Nicht jeder japanische Film, den Tarantino bewundert, gehört zum Yakuza-Kino. Und ein US-amerikanischer Film über die japanische Mafia kann die präziseste schriftlich belegte Empfehlung liefern.
The Yakuza: ein schriftliches Lob mit eindeutigem Datum
Im April 2019 widmete Quentin Tarantino in der Zeitschrift des New Beverly einen Essay The Yakuza, dem Film von Sydney Pollack. Der am 25. April veröffentlichte Bericht von The Playlist gibt seine Verteidigung des Thrillers und der Darstellungen von Robert Mitchum und Ken Takakura wieder. Das ist ein klarer dokumentarischer Ausgangspunkt: eine schriftliche Einschätzung zu einem konkreten Film, keine aus dem cineastischen Ruf des Regisseurs rekonstruierte Liste.
Die erste Präzisierung betrifft die Einordnung. The Yakuza ist ein US-amerikanischer Film über die japanische Unterwelt, geprägt vom Blick eines zurückkehrenden Ausländers. Er sollte weder als japanische Produktion von Kinji Fukasaku noch als identisches Beispiel für die Toei-Filmindustrie präsentiert werden. Seinen Platz in diesem Überblick verdankt er seinem Thema und Tarantinos Empfehlung, nicht einer erfundenen Nationalität.
Harry Kilmer, gespielt von Mitchum, kehrt nach Japan zurück und stößt auf Bindungen, die der Lauf der Zeit nicht aufgelöst hat. Der kriminelle Auftrag, der ihn dorthin führt, lässt eine persönliche Geschichte wieder aufleben. Der Film ordnet seine Handlung um Verpflichtungen, die anfangs nicht vollständig erkennbar sind. Herauszufinden, wer Hilfe braucht, ist einfacher, als zu verstehen, welche Schuld jemand auf sich lädt, wenn er sich zur Hilfe entschließt.
Mitchum, Takakura und das Gewicht des Ungesagten
Der Kontrast zwischen den Hauptfiguren bietet eine besonders ergiebige Orientierung fürs Sehen. Mitchum vermittelt Erfahrung durch eine müde Ausstrahlung, die Gefahr wahrnimmt, ohne sie ständig durch Gesten auszudrücken. Takakura zieht die Aufmerksamkeit mit seiner körperlichen Disziplin und Zurückhaltung auf sich. Ihre Beziehung braucht Worte, aber auch ein Schweigen, das verhindert, dass der Konflikt zu einem einfachen Austausch kultureller Erklärungen wird.
In meiner eigenen kritischen Lesart wirkt die Vergangenheit wie eine unvollständige Information, die jede gegenwärtige Handlung verändert. Eine Gefälligkeit kann großzügig erscheinen und später eine viel ältere Verpflichtung offenbaren. Eine Ablehnung kann als Kälte ausgelegt werden, bis man ihre Folgen versteht. Die Spannung entsteht so auch daraus, herauszufinden, was ein Verhalten wirklich bedeutet – und nicht nur, wer die nächste Konfrontation überleben wird.
Der Film erlaubt es, persönliche Ehre und die Zugehörigkeit zu einer Organisation auseinanderzuhalten. Zu behaupten, jemand sei verpflichtet, bedeutet nicht, dass alle Institutionen in seinem Umfeld achtbar sind. Verpflichtungen können das Vertrauen überdauern und Opfer verlangen, die moralisch fragwürdigen Personen zugutekommen. Diese Spannung ist interessanter, als die Erzählung als abschließende Erklärung einer vermeintlich einheitlichen japanischen Mentalität zu lesen.
Schusswechsel und Schwertkämpfe finden innerhalb dieses Schuldensystems statt. Der Wechsel der Waffe verändert den Abstand zwischen den Körpern und die Art, einen Raum einzunehmen, hebt aber das Gewicht des zuvor Geschehenen nicht auf. Die abschließende Konfrontation ist keine Unterbrechung, in der das Drama vergessen wird: Sie bündelt Beziehungen, die sich immer schwerer durch Gespräche lösen lassen. Das Spektakel erhält Bedeutung, weil die Figuren mit ihren Entscheidungen im Gepäck darauf zusteuern.
Tarantinos 2019 dokumentiertes Lob verweist auf diese Verbindung von Stars und Thriller. Die hier ausgeführten Beobachtungen zu den Darstellungen gehören zur Analyse des Films und geben nicht vor, dass er jede einzelne Geste gelobt hätte. Diese Trennung ermöglicht es, eine Empfehlung aufzugreifen, ohne den Zugang zu einem Gespräch vorzutäuschen, das nicht dokumentiert ist.
Die Darstellung von Ehrenkodizes gehört zu einer dramatischen Fiktion. Sie als Handbuch der japanischen Gesellschaft zu lesen, würde historische Unterschiede verwischen und einzelne Figuren zu Repräsentanten eines ganzen Landes machen.
Fukasaku und falsche Gleichsetzungen bei der Musik
Battles Without Honor and Humanity, von Kinji Fukasaku, ist ein zentraler Bezugspunkt, um das japanische Gangsterkino der Siebzigerjahre zu erkunden. Über den Bezug zur Filmbegeisterung Tarantinos wird häufig gesprochen, doch ein auf Empfehlungen gestützter Überblick muss diese Affinität von einer eindeutig belegten persönlichen Besprechung unterscheiden. Ebenso wenig genügt es, alle Teile einer Filmreihe aufzunehmen, um sie zu seinen Favoriten zu erklären.
Auch die Musik sorgt häufig für Verwirrung. Battle Without Honor or Humanity, von Tomoyasu Hotei, das in Kill Bill verwendet wird, stammt aus Junji Sakamotos Film von 2000, der mit der Erneuerung dieser Tradition verbunden ist. Es ist nicht das Originalstück, das für Fukasukus Film von 1973 komponiert wurde. Die Ähnlichkeit der Titel erlaubt es nicht, Regisseure, Daten oder Soundtracks miteinander zu vertauschen.
Ähnlich verhält es sich mit Battle Royale. Tarantinos Bewunderung für diesen Film von Fukasaku ist dokumentiert, doch es handelt sich um eine Geschichte über Überleben und institutionelle Gewalt, nicht um einen Film über Yakuza-Organisationen. Ihn ohne Erklärung in eine Liste über die japanische Mafia aufzunehmen, verändert die Auswahlkriterien. Einen Regisseur zu bewundern, macht nicht alle seine Filme zu Beispielen für dasselbe Genre.
Für den ersten Filmabend bietet The Yakuza eine schriftliche Empfehlung und eine eigenständige Erzählung. Von dort aus kann es interessant sein, Pollacks US-amerikanische Perspektive mit japanischen Filmen zu vergleichen, die das Verbrechen aus anderen Blickwinkeln in den Mittelpunkt stellen. Dieser zweite Schritt ist eine redaktionelle Entscheidung des Publikums, offen für Vergleiche – und keine frei erfundene Rangliste mit Tarantinos Namen auf dem Titelblatt.
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