Die musikalische Bedrohung in The Hateful Eight hat ein unverkennbares Gewicht. Dieser Effekt entsteht aus einer Kombination von Klangfarben und rhythmischer Beharrlichkeit, nicht durch ein einzelnes tiefes Instrument.
Kontrabass und Kontrafagott sind nicht dasselbe
Wer über die Orchestrierung von The Hateful Eight spricht, muss Instrumente unterscheiden, die zwar in derselben tiefen Lage spielen, aber unterschiedliche Klänge erzeugen. Der Kontrabass gehört zur Streicherfamilie. Das Kontrafagott ist ein Holzblasinstrument und mit dem Fagott verwandt. Wer beide verwechselt, macht aus einer Beobachtung zur Tonhöhe eine falsche Instrumentenbestimmung.
Analysen des Themas L’ultima diligenza di Red Rock heben die Rolle von Fagott, Kontrafagott und Tuba sowie der Streicher und des Schlagwerks hervor. Dabei geht es nicht einfach darum, einer heroischen Melodie ein sehr tiefes Fundament hinzuzufügen. Die tiefen Klangfarben prägen den Charakter des Motivs selbst: Es wirkt beharrlich, rau und alles andere als bereit, ein Gefühl triumphaler Ankunft zu vermitteln.
Die Tuba macht einen weiteren Unterschied deutlich: Sie ist ein Blechblasinstrument. Dass mehrere tiefe Lagen vertreten sind, bedeutet nicht, dass das gesamte Gewicht von den Holzbläsern ausgeht. Das Orchester kann aus unterschiedlichen Klangquellen eine gemeinsame Klangmasse formen und dem Ohr zugleich ermöglichen, Unterschiede zwischen ihnen wahrzunehmen. Diese Vielfalt ist wichtig, damit die Wiederholung nicht zu einer gleichförmigen Fläche wird.
Die Spannung hängt auch davon ab, wie ein Motiv wiederkehrt
Ein tiefer Klang kann je nach Kontext warm, komisch oder bedrohlich wirken. In dieser Partitur entsteht das Gefühl der Gefahr nicht allein durch die Tonhöhe. Die Beharrlichkeit der Figuren, die Art, wie sich Schichten aufbauen, und ihr Verhältnis zu markanteren Einsätzen tragen dazu bei, dass die Bewegung eine noch nicht entladene Spannung zu enthalten scheint.
Die Wiederholung bietet dem Hörer etwas Vertrautes, aber nicht unbedingt Beruhigendes. Sie kann den nächsten Schritt vorhersehbar machen und zugleich das Gefühl vermitteln, dass es keinen Ausweg aus dem Muster gibt. Das passt zu einem Film, in dem die Figuren gezwungen sind, in Beziehungen zu verharren, die von gegenseitigem Misstrauen geprägt sind. Die Musik schreitet voran, ohne Freiheit zu versprechen.
Die Streicher sorgen für Kontraste in Artikulation und Dichte. Ihre gesamte Funktion sollte weder auf gehaltene Töne reduziert noch für jede Komposition gleich angesetzt werden. In manchen Passagen können sie die Spannung aufrechterhalten, in anderen markante Einsätze oder Bewegung einbringen. Eine vollständige technische Beschreibung würde eine Untersuchung der Partitur jedes einzelnen Cues erfordern. Die unterschiedlichen Funktionen verbieten es jedoch, die Streichergruppe als undifferenzierten Hintergrund zu behandeln.
Auch die Distanz zu einigen früheren Western Morricones verändert die Erwartungen. Das Publikum kann eine weit ausgreifende, mit der Landschaft verbundene Melodie erwarten und stattdessen auf eine stärker von der Intrige geprägte Klangsprache treffen. Das bedeutet nicht, dass der Komponist keinen Western mehr schreibt. Es bedeutet, dass er auf die Art des Konflikts in diesem Film eingeht, in dem die größte Gefahr aus dem Zusammenleben und den Geheimnissen entsteht.
Der Verlagskatalog zum Hauptwerk bestätigt eine umfangreiche Besetzung mit Chor, Holzbläsern, Blechbläsern, Schlagwerk, Synthesizer und Streichern. Diese Vielfalt spricht dagegen, die gesamte Partitur auf ein Instrumentenpaar zu reduzieren. Die tiefe Klangidentität entsteht innerhalb eines Orchesters, das Dichte und Klangfarbe verändern kann – nicht durch eine Beschränkung der Mittel.
Von der Landschaft zum Körper der Figuren
Die tiefe Lage kann der Fahrt der Postkutsche Gewicht verleihen und dieses Gewicht später bewahren, wenn sich die Handlung auf den Gemischtwarenladen konzentriert. So gehören Außen- und Innenraum derselben Bedrohung an. Die Musik muss den Schnee nicht wörtlich beschreiben, um daran zu erinnern, dass die Reise nicht an einem sicheren Ort geendet hat.
Die Textur kann auch körperlich wirken. Einsätze, Atemgeräusche und die Schwingungen der Instrumente erzeugen eine andere Präsenz als eine ätherische Linie, die hoch über dem Geschehen liegt. Diese Nähe lässt sich mit Figuren in Verbindung bringen, die essen, trinken, zittern und bluten. Das ist eine Deutung der Klangwirkung, keine Behauptung, jedes Instrument stehe für ein bestimmtes Organ oder eine bestimmte Figur.
Die Arbeit von Ennio Morricone mit Tarantinobeschränkt sich nicht darauf, den Ton zu bestätigen, den die Bilder bereits vorgeben. Die Musik kann einen Verdacht aufkommen lassen, bevor der Dialog ihn in Worte fasst, oder ihn aufrechterhalten, während die Bewohner des Unterschlupfs versuchen, sich normal zu verhalten. Ihre relative Eigenständigkeit erweitert den emotionalen Spielraum der Szene, ohne notwendigerweise sachliche Informationen über den Täter zu liefern.
Zudem sollte man den Klang des Albums vom Filmmix unterscheiden. In einer isolierten Aufnahme können bestimmte Details deutlicher hervortreten als dann, wenn sie sich den Raum mit Stimmen, Wind oder Schüssen teilen. Die Funktion im Film hängt von dieser Mischung ab. Ein Höreindruck vom Album rechtfertigt nicht die Behauptung, dass dasselbe Instrument jede Einstellung dominiert, in der das Material zu hören ist.
Die Partitur von The Hateful Eightgewinnt einen Teil ihrer Identität dadurch, dass die tiefe Lage zu einer aktiven Stimme wird. Fagott, Kontrafagott, Blechbläser, Streicher und Schlagwerk bilden keine Liste symbolischer Entsprechungen. Sie schaffen Beziehungen zwischen Gewicht und Bewegung, die es schwer machen, sich auf das Bild zu verlassen. Präzision bedeutet, diese Kombination zu erkennen und Angaben zu Takt, Besetzung oder Spieltechnik nur dann zu machen, wenn sie durch entsprechende Quellen belegt sind.
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