Sony erhielt den Vertrieb von Once Upon a Time in... Hollywood nach Tarantinos langjähriger Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Weinsteins. Die von der Presse verbreiteten Vertragsbedingungen sind von einem vollständigen, öffentlich zugänglichen Vertrag zu unterscheiden.
Ein Film, für den ein neuer Partner gesucht werden musste
Der Vertrag fällt in den Umbruch, der auf die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein im Jahr 2017 folgte. Während eines großen Teils seiner Karriere hatte Tarantino mit Unternehmen zusammengearbeitet, die mit Harvey und Bob Weinstein verbunden waren. Sein nächster Spielfilm führte zu Verhandlungen mit anderen Studios. Um diesen beruflichen Bruch zu verstehen, ohne ihn auf eine Marketingmaßnahme zu reduzieren, sollte man die Geschichte von Miramax und den Weinsteins mit Tarantino von den konkreten Bedingungen trennen, die zu Sony veröffentlicht wurden.
Im November 2017 berichteten Branchenmedien, Sony habe die weltweiten Rechte zur Finanzierung und zum Vertrieb des Projekts erhalten. Im Februar 2018 gab das Unternehmen offiziell den Titel Once Upon a Time in... Hollywood sowie die Beteiligung von Leonardo DiCaprio und Brad Pitt bekannt. In der Mitteilung wurde der Film als Tarantinos neunter Film bezeichnet. Diese Angaben beziehen den Vertrag auf eine konkrete Produktion und nicht auf eine allgemeine Übertragung seiner gesamten Filmografie.
Das Interesse verschiedener Studios verschaffte dem Regisseur die Möglichkeit, Angebote zu vergleichen. Der Wert des Projekts beruhte nicht auf einem bereits bestehenden Filmfranchise: Es vereinte ein eigenes Drehbuch, eine hochkarätige Besetzung und eine Präsentation, die Tarantinos Handschrift in den Mittelpunkt stellte. Für das ausgewählte Studio bedeutete der Vertrag, einen beträchtlichen Betrag in einen Originalfilm zu investieren und diesen zu vermarkten. Für Tarantino bedeutete er, nach vielen Jahren kontinuierlicher Zusammenarbeit mit einem anderen Partner zu arbeiten.
Man muss den Vertrag nicht als beispielloses Ereignis bezeichnen, um sein Interesse zu erklären. Entscheidend ist die Kombination der ausgehandelten Aufgaben: Wer stellt die Mittel bereit, wer bringt den Film auf den Markt, wie viel Entscheidungsfreiheit behält der Urheber über das Werk und wie werden die Erträge aus seiner Verwertung aufgeteilt? Jede dieser Fragen ist eigenständig. Eine Meldung, die all das auf eine Zahl oder einen Slogan verkürzt, kann mehr verschleiern als erklären.
Welche Bedingungen veröffentlicht wurden – und welche Grenzen ihnen gesetzt sind
Die Los Angeles Times berichtete 2019 von einer künftigen Rückübertragung des Urheberrechts an Tarantino nach dreißig Jahren, möglicherweise mit Verlängerungsoptionen. Aus diesem Pressebericht sollte nicht die Behauptung abgeleitet werden, der Filmemacher habe sofort das vollständige Eigentum am Film erhalten. Eine künftige Rückübertragung beschreibt einen an Bedingungen geknüpften Zeitraum; wie sie funktioniert, lässt sich anhand einer einzelnen Meldung nicht vollständig rekonstruieren.
Veröffentlicht wurden auch Bedingungen zur kreativen Kontrolle und zur finanziellen Beteiligung. In diesem Zusammenhang sollte man Bruttoeinnahmen, Gewinne, Kostendeckung und Prozentsätze nicht so behandeln, als wären sie austauschbare Begriffe. Eine Beteiligung, die auf einer bestimmten Berechnungsgrundlage beruht, führt nicht zwangsläufig zum selben Ergebnis wie eine, die nach bestimmten Abzügen berechnet wird. Ohne den vollständigen Vertrag lässt sich anhand einer einzelnen Zahl weder ermitteln, wie viel der Regisseur erhielt, noch welche Rendite das Studio erzielte.
Die Kontrolle über den Final Cut gehört zu einem anderen Bereich. Sie beschreibt die kreative Entscheidungsbefugnis über die Filmfassung, während die Finanzierung angibt, wer finanzielle Verpflichtungen übernimmt, und der Vertrieb sich auf den Weg des Films zum Publikum bezieht. Dass diese Fragen gemeinsam verhandelt werden, macht sie nicht zu ein und derselben Befugnis. Ein Regisseur kann für seinen Final Cut eintreten und zugleich auf einen Verleih angewiesen sein, der den Start in verschiedenen Märkten organisiert.
Vorsicht ist auch beim zeitlichen Geltungsbereich geboten. Eine veröffentlichte Bedingung zu Once Upon a Time in... Hollywood beweist weder, dass für alle früheren Filme Tarantinos dieselben Regelungen galten, noch, dass jeder spätere Film ihnen folgen muss. Jede Produktion hat ihre eigene Vertragsgeschichte. Eine kontinuierliche berufliche Zusammenarbeit kann neue Vereinbarungen erleichtern, berechtigt aber nicht zu der Annahme, eine künftige Verpflichtung sei bereits unterzeichnet, wenn sie noch nicht angekündigt wurde.
Wie die Zusammenarbeit konkret Gestalt annahm
Der Film kam 2019 mit Sony als Verleih in die Kinos. In seiner offiziellen Kommunikation hob das Unternehmen Los Angeles im Jahr 1969 und die Beziehung zwischen einem Fernsehschauspieler und seinem Stuntdouble hervor. Der Leitfaden zu Once Upon a Time in... Hollywood beleuchtet dieses erzählerische Universum. Bei der Analyse des Geschäftsvertrags ist entscheidend, dass aus einer umkämpften Verhandlung ein tatsächlich produzierter und auf den Markt gebrachter Film hervorging.
Im Oktober desselben Jahres kündigte Sony einen erneuten US-Kinostart mit zusätzlichem Material an, das vor und nach dem Spielfilm angesiedelt war. Diese Ankündigung belegt eine konkrete Geschäftsentscheidung. Sie ist weder mit einem öffentlichen Nachweis sämtlicher Final-Cut-Klauseln gleichzusetzen noch mit einer Fassung, die den ursprünglichen Kinostart automatisch für ungültig erklärt. Sie zeigt, dass ein Film nach seinem ersten Kinostart auch in neuen Präsentationsformen ausgewertet werden kann.
Der Vertrag macht auch den Unterschied zwischen dem Wert einer künstlerischen Handschrift und der Arbeit eines Verleihunternehmens deutlich. Der Name des Filmemachers hilft dabei, das Produkt zu erkennen, organisiert aber nicht von selbst Kampagnen, Filmkopien, Starttermine oder Beziehungen zu Kinobetreibern. Das Studio stellt die Strukturen für diese Aufgaben bereit. Der Reiz der Zusammenarbeit liegt gerade darin, unterschiedliche Interessen in einem Film zusammenzuführen.
Die öffentlich zugänglichen Informationen ermöglichen es, diese allgemeine Aufteilung der Aufgaben sowie die Bedingungen zu beschreiben, die mit Quellenangabe mitgeteilt oder veröffentlicht wurden. Sie erlauben es nicht, den Vertrag in eine allgemeingültige Formel zur Messung der Unabhängigkeit eines Regisseurs umzudeuten. Interessant ist vielmehr eine konkrete Verhandlung: Tarantino suchte für ein eigenes Werk einen neuen Partner, und Sony erhielt einen Film, dessen kommerzieller Wert eng damit verbunden war, diese Identität zu bewahren.
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