Das Projekt vor Reservoir Dogs wird oft mit einer Geschichte über vernichtetes Filmmaterial in Verbindung gebracht. Die Aussagen der Beteiligten zeichnen ein komplexeres Bild seiner Entstehung und Aufgabe.
Ein gemeinsames Projekt vor dem professionellen Debüt
My Best Friend’s Birthday war ein Spielfilmprojekt, das Quentin Tarantino und Craig Hamann in den 1980er-Jahren entwickelten. Dass es unvollendet blieb, ist ebenso bedeutsam wie seine zeitliche Einordnung. Es sollte weder als kommerzieller Kinostart gleichrangig mit Reservoir Dogs dargestellt noch ohne Erläuterung in die Nummerierung aufgenommen werden, die der Regisseur für seine Filmografie verwendet. Es handelt sich um ein frühes Projekt, das Einblicke in eine Lern- und Zusammenarbeit vor dem öffentlichen Durchbruch bietet.
In einem Interview, das Trainwreck’d Society im Februar 2020 veröffentlichte, verortete Hamann den Beginn seiner Freundschaft mit Tarantino in den Schauspielkursen von James Best. Er wies die Vorstellung zurück, er habe den Film allein begonnen und Tarantino sei später zu einem fremden Projekt hinzugekommen: Er erinnerte an die gemeinsame Entscheidung, einen Film zu machen. Außerdem identifizierte er die Kamera als eine Bolex mit 16-mm-Film, die Fred Olen Ray geliehen hatte. Das sind Angaben eines Beteiligten, keine aus einer kursierenden Kopie abgeleiteten Details.
Die präzise Einordnung von Hamanns Rolle korrigiert eine verbreitete Tendenz in Biografien berühmter Filmschaffender. Wenn einer der Mitwirkenden wesentlich bekannter wird, können die anderen im Rückblick zu bloßen Helfern werden. Hier gilt es, die gemeinsame Autorenschaft am Drehbuch und Hamanns tatsächlichen kreativen Beitrag festzuhalten. Tarantino als Regisseur anzuerkennen, bedeutet nicht, zu verschweigen, wer mit ihm gearbeitet hat, oder das gesamte Projekt als Einzelleistung darzustellen.
Der Film war als Schwarz-Weiß-Komödie angelegt. Auch dieser Ausgangspunkt ist wichtig: Der künftige Schöpfer von Reservoir Dogs wollte sich nicht ausschließlich auf Geschichten über bewaffnete Kriminelle vorbereiten. In der Komödie lassen sich Missverständnisse, wechselnde Erwartungen und unterschiedliche Haltungen zwischen Menschen erkunden. Sie erweitert das Bild seiner frühen Interessen, erlaubt es aber nicht, aus einem unvollendeten Werk ein vollständiges künstlerisches Programm abzuleiten.
Dreharbeiten in Etappen garantierten noch keinen Erfolg im Schneideraum
Andrew J. Rausch führte für das 2019 veröffentlichte Buch My Best Friend’s Birthday: The Making of a Quentin Tarantino Film Interviews zusammen. Als er im Juni 2023 bei Bulletproof Screenwriting über seine Recherche sprach, beschrieb er eine Produktion, die auf begrenzten Mitteln und über einen langen Zeitraum geleisteter Arbeit beruhte. Außerdem unterschied er zwischen einem ersten Drehbuchentwurf von Hamann und der späteren Erweiterung gemeinsam mit Tarantino. Diese Darstellung der Entwicklung lässt sich mit Hamanns Erinnerung an eine gemeinsame Initiative vereinbaren.
Einen ersten Entwurf zu schreiben, bedeutet nicht zwangsläufig, das gesamte Projekt allein ins Leben gerufen zu haben. Es ist sinnvoll, zwischen der Entscheidung, den Film zu machen, der ersten Fassung des Drehbuchs und späteren Änderungen zu unterscheiden. Das sind verschiedene Phasen einer Zusammenarbeit. Zeitzeugenberichte können dazu ergänzende Sichtweisen liefern, ohne dass der Verfasser jede unterschiedliche Gewichtung zu einem persönlichen Streit erklären muss.
Die Verwendung einer geliehenen Kamera zeigt eine weitere Kluft zwischen Wunsch und Produktion. Zugang zum Gerät eröffnet die Möglichkeit, zu drehen, löst aber nicht die Probleme bei der Koordination der Darsteller, der Kontinuität oder der Organisation des Materials. An jedem Drehtag müssen Fragmente entstehen, die sich später miteinander verbinden lassen. Ein Gespräch, das beim Dreh zu funktionieren scheint, kann Probleme offenbaren, sobald es neben die übrigen Szenen geschnitten wird.
Deshalb spielt der Schnitt in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle. Er ist nicht nur der Ort, an dem ein bereits gelungener Film in Form gebracht wird: Er kann auch zeigen, dass das Material das erhoffte Filmerlebnis nicht trägt. Die Enttäuschung über das Ergebnis macht den Lernerfolg nicht zunichte, verhindert aber, dass aus dem Projekt ein fertiggestelltes, vorführbares Werk wird. Einige Sequenzen abzudrehen und einen stimmigen Spielfilm fertigzustellen, sind unterschiedliche Ziele.
Die Geschichte vom Brand muss mit Quellenangabe und Nuancen erzählt werden
Die am häufigsten wiederholte Version besagt, ein Laborbrand habe einen Großteil des Filmmaterials zerstört. Rausch stellte diese Erklärung im Interview von 2023 infrage. Seinen Recherchen zufolge wurde Material beschädigt, jedoch nicht in einem Umfang, der allein über das Schicksal des Projekts entschied. Den Hauptgrund für den Abbruch sah er in Tarantinos Unzufriedenheit beim Schneiden des gedrehten Materials. Wichtig ist, dies als die von diesem Forscher belegte Schlussfolgerung darzustellen und frühere Gerüchte nicht als unumstößliche Tatsache auszugeben.
Diese Korrektur verändert die Lesart des Films. Ein äußeres Unglück ergibt die Geschichte eines Werks, das seinen Schöpfern entrissen wurde; ein Abbruch nach der Bewertung des Ergebnisses beschreibt ein Problem des Lernens und des Urteilsvermögens. Beide Situationen können unvollständiges Material hinterlassen, bedeuten aber nicht dasselbe. Aus dem Vorhandensein von Fragmenten lässt sich allein weder ableiten, warum andere fehlen, noch wie viel auf den jeweiligen Trägern gedreht oder erhalten wurde.
Auch der unvollständige Rohschnitt, der im Umlauf ist und etwas mehr als eine halbe Stunde dauert, darf nicht mit dem gesamten gedrehten Material verwechselt werden. Eine für Zuschauer verfügbare Kopie kann eine Auswahl sein, während anderes Material nicht zugänglich bleibt. Ohne ein vollständiges Verzeichnis des erhaltenen Materials wäre die Behauptung überzogen, genau das überlebe, was in einem bestimmten Video zu sehen ist. Die Länge der gesichteten Kopie und der Umfang des erhaltenen Archivmaterials sind zwei verschiedene Fragen.
Sein historischer Wert setzt nicht voraus, dass man ihn für ein verborgenes Meisterwerk hält. Das Projekt zeigt Menschen, die den Schritt von der Bewunderung für das Kino zur Organisation eines eigenen Films wagen wollten. Es verbindet Freundschaft, Drehbucharbeit, geliehene Ressourcen und Schwierigkeiten beim Schnitt. Tarantinos spätere Karriere macht diese Erfahrung interessant, ändert aber nichts an ihrem unvollendeten Status und schmälert Hamanns Beitrag nicht. My Best Friend’s Birthday ist als gemeinsame Arbeit und als Versuch bedeutsam, durch praktisches Tun zu lernen – mit Ergebnissen, die die Urheber noch nicht vollständig kontrollieren konnten.
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