
Quentin Tarantinos Empfehlungen für Genrefilme eröffnen den Zugang zu ganz unterschiedlichen Filmen innerhalb derselben Leidenschaft. Zwei Western können aus gegensätzlichen Gründen interessant sein: der eine wegen des Zusammenlebens seiner Figuren, der andere wegen des Wartens auf eine Konfrontation. Ein Martial-Ar-Arts-Film kann durch die Klarheit seiner Kämpfe bestechen, aber auch durch sein Drehbuch. Das Genre hilft dabei, eine Gruppe von Filmen zu finden; der Grund für das Lob hilft bei der Auswahl innerhalb dieser Gruppe.
Diese Gruppen können sich überschneiden. Komödie kann mit Horror zusammenkommen, und ein Krimiabenteuer kann Kung-Fu-Kämpfe enthalten, ohne seine Identität zu verlieren. Es lohnt sich, zu unterscheiden, wofür die einzelnen Begriffe stehen: für ein erzählerisches Umfeld, eine industrielle Tradition oder eine bestimmte Art, Emotionen hervorzurufen. So lässt sich vermeiden, das gesamte asiatische Actionkino in einen Topf zu werfen oder den Western auf seine italienische Variante zu reduzieren.
Auswahlprogramme für Filmabende und von Tarantino verfasste Rezensionen bieten konkrete Beispiele für diese Wege durch die Filmwelt. Interessant sind die ausgewählten Filme und die Qualitäten, die Tarantino als Zuschauer hervorhebt – bevor man nach Verbindungen zu den von ihm inszenierten Werken sucht.
Die Suche nach einem Genre wird präziser, wenn man eine konkrete Vorliebe hinzufügt: Landschaften und Abenteuer, Nahkämpfe, Intrigen oder schwarzen Humor. Eine Empfehlung kann auf jedes dieser Interessen zugeschnitten sein. Ein gemeinsames Genre garantiert nicht, dass zwei Filme dasselbe Erlebnis bieten.
Western: eine Tradition mit verschiedenen Spielarten
Die Filmfestspiele von Cannes gaben am 14. Mai 2025 eine von Tarantino zusammengestellte Auswahl zu George Sherman bekannt: Red Canyon (1949) und Comanche Territory (1950). In der Ankündigung der Filmfestspiele wird seine Wertschätzung für die Arbeit beschrieben, die Sherman in den vierziger und fünfziger Jahren bei Universal leistete. Die beiden Filme sind Beispiele für Tarantinos Interesse am US-amerikanischen Western – einem Bereich, der die übliche Verbindung zwischen seinem Filmgeschmack und dem italienischen Western erweitert.
Diese Unterscheidung ist bei der Filmauswahl wichtig. Der Western ist eine weit gefasste Gruppe von Geschichten über Gebiete, Gemeinschaften und Konflikte um Autorität. Die Bezeichnung Spaghettiwestern steht für eine europäische Spielart, die besonders mit der italienischen Filmproduktion verbunden ist. Tarantinos Empfehlungen für Spaghettiwestern gehören zu diesem enger gefassten Bereich: Nicht jeder Western, den er lobt, fällt automatisch unter diese Bezeichnung. Ebenso wenig bedeutet die Nationalität, dass jeder Film Gewalt oder seinen Helden auf dieselbe Weise behandelt.
Eine Auswahl zu einem bestimmten Regisseur ermöglicht zudem, Entscheidungen innerhalb seines Werks zu vergleichen. Die Art, ein Dorf zu zeigen, Figuren zusammenzuführen oder die Landschaft einzusetzen, kann stärker ins Gewicht fallen, wenn man zwei ähnliche Filme sieht. Dieser Blick auf die von Tarantino bewunderten Filmemacher entspringt einer anderen Neugier als die ausschließliche Suche nach Duellen, Verfolgungsjagden oder einem bestimmten Heldentyp: Im Mittelpunkt steht nun, wer diese Elemente gestaltet und wie sie miteinander verbunden werden.
Martial Arts und Blaxploitation: der Reiz der Überschneidungen
In seiner am 9. März 2020 von New Beverly veröffentlichten Rezension zu Fatal Needles vs Fatal Fists lobt Tarantino neben den Kämpfen auch das Drehbuch, die Kameraarbeit und die Darsteller. Laut Filmdatenbank handelt es sich um eine taiwanesische Produktion von 1978 unter der Regie von Lee Tso-nam. Das Beispiel hilft, seine Empfehlungen für Martial-Arts- und Kung-Fu-Filme zu verstehen: Ein Film kann ihn durch die Art interessieren, wie er zwischen den Kämpfen eine Geschichte erzählt – und nicht nur durch die Schwierigkeit eines Stunts.
Am 1. April 2020 stellt Tarantino in einer weiteren für New Beverly verfassten Rezension The Dynamite Brothers (1974) von Al Adamson als Verbindung von Kung-Fu und Blaxploitation vor. Besonders lobt er die Musik von Charles Earland. An dieser Mischung lassen sich zwei Aspekte des Spektakels hören und beobachten: die Dynamik der körperlichen Action und die eigene Note, die der Soundtrack dem Film verleiht.
Blaxploitation bezeichnet eine Gruppe populärer Produktionen der siebziger Jahre mit schwarzen Hauptfiguren und einer klar erkennbaren kulturellen Identität; sie kann Elemente aus Krimi, Action oder Horror enthalten. Deshalb bilden die von Tarantino empfohlenen Blaxploitation-Filme keine Kategorie, die dem Kung-Fu gleichkommt, das einer anderen Tradition und einer anderen Form des körperlichen Spektakels entstammt. Ein Film kann beiden Bereichen angehören, ohne dass der eine den anderen verdrängt. Die Mischung kann auch zeigen, welcher Aspekt die Begeisterung einer Rezension besonders weckt.
Horror und Komödie können einen Filmabend gemeinsam bestreiten
Im offiziellen Programm des New Beverly für Oktober 2016 ist für den 29. eine von Tarantino persönlich zusammengestellte Horror-Komödien-Marathonvorstellung angekündigt. Auf dem Programm standen unter anderem An American Werewolf in London (1981) und Beetlejuice (1988). Die Auswahl dokumentiert das Interesse an Filmen, die Komisches und Makabres miteinander verbinden – in einem Programm, das ganz auf dieses Zusammenspiel ausgerichtet ist.
Horror beschreibt eine Beziehung zu Angst, Bedrohung oder Verstörendem, die ganz unterschiedliche Formen annehmen kann. Der Slasher konzentriert sich auf eine Spielart mit Verfolgungen und aufeinanderfolgenden Angriffen; eine übernatürliche Geschichte kann anderen Regeln folgen. Wer nach von Tarantino empfohlenen Horrorfilmen sucht, kann die Auswahl mit diesen Unterscheidungen genauer eingrenzen: Dass Filme Monster, Todesfälle oder spannende Momente gemeinsam haben, macht sie nicht automatisch zum selben Subgenre.
Auch Humor sorgt nicht zwangsläufig für ein unbeschwertes Filmerlebnis. Er kann die Spannung lösen oder eine Situation noch unangenehmer machen. Die von Tarantino empfohlenen romantischen Komödien und Wohlfühlfilme erfüllen eine andere Erwartung, bei der Beziehungen oder ein Gefühl des Wohlbefindens im Mittelpunkt stehen. Witze allein sagen wenig darüber aus, wie ein Film letztlich wirkt; entscheidend ist, wie sie mit der Gefahr zusammenspielen und welche Aufmerksamkeit den Figuren gilt.
Auch im Kriminalfilm hängt die Bezeichnung davon ab, worauf der Schwerpunkt liegt. Ein Heist-Film dreht sich meist um einen Plan, die Aufgabenverteilung und unerwartete Schwierigkeiten bei der Ausführung. Der Film noir kann stärkeres Gewicht auf Misstrauen, Schulden oder das Gefühl legen, dass jede Entscheidung die Lage verschlimmert. Eine Geschichte kann beide Aspekte vereinen: den Ablauf des Raubzugs und den Niedergang der Beteiligten.
Eine Verfolgungsjagd eröffnet eine weitere Möglichkeit. Wenn sie die Erzählung bestimmt, können Bewegung, Geschwindigkeit und der Raum der Straße zum Hauptreiz werden. Nimmt sie nur eine einzelne Szene ein, reicht das nicht aus, um den ganzen Film zu beschreiben. Bei der Auswahl hilft die Frage, womit sich die Erzählung am längsten beschäftigt und was man genießen möchte: den Ablauf eines Coups verfolgen, die Ungewissheit einer Figur miterleben oder körperliche Action erleben. So lässt sich eine Genreempfehlung an einem konkreten Interesse ausrichten, auch wenn der Film mehrere Genres verbindet.
