darsteller; die Ähnlichkeit ihrer Namen darf bei der Identifizierung des Films nicht über diesen Unterschied hinwegtäuschen.
Die Empfehlung wirft eine anregende Frage für die Sichtung auf: Was geschieht zwischen den Menschen, bevor der Konflikt körperlich ausgetragen wird? Ein Kampf kann spektakulär sein und zugleich wehtun, weil Figuren aufeinandertreffen, deren Beziehung wir kennengelernt haben. Die Bewegung hat eine emotionale Wirkung, die nicht allein vom technischen Schwierigkeitsgrad der Choreografie abhängt.
Diese drei Filme bilden keine von Tarantino gemeinsam veröffentlichte Rangliste. Sie sind hier zusammengestellt, weil es nachvollziehbare Kritiken zu ihnen gibt und sie weniger bekannte Bereiche seiner Filmleidenschaft erschließen. Auch der Ausdruck „verborgener Schatz“ ist relativ: Ein Film, der der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, kann für Menschen, die ein Genre oder eine Filmkultur seit Jahren verfolgen, vertraut sein.
Das New Beverly Cinema bietet einen Rahmen, in dem Filmvorführungen und Texte miteinander in Beziehung treten können. Dennoch sollte man die Urheberschaft jedes Textes überprüfen. Dass ein Essay auf der Website des Kinos erscheint, bedeutet nicht, dass Tarantino ihn verfasst hat. In diesen Fällen ist die Autorenschaft ausdrücklich angegeben, sodass sich seine Meinungen von denen anderer Mitwirkender der Website unterscheiden lassen.
Die Auswahl trägt auch dazu bei, die sogenannten Guilty Pleasures Tarantinos einzuordnen. In seinen Besprechungen kann er Begeisterung und Einwände äußern, ohne sich für die Art von Kino zu entschuldigen, mit der er sich auseinandersetzt. Für alle, die Neues entdecken wollen, ist diese Vorgehensweise ergiebiger, als um der Seltenheit willen nach Raritäten zu suchen: einen Film ausfindig machen, darauf achten, was er leistet, und den Figuren, dem Tempo oder den formalen Lösungen erlauben, die investierte Zeit zu rechtfertigen.
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