True Romance bewahrt Tarantinos Stimme in den Dialogen und Situationen, doch Tony Scott verleiht dem Film eine eigene filmische Form. Die Umstellung der Chronologie und Clarences Schicksal verändern die Bedeutung des Abenteuers.
Eine Liebesbegegnung wird zur Flucht
Quentin Tarantino schrieb das Drehbuch zu True Romance, und Tony Scott führte Regie bei dem Film, der 1993 in die Kinos kam. Christian Slater spielt Clarence Worley, Patricia Arquette Alabama Whitman. Ihre Begegnung, die zunächst auf einer Vereinbarung beruht, von der Clarence nichts weiß, entwickelt sich zu einer Beziehung, zu der sich beide bewusst bekennen. Das Verbrecherabenteuer beginnt, als Clarence versucht, in Alabamas früheres Leben einzugreifen, und schließlich mit einem Koffer voller Kokain davonkommt.
Das Paar sieht in der Ware eine Chance, seiner Lage zu entkommen und sich eine Zukunft aufzubauen. Dem Zuschauer ist dagegen klar, dass sie zu einem gewalttätigen Netzwerk gehört, das nicht einfach verschwindet, nur weil ihre neuen Besitzer verliebt sind. Die Geschichte nutzt diesen Unterschied, um romantische Begeisterung mit Bedrohung zu verbinden. Jeder Schritt hin zu finanzieller Unabhängigkeit zieht Menschen an, deren Interessen das Paar nicht kontrollieren kann.
Das Drehbuch lässt Figuren in gefährlichen Situationen über Filme, Musik und ihre privaten Sehnsüchte sprechen. Clarence stellt sich sein Verhalten anhand von Helden und Figuren der Popkultur vor; Alabama deutet es aus einer Loyalität heraus, die immer stärker wird. Ihre Bezugspunkte machen sie verständlicher, zeigen aber auch die Kluft zwischen einer Abenteuerfantasie und den körperlichen Verletzungen, die ihnen drohen.
Scott übernimmt viele Dialoge und Konfrontationen aus Tarantinos Vorlage und gestaltet das Ganze zugleich als geradliniger verlaufende Geschichte. Die Abweichung von der zeitlichen Anordnung des Originaldrehbuchs verändert, wann und wie Informationen vermittelt werden. Der Film begleitet die Begegnung, die Flucht und den Versuch, die Drogen zu verkaufen, mit zunehmend größerer Klarheit und lässt das Publikum durchgehend mit dem Vorhaben des Paares mitfiebern.
Nebenfiguren, die die Liebesgeschichte verkomplizieren
Die Welt, durch die Clarence und Alabama reisen, ist bevölkert von Figuren, die auch kurze Szenen beherrschen können. Drexl, Clarences Vater, die Gangster, die Vermittler und der Filmproduzent haben eigene Interessen und ihre eigene Art zu sprechen. Diese Vielschichtigkeit verhindert, dass die Flucht zu einer leeren Straße zwischen zwei Liebenden wird. Jede Begegnung bringt eine andere Logik von Begehren, Angst oder Gewinn mit sich.
Das Gespräch zwischen Clifford Worley und Vincenzo Coccotti bündelt eine Art der Konfrontation, bei der verbales Kalkül einen Teil der Handlung ersetzt. Der Vater versucht zu entscheiden, welche Informationen er preisgibt und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit ist. Die Gewalt bleibt spürbar, auch wenn sie auf sich warten lässt. Die Episode macht deutlich, was das Abenteuer kostet: Clarences Entscheidungen betreffen jemanden, der nicht dieselbe Hoffnung teilt, mit dem Geld entkommen zu können.
Alabama muss ihrerseits einen Angriff überstehen, der anhaltenden körperlichen Widerstand verlangt. Die Szene zeigt sie als aktive Beteiligte, die kämpfen kann, wenn die romantische Fantasie keinen Schutz mehr bietet. Sie kann Liebe ausdrücken und sich brutal zur Wehr setzen. Der Film hält diese Kombination im überschwänglichen Ton, in dem er das Paar zeichnet.
Beim abschließenden Verkauf treffen Kriminelle, Polizisten und Leute aus dem Filmgeschäft aufeinander. Niemand hat den vollen Überblick über die anderen. Geld und Drogen machen den Raum zu einem Ort, an dem verschiedene Geschäfte kollidieren. Das Drehbuch baut aus den getrennten Interessen einen gemeinsamen Höhepunkt, während Scott ihn in eine Actionszene münden lässt, die das Liebesglück zu zerstören droht.
Das veränderte Ende und das Schicksal des Geldes
In Tarantinos ursprünglichem Ende starb Clarence, während Alabama mit dem Geld weiterzog. Scott entschied sich dafür, beide überleben zu lassen. In Interviews sprachen die beiden über diesen Unterschied: Tarantino verteidigte zunächst Clarences Tod, den er geschrieben hatte, räumte später aber ein, dass das Überleben zu der romantischen Geschichte passte, die Scott geschaffen hatte. Die Änderung beeinflusst die Schlusswirkung und die Deutung des gesamten Handlungsverlaufs.
Im Film wird Clarence verletzt, und Alabama hilft ihm bei der Flucht. Das Geld eröffnet die Möglichkeit eines späteren Lebens, die im Familienidyll am Ende Gestalt annimmt. Die Beute ist nicht mehr nur der Antrieb für ein kriminelles Geschäft, sondern wird zu dem Mittel, das die Fantasie stützt, dem System zu entkommen, das die beiden verfolgt. Das Ende gibt dem Fortbestehen des Paares den Vorrang vor der Strafe, die das Abenteuer hätte nach sich ziehen können.
Im Originaldrehbuch überlebt Alabama ohne Clarence. Dieses Ende hätte die Liebe mit einem unwiderruflichen Verlust verbunden. Für den Vergleich muss man nicht behaupten, die eine Fassung sei die wahre und die andere ein Fehler: Es handelt sich um unterschiedliche erzählerische Entscheidungen, die unterschiedliche Sensibilitäten widerspiegeln. Wer um die Änderung weiß, kann besser beurteilen, was Scotts Film dadurch gewinnt und aufgibt.
Das Geld bleibt innerhalb dieser Geschichte. Es gibt keinen belegten Zusammenhang, der es zum Inhalt eines Koffers aus einem anderen Film oder zur Finanzierung einer Organisation aus Tarantinos Universum macht. True Romance kann Namen, Gemeinsamkeiten und spielerische Verweise auf andere Werke teilen, ohne dass jeder Gegenstand zwischen ihnen weiterwandert. Das Ende klärt das unmittelbare Schicksal von Clarence und Alabama durch eine besondere Mischung aus Liebe, Gewalt und Glück.
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