Von Tarantino empfohlene Spaghettiwestern: eine Reise durch seine Liste von 2009

Tarantinos Liste ist ein Ausgangspunkt, um verschiedene Formen des europäischen Westerns zu erkunden, kein Kanon, der die Diskussion für beendet erklärt.

Welche Liste wir verwenden

Im Januar 2009, während der Dreharbeiten zu Inglourious Basterds in Babelsberg, übergab Quentin Tarantino Sebastian Haselbeck eine Auswahl von zwanzig Spaghettiwestern für The Spaghetti Western Database. Der Artikel dokumentiert die Begegnung und stellt die Auswahl als persönliche Liste vor. Dieser Kontext erlaubt eine präzise Einordnung: Sie hält ein damaliges Urteil fest und ist keine endgültige Rangliste, die Tarantino für alle Zeiten zu pflegen versprochen hat.

Dieser Streifzug führt zu fünf Titeln aus jener Auswahl: Zwei glorreiche Halunken, Für ein paar Dollar mehr, Django, Mercenario – Der Gefürchtete und Der Gehetzte der Sierra Madre. Die folgenden Beobachtungen sind ein Leitfaden zum Anschauen dieser Filme. Sie dürfen nicht mit Aussagen verwechselt werden, die Tarantino über jeden einzelnen von ihnen gemacht hat. Ihre Aufnahme in die Liste ist belegt; die Analyse ermöglicht anschließend den Vergleich ihrer Unterschiede.

Die Vielfalt ist wichtig, denn der italienische Western lässt sich nicht auf einen einsamen Revolverhelden, eine trockene Landschaft und eine einprägsame Melodie reduzieren. Im Mittelpunkt können eine berufliche Partnerschaft, eine Rache, eine Revolution oder eine Verfolgungsjagd stehen, bei der die Identität des Schuldigen weniger eindeutig ist als zunächst angenommen. Ein anderes Ziel verändert auch die Bedeutung der Gewalt und die Beziehung des Helden zu seinem Umfeld.

Leone und Corbucci: vom Kalkül zum politischen Konflikt

Zwei glorreiche Halunken, von Sergio Leone, stand an der Spitze der Liste. Die Suche nach einem Schatz sorgt dafür, dass sich Bündnisse ändern, ohne dass die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit verschwindet. Jeder Protagonist verfügt über Informationen, Fähigkeiten oder Vorteile, die die anderen brauchen. Die Spannung entsteht aus dieser ungleichen Verteilung: In einem Moment mehr zu wissen, garantiert nicht, im nächsten die Kontrolle zu behalten.

Der Schauplatz des Amerikanischen Bürgerkriegs bildet einen entscheidenden Kontrast zum privaten Interesse am Geld. Die Figuren geraten in einen Konflikt, der ihre eigenen Ziele übersteigt, und das Abenteuer kann sich davon nicht vollständig abkoppeln. Das Publikum kann die individuelle Gerissenheit genießen und zugleich eine Welt beobachten, in der die kollektive Zerstörung viele persönliche Kalkulationen klein erscheinen lässt. Der Film hält diese beiden Maßstäbe auseinander, ohne sie zu ein und derselben Erfahrung zu machen.

Für ein paar Dollar mehr bietet einen weiteren Zugang zu Leone. Die Beziehung zwischen zwei Kopfgeldjägern verbindet Konkurrenz mit gegenseitiger Anerkennung. Die Aufmerksamkeit für Rituale, Pausen und Gegenstände verleiht einem Streit Bedeutung, noch bevor er mit einem Schuss beigelegt wird. Der Film eignet sich gut, um zu beobachten, wie das Genre durch die Dauer eines Blicks oder das Warten auf eine Antwort erzählen kann.

In Django, von Sergio Corbucci, verändert sich die Materialität der Welt. Schlamm, verwitterte Oberflächen und Gewalt gegen Körper sorgen für ein weniger sauberes Abenteuererlebnis. Franco Neros Figur bewahrt den Reiz des Helden, doch die Umgebung scheint jede Möglichkeit von Größe zersetzen zu wollen. Der Film ist ein Gegenpol und keine Wiederholung Leones mit einem anderen Schauspieler.

Mercenario – Der Gefürchtete und Der Gehetzte der Sierra Madre

Mercenario – Der Gefürchtete, ebenfalls von Corbucci und auch unter dem Titel The Mercenary bekannt, verknüpft Revolution und Lohnarbeit. Militärische Erfahrung lässt sich verkaufen, doch diejenigen, die diese Hilfe anheuern oder erhalten, verstehen den Kampf nicht unbedingt auf dieselbe Weise. Der Konflikt zwischen Überzeugung und Eigeninteresse verleiht dem Film eine andere Energie als die individuelle Rache. Schon ein nützliches Bündnis kann einen schwer überwindbaren Gegensatz in sich tragen.

Die Inszenierung macht diese Spannung sichtbar, ohne sie auf einen Austausch von Ideen zu beschränken. Die Positionen der Figuren, ihr Zugang zu Ressourcen und ihre Entscheidungsfreiheit zeigen, wer von wem abhängig ist. Der Film kann Humor und gewaltsame Auseinandersetzungen verbinden, weil die zentrale Beziehung sowohl Vertrautheit als auch Misstrauen zulässt. Der Ton verändert sich mit der Machtverteilung, nicht nur mit dem Beginn einer neuen Actionszene.

Der Gehetzte der Sierra Madre, von Sergio Sollima und international bekannt unter dem Titel The Big Gundown, erzählt von einer Verfolgungsjagd. Lee Van Cleef und Tomas Milian verkörpern eine Beziehung, deren anfängliche scheinbare Klarheit auf die Probe gestellt wird. Die Fähigkeiten des Verfolgers garantieren nicht, dass die Informationen, die er erhält, zuverlässig sind. Die Jagd auf einen Flüchtigen kann ihn dazu zwingen, auch das System zu hinterfragen, das ihm sein Ziel vorgegeben hat.

Auch Gegenstände bieten eine Möglichkeit zum Vergleich: Eine Uhr, ein Sarg oder eine Geldsumme kann eine Vorgeschichte in sich bündeln und einen anderen Wert annehmen, sobald wir erfahren, wer sie braucht und warum.

Für einen ersten Einblick kann man mit Leone beginnen, anschließend in die raue Welt von Django eintauchen und danach die Konflikte in Mercenario – Der Gefürchtete und Der Gehetzte der Sierra Madre vergleichen. Diese Reihenfolge ist ein redaktioneller Vorschlag. Tarantinos Liste ist nützlich, weil sie Wege zwischen Regisseuren und Abenteuerformen eröffnet, nicht weil sie den Geschmack des Publikums ersetzen soll. Nachdem man die Filme gesehen hat, lässt sich anhand ihrer Unterschiede entscheiden, welcher Linie man weiter folgen möchte: der Präzision des Duells, der Verletzlichkeit des Helden oder dem Verhältnis von Gewalt, Geld und Macht.

Sieh dir die Tarantino-Empfehlungen nach Genre an.