Bikerfilme in Tarantinos Filmleidenschaft: Stone und The Losers

Ein Bikerfilm kann von Polizeiinfiltration, Gemeinschaft oder einem Kriegsabenteuer erzählen. Stone und The Losers lassen diese Unterschiede anhand belegbarer Verbindungen zu Tarantino erkunden.

Stone: eine Mitternachtsvorstellung als Empfehlung

Am 12. März 2011 lief Stone bei einer Mitternachtsvorstellung im Rahmen des Monatsprogramms, das Quentin Tarantino im New Beverly kuratierte. Dieser Programmkalender liefert eine konkrete, datierte Empfehlung. Sandy Harbutts australischer Film aus dem Jahr 1974 muss deshalb nicht gleich zu seinem absoluten Lieblingsfilm des Genres erklärt werden: Es reicht festzuhalten, dass er ihn auswählte, um ihn mit dem Publikum zu teilen.

Der Protagonist kommt aus dem Polizeidienst zu einer Motorradgang. Das Zusammenleben versetzt das Publikum zwischen zwei Arten, dieselben Verhaltensweisen zu deuten. Eine Geste kann für Außenstehende wie eine Bedrohung wirken und für jene, die die Regeln bereits kennen, wie ein Beweis der Zugehörigkeit. Dieser allmähliche Zugang zu einer Gemeinschaft unterscheidet den Film von einer bloßen Aneinanderreihung von Rennen und Schlägereien.

Das Motorrad ist wichtig, weil es gemeinschaftlich genutzt wird. Eine Person kann allein unterwegs sein, doch die Gang wird erst dann sichtbar präsent, wenn sie gemeinsam die Straße einnimmt. Die Fahrzeuge bringen Verbundenheit, Hierarchien und den Willen zum Ausdruck, nicht unbemerkt zu bleiben. Die Freiheit, die das Bild des Motorradfahrers verspricht, hat hier eine Bedingung: Wer dazugehört, muss die anderen anerkennen und Erwartungen erfüllen, die bedrückend werden können.

Der Blick der Polizei wirft zudem eine Frage nach dem Verstehen auf. Bedeutet es, die Regeln der Gruppe zu verstehen, dass man sie auch akzeptiert? Verschwindet die anfängliche Distanz, wenn man mit ihren Mitgliedern zusammenlebt? Diese Fragen ergeben sich aus der Erzählanlage und sind keine Meinungen, die Tarantino zugeschrieben werden. Bei der ersten Sichtung lohnt es sich darauf zu achten, wie der Film die Beziehung zu den Figuren verändert, bevor er sie auf Sinnbilder einer einheitlichen Gegenkultur reduziert.

The Losers: Die Motorräder ziehen in den Krieg

The Losers, unter der Regie von Jack Starrett und 1970 veröffentlicht, bietet einen anderen Zugang. Der Nachruf auf William Smith, den das New Beverly im Juli 2021 veröffentlichte, erinnert ausdrücklich daran, dass Tarantino den Film verteidigte und Ausschnitte daraus in Pulp Fiction zu sehen sind. Der Artikel verweist auch auf Smiths frühes Gespräch mit John Milius; Milius’ Einschätzungen zu seinem eigenen Werk dürfen Tarantino jedoch nicht zugeschrieben werden.

Der Film versetzt eine Motorradgang in den Kontext eines Kriegseinsatzes. Die Kombination funktioniert unmittelbar als Spektakel: Männer, die mit militärischer Disziplin unvereinbar zu sein scheinen, bringen ihre Identität und ihre Maschinen in einen Einsatz ein, der Organisation erfordert. Die Spannung zwischen Auftrag und Verhalten sorgt dafür, dass das Abenteuer Züge des Gangsterfilms behält, obwohl sich die Schauplätze grundlegend ändern.

William Smith bildet einen einprägsamen körperlichen Mittelpunkt. Seine Präsenz trägt einen Film, in dem der Charakter der Protagonisten zwischen Ortswechseln und Vorbereitungen rasch erkennbar sein muss. Die Gruppe wird nicht deshalb interessant, weil sie eine ideale professionelle Einheit verkörpert, sondern weil ihre individuellen Eigenheiten es erschweren, sie zu einem willfährigen Werkzeug zu machen. Der Kontrast zwischen Stärke und Kontrolle ist ein wichtiger Teil ihres Reizes.

Um die Mischung zu verstehen, lohnt es sich darauf zu achten, was die Motorräder zum Kriegsbild beitragen. Sie dienen nicht nur als Transportmittel: Sie bringen eine Bildsprache, eine bestimmte Art zu sitzen und das Versprechen von Lärm mit sich. Ihre Präsenz lässt den Kriegseinsatz von einem anderen Genre überlagert wirken. Das Ergebnis lässt sich als überbordende Actionfantasie genießen, ohne es mit einer dokumentarischen Darstellung militärischer Operationen zu verwechseln.

Der Fernseher in Butch und Fabiennes Zimmer in Pulp Fiction macht diesen Film zu einem Teil des Alltagslebens der Figuren. Ein Ausschnitt kann als Atmosphäre wirken und zugleich ein Augenzwinkern für diejenigen sein, die ihn erkennen. Die ausdrückliche Verteidigung des Films, auf die das New Beverly verweist, ermöglicht mehr als die bloße Identifizierung des Bildes. Sie rechtfertigt aber nicht, Tarantino eine ausführliche Besprechung jeder einzelnen Szene in den Mund zu legen.

Ein Double Feature, zwei Gemeinschaften unter Druck

Wer Stone und The Losers zusammen sieht, kann sie gut vergleichen. Im ersten Film tritt jemand einer Gemeinschaft bei und muss lernen, sie zu verstehen; im zweiten bringt eine Gemeinschaft ihre Identität an einen Ort, der ihr eine andere Funktion abverlangt. Der eine behandelt die Reibung zwischen Polizei und Gang, der andere die zwischen einer Randgruppe und einem Einsatz. Das Motorrad macht die Verwandtschaft der Filme erkennbar, bestimmt aber nicht allein die Handlung.

Auch das Verhältnis zwischen Schauplatz und Zugehörigkeit verändert sich. Die Gruppe in Stone muss ihre Lebensweise in einem Umfeld verteidigen, das sie beobachtet. Die Protagonisten von The Losers bewegen sich in ein Szenario, in dem ihre Regeln noch ungewöhnlicher wirken. Dieser Unterschied kann bei der Auswahl helfen: Zusammenleben und Infiltration für alle, die einen gemeinschaftsbezogenen Zugang bevorzugen; Genremix für alle, die ein Actionabenteuer suchen.

Hells Angels on Wheels, von Richard Rush, ist ein bedeutender Film des Genres. Seine historische Bedeutung allein reicht jedoch nicht aus, um ihn als datierte persönliche Empfehlung Tarantinos darzustellen. Dieselbe Vorsicht gilt für jeden Jack-Nicholson-Film, der in Verbindung mit seinem Namen auftaucht. Diese Auswahl stützt sich auf zwei eindeutig belegte Anhaltspunkte und lässt die Filme das Interesse wecken, ohne die Liste mit bloß vermuteten Vorlieben aufzufüllen.

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