Tarantino hat Fortsetzungen verteidigt, die den Ton verändern, eine Saga erweitern oder einen überzeugenden Abschied finden. Seine Kommentare zu Indiana Jones und der Tempel des Todes, Mad Max: Fury Road und Toy Story 3 stammen aus verschiedenen Gesprächen und bilden keine einheitliche Rangliste von Fortsetzungen.
Indiana Jones und der Tempel des Todes und die Freiheit, einen anderen Weg einzuschlagen
In seinem Gespräch mit ReelBlend im August 2022 hob Tarantino Indiana Jones und der Tempel des Todes unter seinen Spielberg-Favoriten hervor und stellte Der weiße Hai in eine eigene Kategorie. MovieMaker hat diese Einschätzung im Zusammenhang mit seinen Ansichten zur Saga aufgegriffen. Das Lob sollte nicht mit seinem Vergleich von Der letzte Kreuzzug und Das Königreich des Kristallschädels verwechselt werden, den er ebenfalls bei diesem Gespräch äußerte.
Indiana Jones und der Tempel des Todes kam 1984 als zweiter Film der Indiana-Jones-Reihe in die Kinos, obwohl seine Handlung vor den Ereignissen von Jäger des verlorenen Schatzes spielt. Als Fortsetzung der Filmreihe ist er ein Nachfolger, in der internen Chronologie jedoch ein Prequel. Wer beide Aspekte berücksichtigt, vermeidet, dass eine Diskussion über Fortsetzungen mit einer Verwechslung der Daten beginnt.
Der Film nimmt einen eigenen Weg, mit anderen Begleitern und einem Ton, der Humor, Abenteuer und Horror verbindet. Er ist nicht darauf angewiesen, die Beziehungen des ersten Teils genau zu wiederholen. Der Protagonist bleibt unverkennbar, doch die Umstände verändern die Art des Unbehagens und der Gefahr, denen er sich stellen muss.
Als kritische Betrachtung zeigt diese Entscheidung eine Möglichkeit, eine Geschichte fortzusetzen: Eine zentrale Figur bleibt erhalten, darf aber eine andere Art von Erfahrung machen. Das Publikum erlebt Vertrautes, ohne dass jede Szene dieselbe Funktion erfüllen muss wie eine frühere Szene der Reihe.
Das Ergebnis kann beim Publikum auch auf geteilte Meinungen stoßen. Mehr groteske Intensität oder eine andere komödiantische Dynamik bereitet nicht allen dasselbe Vergnügen. Tarantinos Lob dokumentiert eine persönliche Reaktion; es macht den Film weder zur zwingenden Wahl noch beendet es die Diskussionen über die Darstellung anderer Orte und Kulturen.
Mad Max: Fury Road und die Erneuerung einer Saga
Im Dezember 2015 fragte Première Tarantino bei der Pariser Vorstellung von The Hateful Eight direkt nach seinem Film des Jahres. Er entschied sich für Mad Max: Fury Road. Der Artikel vom 15. Dezember berichtet außerdem von seinen anfänglichen Zweifeln angesichts der Abwesenheit von Mel Gibson und seiner Begeisterung nach der Sichtung. Das ist ein klares Beispiel dafür, wie sich eine Erwartung ändern kann.
Fury Road gehört zu einer älteren Saga, doch um den Konflikt zu verstehen, muss man nicht alle vorherigen Teile minutiös nachzeichnen. Die Welt wird durch Körper, Fahrzeuge, Ressourcen und Machtverhältnisse vermittelt. Das Publikum erfährt das Nötige, während die Handlung voranschreitet, und versteht das Ziel, ohne eine lange Erklärung der Vorgeschichte zu erhalten.
Auch Furiosas Präsenz verändert die Rolle der Figur, die der Reihe ihren Namen gibt. Max ist an einer Flucht beteiligt, die er nicht begonnen hat, und muss einen Weg finden, mit den anderen zusammenzuarbeiten. Der Film bewahrt erkennbare Elemente seines Universums, verteilt Initiative und emotionales Gewicht jedoch anders.
Diese Fähigkeit zur Erneuerung hilft dabei, Tarantinos Lob einzuordnen. Die Kontinuität hängt nicht ausschließlich vom Schauspieler ab und auch nicht davon, eine bereits abgeschlossene Geschichte zu wiederholen. Das Porträt von George Miller und die Mad-Max-Sagabeleuchtet den Zusammenhang zwischen dieser Bewunderung und den Entscheidungen des australischen Filmemachers.
Man sollte Tarantinos Kommentar von 2015 nicht automatisch auf Mad Max II übertragen oder behaupten, er habe alle Teile auf dieselbe Weise eingeordnet. Jeder Film muss einzeln zugeordnet werden. Zu Fury Road liegt hier eine direkte, datierte Aussage vor, die ausreicht, um den Film in die Auswahl aufzunehmen.
Toy Story 3: Weitermachen, um zu einem Ende zu finden
In seinem Gespräch mit Bill Maher im Jahr 2024, das von Entertainment Weekly verbreitet wurde, verteidigte Tarantino die ersten drei Toy-Story-Filme als zusammengehöriges Werk, das einen gelungenen Abschluss gefunden habe. Deshalb erklärte er, dass er kein Interesse daran habe, Toy Story 4 anzusehen. Seine Haltung bezog sich darauf, das Erlebnis einer Trilogie zu bewahren, nicht auf eine negative Besprechung des vierten Teils.
Toy Story 3 macht den Lauf der Zeit durch die Kontinuität der Figuren sichtbar. Die Spielzeuge sind weiterhin mit Andy verbunden, doch die Bedingungen dieser Verbindung haben sich verändert. Der Film kann seinen Konflikt nicht einfach lösen, indem er alles in den Zustand des ersten Abenteuers zurückversetzt: Das Erwachsenwerden gehört zum Problem.
Ein dritter Teil hat damit eine andere Aufgabe als ein zweiter. Er kann das Gewicht einer vertrauten Beziehung zusammenführen und entscheiden, was auf andere Weise fortbestehen soll. Der Abschied gewinnt an Bedeutung, weil das Publikum erkennt, was zurückgelassen wird – selbst wenn die unmittelbare Handlung auch für sich genommen funktioniert.
Die drei Beispiele zeigen unterschiedliche Möglichkeiten, eine Reihe fortzuführen. Indiana Jones und der Tempel des Todes schlägt einen anderen Weg ein; Fury Road ordnet eine Actionwelt neu; Toy Story 3 nutzt Vertrautheit, um einen Verlust zu gestalten. Tarantinos Einschätzung lässt sich nicht auf eine allgemeine Zustimmung zu oder Ablehnung von Fortsetzungen reduzieren.
Das Kriterium, das sich aus diesem Vergleich ableiten lässt, ist eine kritische Schlussfolgerung und keine wörtliche Regel von Tarantino: Eine Fortsetzung muss ein konkretes Erlebnis bieten, das die Rückkehr rechtfertigt. Das kann durch Überraschung, Erneuerung oder einen Abschluss gelingen. Ein bekannter Name öffnet dem Publikum die Tür; was danach geschieht, entscheidet, ob diese Rückkehr Sinn ergibt.
Entdecke die Auswahl an Filmen, die Tarantino empfiehlt.
