George Miller und Mad Max: Tarantinos dokumentierte Begeisterung

Tarantinos deutlichstes Lob für George Miller ist datiert und einem Film gewidmet: Dezember 2015, Mad Max: Fury Road.

Eine 2015 geäußerte Wahl

Am 15. Dezember 2015 veröffentlichte Première das Gespräch mit Quentin Tarantino bei der Pariser Präsentation von The Hateful Eight. Auf die Frage nach dem besten Film des Jahres nannte er Mad Max: Fury Road. Außerdem berichtete er von seinen anfänglichen Vorbehalten, Mel Gibson durch Tom Hardy zu ersetzen, und davon, wie sich seine Haltung nach dem Ansehen des Films änderte. Das Zeugnis dokumentiert eine konkrete Begeisterung, die erst nach dem Sehen des Films entstand – keine vorweggenommene Zustimmung aus Treue zu einer Filmreihe.

Diese Veränderung ist bedeutsam, weil sie die Erinnerung an einen Star von der Erfahrung mit einem neuen Werk trennt. Eine bekannte Figur kann untrennbar mit ihrem ursprünglichen Darsteller verbunden scheinen; ein anderer Film muss auf der Leinwand zeigen, dass sich diese Beziehung verändern kann. Die Antwort hängt nicht allein davon ab, ob der neue Schauspieler vertraute Gesten nachahmt. Entscheidend ist, welchen Platz ihm die Geschichte einräumt und mit welcher Welt sie ihn in Berührung bringt.

Die Aussage aus dem Jahr 2015 sollte nicht dazu dienen, Kritiken zu allen früheren Filmen zu erfinden. Mad Max II – Der Vollstrecker, der 1981 erschien, ist ein zentraler Bezugspunkt, wenn man die Entwicklung von Millers Kino vergleicht. Diese historische Bedeutung liefert jedoch für sich genommen kein Zitat Tarantinos zu diesem Film. Die Beziehung zwischen den beiden Filmen lässt sich analysieren, ohne das belegte Lob mit einer späteren kritischen Deutung zu vermischen.

Von Mad Max II bis Fury Road: Die Straße als Erzählung

In Mad Max II strukturieren die Bewegung der Fahrzeuge und der Kampf um Ressourcen eine Welt, die kaum ausführliche Erklärungen braucht. Anhand der Gegenstände lassen sich Hierarchien und Bedürfnisse erschließen. Ein Treibstoffvorrat oder ein Fahrzeug, mit dem sich ein Gebiet durchqueren lässt, ist wertvoll, weil der Film zeigt, was die Menschen damit tun können und welche Risiken sie für den Erhalt dieser Dinge eingehen.

Fury Road führt diese Fähigkeit, durch Handlungen zu erzählen, in einer stark verdichteten Verfolgungsstruktur weiter. Die Fahrtrichtung, die Positionen zueinander und der Wechsel von Fahrzeugen sind ebenso wichtig wie die Worte. Das Publikum muss eine Situation verstehen, die sich rasch verändert. Klarheit setzt kein langsames Tempo voraus: Sie kann entstehen, indem ein räumliches Ziel wiederholt wird und sich anschließend die Bedingungen ändern, unter denen es erreicht werden kann.

Die Körper machen die Anstrengung sichtbar, die diese Bewegung ermöglicht. Fahren, sich festhalten, jemandem helfen oder nach einem Gegenstand greifen – einfache Handlungen gewinnen an Intensität, weil sie unter Druck stattfinden. Der Weg erscheint so als Abfolge körperlicher Entscheidungen. Das Spektakel beeindruckt durch seine Größe, aber auch durch den unmittelbaren Zusammenhang zwischen einer Geste und ihren möglichen Folgen.

Der Vergleich der beiden Filme macht deutlich, dass eine Idee Bestand hat: Zivilisation kann als prekäre Ordnung rund um Maschinen, Ressourcen und Gruppen dargestellt werden. Um zu verstehen, dass um jeden nützlichen Gegenstand gekämpft wird, braucht es keine vorherige Lektion über den Zusammenbruch. Die Welt entsteht, während die Figuren in ihr handeln, und das Publikum lernt ihre Regeln kennen, während es ihre Konflikte miterlebt.

Furiosa, Max und gemeinsames Handeln

In Fury Road verfolgt Furiosa ein Ziel, das Max sich nicht gesetzt hat. Dadurch verändert sich die Erwartung, dass der titelgebende Protagonist das gesamte Abenteuer erklären und lenken muss. Die Beziehung der beiden entwickelt sich durch Vertrauensproben, Zusammenarbeit und Meinungsverschiedenheiten. Verständnis entsteht nicht dadurch, dass einer eine umfassende Rede über seine Vergangenheit hält; es zeigt sich vielmehr daran, was der andere tut, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, zu helfen oder zu verraten.

Der Film verteilt Fähigkeiten außerdem auf mehrere Figuren. Ein Moment der Action kann davon abhängen, wer fährt, wer beobachtet und wer an einer anderen Stelle des Fahrzeugs eine scheinbar kleine Aufgabe erledigt. So lässt sich das Spektakel nicht auf die Einzelleistung einer unbesiegbaren Figur reduzieren. Das Überleben wird zu einer gemeinsamen Aufgabe, und der Schnitt muss diese Abhängigkeit verständlich machen.

Die visuelle Umgebung trägt dazu bei, dass sich die Konflikte schnell erfassen lassen. Der Unterschied zwischen geschlossenen und offenen Räumen, die Größe der Maschinen und die Präsenz verletzlicher Körper lenken unsere Aufmerksamkeit. Die Bildfülle macht es nicht überflüssig, das Publikum zu orientieren. Wenn ein Bild viele Elemente enthält, ist es besonders wichtig zu erkennen, welche Handlung die Situation verändert.

Auch die Blickrichtungen bestimmen das Tempo. Zu wissen, wer ein Hindernis vor den anderen bemerkt, lässt uns ein Manöver vorausdenken und sein Risiko spüren, ohne dass eine Figur es erklären muss.

Deshalb ist Tarantinos Lob interessanter als Einladung, genauer hinzusehen, denn als Auszeichnung, die jede Diskussion beenden soll. Fury Road zeigt, wie ein Film großen Maßstabs aus Bewegung, Ressourcen und Vertrauen Emotionen entstehen lässt. Mit seiner Wahl von 2015 würdigte Tarantino ein konkretes Kinoerlebnis. Der Vergleich mit Mad Max II erweitert den Blick auf Millers Werk, wahrt aber die Unterscheidung zwischen dem, was Tarantino gesagt hat, und dem, was jeder beim erneuten Ansehen der Filme selbst entdecken kann.

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