Tarantinos Wunsch, Schauspieler zu werden, ging seiner Karriere als Regisseur voraus. Seine Erinnerungen an den Schauspielunterricht zeigen, wie Schauspiel, Schreiben und Wissen über die Kamera zunehmend miteinander verbunden waren.
James Best und eine Ausbildung mit Fokus auf die Kamera
Tarantino kam nicht ausschließlich als Autodidakt und Filmfan zum Kino. Im Interview mit Dennis Hopper im März 1994 schilderte er sechs Jahre Schauspielunterricht: drei Jahre bei James Best und drei bei Alan Garfield. Diese Zeit bezeichnete er als seine formelle Ausbildung, die er von einer Regieschule unterschied. Diese Unterscheidung verhindert, dass aus dem Fehlen eines Filmstudiums die Behauptung wird, er habe nie eine künstlerische Ausbildung erhalten.
In der Sendung Fresh Air erinnerte er sich im August 2009 daran, dass er mit fünfzehn die Schule abgebrochen und am Gemeindetheater in Torrance mitgewirkt hatte, wo er zwischen Schauspiel und Aufgaben hinter der Bühne wechselte. Anschließend nahm er in Toluca Lake Unterricht bei Best. Wie er erklärte, umfassten die Kurse Schauspiel vor der Kamera und technisches Vokabular, etwa Fokusverlagerungen und schnelle Schwenks. Dadurch verstand er etwas von den Vorgängen rund um den Darsteller und konnte sich zugleich auf seinen Auftritt vorbereiten.
Diese Ausrichtung ist für jemanden wichtig, der kleine Aufträge im Film- und Fernsehbereich suchte. Eine Schauspielszene findet nicht in einem abstrakten Raum statt: Sie muss zu Einstellungen, Positionen und Drehzeiten passen. Diese Rahmenbedingungen zu kennen, nimmt der Emotion nichts, hilft aber dabei, eine Handlung so zu wiederholen, dass sie mit der Arbeit des Teams vereinbar ist. Der Unterricht bot einen praktischen Einblick in eine Tätigkeit, die aus dem Zuschauerraum betrachtet ganz auf das Gesicht des Schauspielers konzentriert zu sein schien.
Die Theatererfahrung brachte eine weitere Art des Zusammenspiels mit sich. Wer an den Aufgaben hinter der Bühne beteiligt ist, erkennt, dass eine Aufführung von Auftritten, Requisiten und Koordination abhängt, selbst wenn das Publikum seine Aufmerksamkeit nur einer Person schenkt. Man muss diese Zeit nicht zu einer heimlichen Regieschule erklären, um ihren Nutzen zu erkennen. Sie erweitert den Begriff der Vorbereitung über das Auswendiglernen von Text und das Warten auf eine Gelegenheit hinaus.
Schreiben, um eine Szene zum Spielen zu haben
Im Gespräch mit Terry Gross erklärte Tarantino, er habe Szenen, die er spielen wollte, aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Er erinnerte sich an eine Übung zu Marty von Paddy Chayefsky, bei der er Material hinzugefügt hatte, ohne zu merken, wie weit er sich damit vom Original entfernte. Ein Kollege wies ihn auf den Unterschied hin und lobte seine Ergänzung. Tarantino bezeichnete diese Episode als einen der ersten Momente, in denen er Anerkennung für ein Schreiben erhielt, das er damals noch als Mittel zum Schauspielern betrachtete.
Die Anekdote beschreibt einen konkreten Übergang zwischen zwei Tätigkeiten. Wer eine Szene braucht, muss darüber nachdenken, was eine Person vor einer anderen tun kann, was sie erreichen möchte und welche Worte diese Absicht sichtbar machen. Der Text ist nicht länger nur etwas, das man von außen bewundert: Er muss ein Verhalten tragen. Beim Ausprobieren mit einem anderen Darsteller zeigt sich eine Reaktion, die die beim Schreiben entwickelte Vorstellung bestätigen oder verändern kann.
Die Geschichte verdeutlicht auch den Unterschied zwischen Erinnerung und wortgetreuer Wiedergabe. Sich an den Sinn eines Dialogs zu erinnern, heißt nicht, auch seine Worte im Gedächtnis zu haben. Bei der Rekonstruktion können neue Pausen, Gedankengänge oder Bilder entstehen. Biografisch interessant ist hier, dass Tarantino diesen Unterschied als kreative Möglichkeit zu erkennen begann. Dadurch wird die erinnerte Fassung weder zu einem authentischen Text von Chayefsky noch lassen sich ihm die hinzugefügten Sätze zuschreiben.
Monologe und Schauspielprobengehören zu diesem Umfeld, auch wenn ein Kurs nicht mit einem professionellen Vorsprechen gleichzusetzen ist. Bei einer Übung gibt es Raum zum Ausprobieren und für Rückmeldungen; bei einer Bewerbung um eine Rolle sind Spielraum und Ziel andere. In beiden Situationen kann derselbe Text verwendet werden, doch die Erfahrungen unterscheiden sich. Wer diese Situationen auseinanderhält, vermeidet es, jede geprobte Szene als verpasste Chance auf eine Anstellung darzustellen.
Ein erfundener Eintrag und ein tatsächlicher Auftritt
Im Dezember 1992 räumte Tarantino gegenüber Sheila Johnston von The Independent ein, einen falschen Eintrag in seinen Lebenslauf aufgenommen zu haben: King Lear von Jean-Luc Godard. Er erklärte, er habe den Film gesehen und angenommen, nur wenige könnten überprüfen, ob er daran mitgewirkt hatte. Die Anekdote muss als eingestandene Unwahrheit erzählt und darf nicht so wiederholt werden, als belege sie eine tatsächliche Zusammenarbeit mit Godard. Gerade weil sie in biografischen Darstellungen auftauchte, muss dies klargestellt werden.
Im selben Interview unterschied er davon einen echten Auftritt: In der Serie Golden Girls spielte er einen Elvis-Imitator. Der Fernsehauftritt war klein und bedeutet nicht, dass er zur Hauptbesetzung der Serie gehörte. Interessant daran ist, dass er zeigt, wie Tarantino vor seiner eigenen Karriere als Drehbuchautor und Regisseur über die Wege, die einem Nachwuchsschauspieler offenstanden, in den Beruf einzusteigen versuchte.
Der Gegensatz zwischen den beiden Einträgen macht es möglich, Wunsch und Erfahrung auseinanderzuhalten. Ein auffälliger Eintrag im Lebenslauf konnte eine Laufbahn vorspiegeln, die es noch nicht gab; eine kleine Rolle entsprach trotz ihres geringeren Prestiges tatsächlich geleisteter Arbeit. Der spätere Ruhm macht die erste Behauptung nicht nachträglich wahr. Eine präzise Biografie bewahrt die Episode, weil sie eine Art der Selbstdarstellung erklärt, ohne Tarantinos Filmografie künstlich zu erweitern.
Auch sein Interesse an der Regie erfordert nicht, das Schauspiel als endgültiges Scheitern darzustellen. Unterricht, Schreibübungen und kleine Auftritte gehören zu einem Prozess, in dessen Verlauf sich seine Prioritäten verschoben. Er wollte an Filmen mitwirken, erkannte aber zunehmend den Wunsch, das Ganze zu gestalten. Die Erfahrung vor der Kamera setzte sich in verschiedenen Phasen seiner Karriere fort. Verändert hat sich der Schwerpunkt seines beruflichen Projekts, nicht die Tatsache, dass Schauspiel, Schreiben und Regie völlig voneinander getrennte Bereiche wären.
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