Ein Vater, ein Kind und ein Wagen durchqueren eine Welt voller Gegner. Der Film, den viele durch Kill Bill entdeckt haben, hat eine Versionsgeschichte, die man kennen sollte, bevor man sich für eine Fassung entscheidet.
Eine Rezension mit zwei Namen
Die Rubrik Grindhouse Mini Reviews des New Beverly enthält eine Rezension zu Shogun Assassin, die Jim Sheldon und Quentin Tarantino gemeinsam verfasst haben. Der Text bewertet sowohl die US-amerikanische Neumontage als auch Baby Cart at the River Styx positiv, wobei Letztere die bessere Note erhält. Die aufgerufene Seite nennt kein eindeutiges ursprüngliches Datum für die Rezension; das Datum eines Posts in sozialen Medien darf nicht mit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung verwechselt werden.
Die gemeinsame Verfasserschaft ist wichtig: Es wäre nicht korrekt, jede in der ersten Person erzählte Erinnerung Tarantino zuzuschreiben. Das Dokument erlaubt es, eine gemeinsame Bewertung zuzuordnen und auf zwei Fassungen hinzuweisen, aber ohne weitere Belege keine individuelle Kinoerfahrung zu rekonstruieren. Das ist präziser als die pauschale Behauptung, er halte jeden Samurai-Film für perfekt.
In diesem Zusammenhang bezeichnet Chambara oder Chanbara japanische Schwertkampffilme. Der Begriff ist nicht gleichbedeutend mit Kung-Fu, auch wenn beides in Gesprächen über die Einflüsse auf Kill Bill vorkommt. Die Inszenierung der Duelle, der historische Kontext und die Tradition der Protagonisten müssen voneinander unterschieden werden. Auch ein Katana auf der Leinwand reicht nicht aus, um jede zeitgenössische Geschichte als Samurai-Film einzuordnen.
Shogun Assassin ist nicht einfach der erste Teil
Shogun Assassin, 1980 veröffentlicht, verwendet Material aus den ersten beiden Filmen von Lone Wolf and Cub, die 1972 in Japan entstanden. Für das englischsprachige Publikum wurden sie neu zusammengesetzt und mit einer anderen Synchronisation, Erzählstimme und Musik versehen. Man sollte den Film daher nicht in der Annahme kaufen oder suchen, es handle sich um eine unveränderte Übersetzung des ersten japanischen Spielfilms. Er bietet ein anderes Erzählerlebnis.
Im Mittelpunkt stehen weiterhin Ogami Ittō und sein Sohn Daigorō, gespielt von Tomisaburō Wakayama und Akihiro Tomikawa. Die Verbindung eines bewaffneten Erwachsenen mit einem kleinen Kind erzeugt eine Spannung, die der Film konsequent ausspielt. Der Vater verfügt über außergewöhnliche Verteidigungsfähigkeiten; der Sohn verkörpert eine Verletzlichkeit, die verhindert, dass man jede Auseinandersetzung als isolierte Demonstration von Geschicklichkeit auffasst.
Der Wagen vereint Fürsorge und Bedrohung in einem einzigen Gegenstand. Er dient dazu, das Kind zu transportieren, ist aber zugleich Teil der spektakulären Bildsprache der Action. Diese Doppelfunktion verändert den Blick auf die Fortbewegung: Ein scheinbar häusliches Bild kann sich in ein Kampfgerät verwandeln. Dieser Kontrast macht das Paar unverwechselbar, ohne dass jedes Mal, wenn ein neuer Gegner auftaucht, lange Erklärungen nötig wären.
Auch die kindliche Erzählstimme der Neumontage verändert die Distanz zur Gewalt. Das Publikum hört die Deutung der Welt durch jemanden, der vollständig vom Vater abhängig ist und in außergewöhnlichen Umständen aufgewachsen ist. Dadurch werden die Ereignisse nicht harmlos; vielmehr kommt eine emotionale und befremdliche Perspektive hinzu. Dieselbe Handlung kann aus der Nähe dieser Beziehung beschützend und von außen betrachtet erschreckend wirken.
Als Orientierung für die Betrachtung lohnt es sich, auf den Wechsel zwischen Ruhe und Ausbruch zu achten. Im Kampf sind nicht alle Körper ständig in Bewegung. Eine Pause lässt Abstand, Richtung und Bedrohung abschätzen; die folgende Bewegung wirkt umso kraftvoller, weil sie das Warten durchbricht. Blut und überzeichnete Effekte steigern die Wirkung, während die Bildkomposition erkennen lässt, wie sich das Verhältnis zwischen den Gegnern verändert hat.
Der Vergleich muss sich nicht allein auf Szenen stützen, die in einer Fassung fehlen. Auch die Reihenfolge der Informationen ist wichtig: Wer vor einem Duell ein Motiv kennt, erwartet etwas anderes, selbst wenn die Bewegung des Schwertes unverändert bleibt.
Vom Zusammenschnitt zur japanischen Filmreihe
Baby Cart at the River Styx, unter der Regie von Kenji Misumi, ist der zweite Film der Originalreihe. Wer ihn nach Shogun Assassin sieht, kann gemeinsam verwendetes Material erkennen, ohne anzunehmen, dass der Schnitt dieselbe Funktion erfüllt. Reihenfolge, verfügbare Informationen und Tonspur können die Wahrnehmung einer Szene verändern, selbst wenn ein Teil der Bilder identisch ist.
Wer mit der japanischen Erzählung von Anfang an beginnen möchte, kann mit Sword of Vengeance einsteigen. Wer das Erlebnis der Kult-Neumontage sucht, kann Shogun Assassin wählen. Das sind unterschiedliche Sichtungswege, keine Abstufungen der moralischen Authentizität des Publikums. Die gemeinsame Rezension des New Beverly unterscheidet und bewertet die Fassungen, statt sie miteinander zu verwechseln.
Der Auftritt von Shogun Assassin neben Beatrix und B. B. in Kill Bill: Vol. 2 schafft eine sichtbare Verbindung. Der Film, den sie ansehen, handelt ebenfalls von einem bewaffneten Elternteil und einem Kind, das in der Nähe von Gewalt lebt. Diese Verwandtschaft bereichert die häusliche Szene, macht den japanischen Film aber weder zu einer Geschichte über Beatrix noch beweist sie, dass jedes Detail der beiden Werke eine geheime Entsprechung hat.
Die Empfehlung kann mit einer einfachen Entscheidung enden: den genauen Titel suchen und prüfen, welche Fassung angeboten wird. Die Namen der Reihe kursieren in verschiedenen Varianten, und eine internationale Montage kann in derselben Ausgabe neben den Originalspielfilmen stehen. Wer von der Auswahl eines Films zu den formalen Zusammenhängen übergehen möchte, findet ergänzenden Kontext in den Einflüssen des japanischen Schwertfilms auf Tarantino.
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