Tarantino und Eurospy: Referenzen, die keiner Favoritenliste gleichkommen

Das farbenfrohe Spionagekino der Sechzigerjahre steht dem cineastischen Universum Tarantinos nahe. Diese Nähe erlaubt es jedoch nicht, ihm automatisch eine Auswahl unverzichtbarer Titel zuzuschreiben.

Ein reizvolles Etikett, aber eine unbelegte Zuschreibung

Es gibt keine Liste mit Quentin Tarantinos liebsten Eurospy-Filmen, die durch die für diesen Überblick herangezogenen Aussagen belegt wäre. Danger: Diabolik und mehrere italienische Filmreihen als ausdrücklich von ihm empfohlene Auswahl darzustellen, würde eine ästhetische Nähe in eine dokumentarische Behauptung verwandeln. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig bei einem Genre, dessen Farben, Plakate, Musik und exzentrische Agenten sich mühelos in eine allgemeine Vorstellung von seinem Geschmack einfügen.

Eurospy bezeichnet üblicherweise den europäischen Zyklus populärer Spionagefilme der Sechzigerjahre, der sich im Umfeld des internationalen Erfolgs von James Bond entwickelte. Die Filme setzen auf Agenten mit einprägsamen Identitäten, Verbrecherorganisationen, technische Spielereien, Reisen und Humor. Der Begriff macht nicht jede Bond-Parodie zu einem europäischen Film und auch nicht jede Hauptfigur, die spektakuläre Fahrzeuge benutzt, zu einem Spion. Produktionsland, Hauptfigur und Tonfall bleiben hilfreiche Unterscheidungsmerkmale.

Danger: Diabolik, 1968 von Mario Bava inszeniert, gehört genauer gesagt zu den Abenteuern eines Verbrechers aus einem italienischen Comic. Der Film weist mit seinem Design und seinen technischen Spielereien Berührungspunkte mit Eurospy auf, doch Diabolik ist kein Regierungsagent wie Bond. Diese stilistische Nähe erklärt, warum der Film häufig in umfassenderen Überblicken über das populäre Kino der Sechzigerjahre auftaucht; sie belegt nicht, dass Tarantino ihn als einen seiner Lieblingsfilme bezeichnet hat.

Auch die deutlichste Referenz ist kein uneingeschränktes Lob

The Wrecking Crew, die Matt-Helm-Komödie mit Dean Martin, kommt in Once Upon a Time in Hollywood vor. Sharon Tate geht in ein Kino, um sich selbst beim Schauspielern zuzusehen, und Tarantino verwendet Aufnahmen der echten Darstellerin. Die Sequenz bringt seine Bewunderung für Tate und sein Interesse an ihrer komödiantischen Arbeit zum Ausdruck. Daraus sollte keine positive Bewertung aller Aspekte des gerade gezeigten Films gemacht werden.

Im Gespräch zwischen Tarantino und Paul Thomas Anderson von 2019 wird diese Trennung ausdrücklich deutlich: Tarantino äußerte seine Ablehnung des Films und zugleich seine Wertschätzung für Tate darin. Außerdem handelt es sich um eine US-amerikanische Spionageparodie und nicht um ein italienisches Beispiel, das sich ohne Weiteres und ohne Einschränkungen dem Eurospy zuordnen ließe. Eine liebevolle Szene kann eine bestimmte schauspielerische Leistung würdigen, obwohl der Regisseur das Werk negativ beurteilt.

Rick Daltons fiktive italienische Karriere sorgt für zusätzliche Verwirrung. Seine erfundenen Filmtitel zeichnen einen Kinomarkt und einen imaginären beruflichen Werdegang nach. Es sind keine realen Filme, die sich für eine Filmreihe zusammenstellen ließen, und auch keine direkte Aussage über die Vorlieben ihres Schöpfers. Die Fiktion lässt eine Branche lebendig werden; Empfehlungen erfordern eine zusätzliche Quelle.

Wie man Filme auswählt, ohne nicht belegte Meinungen zuzuschreiben

Wer sich diesem Gebiet nähern möchte, kann zwischen drei Interessen unterscheiden: Spionage, Comic-Verbrecher und Parodie. Danger: Diabolik ist für den zweiten Bereich relevant; The Wrecking Crew eignet sich, um den dritten Bereich und Tates Arbeit zu betrachten. Das sind redaktionelle Empfehlungen, keine von Tarantino zusammengestellte Liste. Diese Unterscheidung ermöglicht es, Filme zu entdecken, ohne seinen Namen zu einem Gütesiegel zu machen, für das es keine Belege gibt.

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