Tarantinos erste Jobs: vom Pussycat Theater zur Videothek

Bevor er Drehbücher verkaufte, hatte Tarantino Jobs, die nichts mit Regie zu tun hatten. Seine Erinnerungen an die Arbeit in Kinos zeigen den Unterschied zwischen dem Wunsch, Filme zu sehen, und den tatsächlichen Bedingungen eines Arbeitsplatzes.

Was er über seine ersten Jobs erzählte

In seinem Gespräch mit Charlie Rose aus dem Jahr 1994 erinnerte sich Tarantino daran, dass er nach dem Schulabgang Arbeit suchen musste. Als Erstes nannte er einen Job, bei dem er Erwachsenenmagazine in Automaten auffüllte und Münzen einsammelte. Danach erwähnte er seine Stelle als Platzanweiser im Pussycat Theater in Torrance. Diese Abfolge stammt aus seiner rückblickenden Schilderung und nicht aus einer vollständigen Beschäftigungsakte.

Er erzählte auch, dass er bei der Bewerbung für den Job im Kino über sein Alter gelogen hatte. Seine Aufgabe war die eines Kinomitarbeiters, nicht die eines Schauspielers in den gezeigten Filmen. Die Verbindung zu einem Betrieb, der Erwachsenenfilme vorführte, rechtfertigt weder die Behauptung einer nicht existierenden Pornokarriere noch die Annahme, das Programm beschreibe seine persönlichen Vorlieben.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, weil der Name des Kinos oft losgelöst vom Rest der Geschichte kursiert. Eine Schlagzeile kann den Job als provokante Kuriosität darstellen und dabei verschweigen, was Tarantino dort tatsächlich tat. Für seinen Werdegang ist entscheidend, dass er in einem Vorführraum arbeitete, während er noch hoffte, als Schauspieler Fuß zu fassen. Er war einer Leinwand nahe, aber noch keiner eigenen Filmproduktion.

Der Traumjob zeigte nicht die Filme, die er sehen wollte

Tarantino erklärte Rose, dass er sich als Kind den Job als Platzanweiser so vorgestellt hatte, dass er dadurch kostenlos Filme sehen könnte. Das Programm des Pussycat erfüllte diese Erwartung nicht: Er sagte, das Kino habe ihn gelangweilt. Der Gegensatz zwischen seiner Vorstellung von dem Job und seiner tatsächlichen Erfahrung gehört zu seiner Erzählung. Daraus lässt sich nicht schließen, dass er die dort gezeigten Filme besonders bewunderte.

Der Unterschied zwischen einem Kinobesucher und einem Mitarbeiter wird in dieser Enttäuschung deutlich. Ein Zuschauer wählt eine Vorstellung nach seinem Interesse aus; ein Mitarbeiter muss seine Aufgabe erfüllen, unabhängig davon, ob ihm der Film gefällt. Die räumliche Nähe zum Kino beseitigt den Arbeitsalltag nicht. Dieser Aspekt geht leicht verloren, wenn eine Biografie jede frühe Beschäftigung zu einem reizvollen Schritt auf dem Weg nach Hollywood verklärt.

Es gibt auch keine ausreichende Grundlage dafür, diesen Job als Ursprung einer bestimmten Szene in Pulp Fiction oder Death Proof darzustellen. Man kann anerkennen, dass er ein Kino von der Arbeitsseite kennenlernte, ohne Beobachtungen über Kunden, Arbeitszeiten oder Vorfälle zu erfinden. Für seine späteren Filme müssen andere Quellen und Produktionsentscheidungen untersucht werden. Die biografische Information liefert Kontext, aber keine automatische Erklärung für jede künstlerische Entscheidung.

Ein beruflicher Werdegang, der mehr umfasst als eine Anekdote

Im selben Interview erwähnte er weitere Jobs, darunter Telefonverkauf, bevor er in einer Videothek anfing. Eine vollständige Auflistung mit Daten und Bedingungen der einzelnen Stellen gab er nicht. Eine präzise Chronologie muss daher ihre Grenzen wahren: Öffentlich erinnerte Tätigkeiten lassen sich benennen, ohne die Lücken mit vermuteten Jobs oder nicht belegten Zeiträumen zu füllen.

Mit dem Wechsel zum Videoverleih veränderte sich das Verhältnis zwischen Verdienst und persönlichem Interesse. Dort konnte er sein Filmwissen nutzen, um Titel zu empfehlen. Das bedeutet nicht, dass die früheren Jobs nutzlos waren oder die neue Stelle ihm den Zugang zur Branche verschaffte. Zwischen dem eigenen Lebensunterhalt und der Umsetzung eines Drehbuchs in eine Produktion lag weiterhin eine große Distanz.

Die Geschichte lässt sich besser verstehen, wenn man prekäre Verhältnisse nicht zur notwendigen Voraussetzung für Kreativität erklärt. Der spätere Erfolg beweist weder, dass diese Jobs ein sicherer Weg zum Ziel waren, noch, dass man Schwierigkeiten idealisieren sollte. Es waren Erfahrungen eines bestimmten Menschen, die aus seinen Erzählungen bekannt sind und mit seinen noch in der Entwicklung befindlichen Ambitionen und Lernprozessen einhergingen.

Das Pussycat Theater nimmt in dieser Lebensphase einen erkennbaren Platz ein, fasst sie aber nicht vollständig zusammen. Seine biografische Bedeutung liegt in einem einfachen, belegbaren Widerspruch: Tarantino wollte in der Nähe von Filmen arbeiten und stellte fest, dass nicht jede berufliche Verbindung zu einer Leinwand diesen Wunsch erfüllte. Das Filmemachen blieb ein weiteres Ziel, für das er schreiben, zusammenarbeiten und Projekte außerhalb jener Jobs organisieren musste.

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