Simone, gespielt von Hattie Winston, gehört zu Ordell Robbies Umfeld und hat einen kurzen Auftritt in Jackie Brown. Ihr Haus dient Louis als Unterkunft, und ihre Anwesenheit bei der Probe für die Geldübergabe macht deutlich, dass Ordell eine weitere Person in den Ablauf eingebunden hat. So tritt sie auf zwei unterschiedliche Arten im Leben des Drogendealers in Erscheinung: als Teil seines Umfelds und als Helferin bei einem Geldgeschäft.
Der Film muss ihr keinen langen Dialog geben, damit sie im Gedächtnis bleibt. Ihr Auftritt vor Louis und die spätere Identifizierung der Frau, die bei der Probe mitwirkt, sind ihre deutlichsten Momente. Auch ihre Abwesenheit hat Folgen, als Ordell sie ersetzen muss.
In der Besetzungsliste des BFI wird Hattie Winston als Simone geführt. Dieser Name gehört zur Schauspielerin; sie ist nicht mit Winston zu verwechseln, der für Max Cherry arbeitet. Simones Funktion wird durch ihre eigenen Auftritte deutlich, ohne sie zu Ordells ständiger Beraterin zu machen oder ihr Entscheidungen zuzuschreiben, die jemand anderes trifft.
Simone wird in einem gemeinsam mit Louis genutzten Wohnraum eingeführt. Er ist gerade in Ordells Umfeld zurückgekehrt und befindet sich in einer abhängigen Lage: Er braucht eine Unterkunft und erhält Arbeitsangebote von seinem früheren Kollegen. Durch Simones Anwesenheit erfahren wir etwas über das Leben zwischen den Aufträgen.
Der Auftritt vor Louis
The Quentin Tarantino Archives nennt Baby Love von The Supremes als das Lied, das Simone vor Louis singt. Sie singt und tanzt für ihn in einer privaten Situation. Der Moment zeigt eine eigene Aktivität der Figur, die wir an anderen Stellen der Geschichte vor allem durch das kennenlernen, was Ordell über sie sagt.
Louis ist hier Zuschauer. Diese Rollenverteilung verleiht der Begegnung einen besonderen Reiz: Für einen Moment richten wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Frau, die für jemand anderen auftreten möchte, und einen Mann, der ihren Auftritt erlebt. Das kriminelle Geschäft tritt in den Hintergrund, und der Wohnraum wird zu einem Ort, an dem etwas anderes geschieht als die Vorbereitung des nächsten Auftrags.
Die Szene macht den Unterschied zwischen der Zugehörigkeit zu einem Geschäft und der Beschäftigung damit in jedem Augenblick sichtbar. Simones Haus ist ein Ort, an dem jemand singen und ein anderer die Zeit verbringen kann. Dieser alltägliche Gebrauch macht nachvollziehbar, dass Ordell Louis dort finden kann, verleiht der Frau aber zugleich eine Präsenz, die über die eines Namens in seinem Adressbuch hinausgeht.
Die musikalische Darbietung bleibt Teil der Handlung. Simone führt sie für ihren Begleiter auf, auch wenn Winston sie verkörpert. So zeigt der Film einen kleinen Auftritt innerhalb eines anderen: Die Figur gestaltet ihre Darbietung, und das Publikum von Jackie Brown beobachtet zugleich die Person, die ihr dabei zusieht.
Die Frau bei der Probe
Bei der Probe für die Geldübergabe kommt nach Sheronda eine zweite Frau ins Spiel, die die Taschen weiterreicht. Max bemerkt diesen Eingriff. Als Jackie nach einer Erklärung verlangt, identifiziert Ordell die Frau als Simone. Diese Enthüllung ändert, was Jackie über den geplanten Ablauf zu wissen glaubte.
Simone ist hier Teil von Ordell Robbie. Ihr Auftauchen zeigt, dass der Drogendealer Vorsichtsmaßnahmen trifft und entscheidet, welche Informationen er weitergibt. Jackie muss wissen, wer alles mitwirken wird. Ordell hingegen verhält sich, als könne er ohne Weiteres eine weitere Person einbeziehen, ohne dass dies die bisherigen Absprachen berührt.
Eine Abwesenheit, die eine Planänderung erzwingt
Simone ist vor der eigentlichen Geldübergabe verschwunden, und Ordell holt Melanie als Ersatz. Der Film vermittelt diese Änderung durch ihn. Die für eine Aufgabe vorgesehene Frau steht nicht mehr zur Verfügung, und der Drogendealer muss mit einer anderen Beteiligten weitermachen.
Das schränkt sein Bild von sich als jemandem ein, der alles unter Kontrolle hat. Er kann die Menschen in seinem Umfeld als verlässliche Helfer darstellen, doch wenn er sie ruft, müssen sie auch da sein. Der Ersatz zeigt, dass er in der Praxis auf andere angewiesen ist. Sein Geschäft stützt sich auf persönliche Beziehungen, über die er nicht so vollständig verfügt, wie er vorgibt.
Simone wird dem Publikum auf unterschiedliche Weise zugänglich. Bei ihrem Auftritt vor Louis können wir sie beobachten, während sie aus eigenem Antrieb etwas tut. In späteren Gesprächen wird ihr Verhalten von Ordell geschildert. Dieser Wechsel der Perspektive ist bemerkenswert: Wenn eine Figur über eine andere spricht, erfahren wir auch etwas darüber, welche Beziehung sie zu ihr zu haben vorgibt.
Ordell stellt die Menschen in seinem Umfeld meist so dar, wie es ihm gerade nützt. Einen Helfer bei sich wohnen zu lassen, eine Tasche abzuholen oder zu einer bestimmten Zeit verfügbar zu sein – solche Aufgaben möchte er nach Belieben verteilen können. Simones kurzer Auftritt gibt einer dieser Personen ein Gesicht, bevor die Geschichte von ihrem Ausscheiden aus dem Plan erzählt.
Was außerhalb dieses Ablaufs geschieht, lässt der Film offen. Er begleitet Simone nach ihrem Weggang nicht weiter und gibt ihr auch kein Geständnis, das all ihre Beweggründe erklären würde. Ihre Abwesenheit lässt sich anhand der dadurch erzwungenen Änderung verstehen, ohne ihr eine spätere Lebensgeschichte anzudichten, die der Film nicht erzählt.
