Der Eintrag zum Colt Army 1860 bringt Joe Gage mit Oswaldo Mobray durcheinander. Wer die Waffe unterscheidet, die er abgibt, und die, die verborgen bleibt, versteht John Ruths trügerisches Sicherheitsgefühl.
Der Army 1860 gehört zu einer anderen Figur
Illustrierte Waffenübersichten zu The Hateful 8 identifizieren den umgebauten Colt Army 1860 als den Revolver, der Oswaldo Mobray zugeordnet ist. Joe Gage wird mit einem umgebauten Colt 1851 Navy gezeigt, während die unter dem Tisch versteckte Waffe als Colt Walker identifiziert wird. Das sind weder drei Bezeichnungen für ein und dieselbe Waffe noch austauschbare Varianten innerhalb der Szene.
Mit dieser Unterscheidung soll nicht anhand eines Bildes jedes Detail des Requisits aus den Dreharbeiten bestätigt werden. Die Identifizierung des dargestellten Modells ist etwas anderes als die Herkunft einer Replik, ihr Hersteller oder ihre Anpassungen. Die herangezogene Dokumentation ermöglicht es, die Zuordnung zu den Figuren zu korrigieren, bietet aber keine vollständigen Produktionsangaben, die nicht verfügbar sind.
Eine Waffe abzugeben bedeutet nicht, entwaffnet zu sein
John Ruth nimmt den Gästen der Kurzwarenhandlung ihre Waffen ab und glaubt, so die Gefahr zu verringern. Bei Joe Gage betrifft das den sichtbar getragenen Revolver, doch die unter dem Tisch bereitgelegte Waffe bleibt davon unberührt. Die Spannung beruht auf dem Unterschied zwischen dem, was Ruth unter Kontrolle hat, und dem, wovon er nichts weiß.
Der verborgene Gegenstand zeigt, dass die Bande Zeit hatte, den Raum vor der Ankunft der Reisenden vorzubereiten. Der Tisch ist nicht mehr nur ein Möbelstück, an dem jemand schreibt oder wartet. Er ist Teil eines kriminellen Plans, der sich die gewöhnliche Erscheinung des Lokals zunutze macht. Die Bedrohung kommt nach der Durchsuchung nicht von draußen: Sie war bereits in das Versteck eingebaut.
Die spätere Enthüllung lässt das Verhalten von Joe Gage, auch Grouch Douglass genannt neu bewerten. Sein Widerstand oder seine Gelassenheit müssen nicht als isolierte Charakterzüge verstanden werden. Später erfährt das Publikum, dass er über Mittel verfügt, von denen die anderen nichts wissen. Diese Information verändert die Bedeutung seiner Körperhaltung oder seiner scheinbaren Zustimmung zu Ruths Regeln.
Der Schussversuch lässt die Maske des Reisenden fallen
Als Gage nach der versteckten Waffe greift, verbindet der Tisch seine Vorgeschichte mit dem gegenwärtigen Geschehen. Der Gegenstand, der außerhalb von Ruths Kontrolle geblieben war, eröffnet ihm eine letzte Möglichkeit, den Ausgang zu verändern. Die Schnelligkeit des Schlagabtauschs ist wichtiger als eine vermeintliche Vorführung der Leistungsfähigkeit des Modells.
Die falsche Zuordnung des Army 1860 kann diese doppelte Struktur aus dem Blick geraten lassen: die abgegebene Waffe und die, auf die er weiterhin zugreifen kann. Der Film nutzt diese Trennung, um zu zeigen, dass eine sichtbare Vorsichtsmaßnahme unzureichend sein kann, wenn der Gegner das Terrain vorbereitet hat. Gage braucht kein spektakuläres Waffenarsenal; es reicht, dass ein Teil des Raums den anderen unbekannt bleibt.
Hier liegen zugleich die Grenzen und der Reiz der Requisitenanalyse. Die Unterscheidung zwischen Navy, Walker und Army hilft, den Gegenständen zu folgen und die Figuren nicht zu verwechseln. Die filmische Funktion liegt in der ungleichen Informationslage, der Vorbereitung des Ortes und dem Moment, in dem der vermeintliche Reisende seine Rolle nicht mehr aufrechterhält. Dafür muss man weder technische Anleitungen noch durch die Quellen nicht belegte Angaben zu den Dreharbeiten hinzufügen.
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