Verfolgungsjagden und Autos in Tarantinos Cinephilie

Die Straße kann ein Versprechen von Freiheit, eine Falle oder die Bühne für eine körperliche Meisterleistung sein. Diese Filme erkunden alle drei Möglichkeiten.

Die Filme, die das Gespräch über Death Proof eröffnen

Vanishing Point, Dirty Mary Crazy Larry und Gone in 60 Seconds bieten eine besonders passende Tour für alle, die sich von Death Proof aus auf den Weg machen. Die Bezüge zu diesem Autokino gehören zur Welt der Figuren und zu ihrer Vorstellung von der Straße. Sie bilden für sich genommen weder eine von Quentin Tarantino erstellte Rangliste noch erlauben sie, ihm eine vergleichende Bewertung zuzuschreiben, die er nie veröffentlicht hat.

Im Interview mit Chris Nashawaty für Entertainment Weekly im Juni 2006 nannte Tarantino Vanishing Point als wichtigsten Bezugspunkt für diese Art von Verfolgungsjagd. Das ist eine ausdrückliche Empfehlung für einen bestimmten Film und etwas anderes, als die drei Titel in eine Rangfolge zu bringen.

Eine vom Regisseur selbst formulierte Unterscheidung hilft dabei, diese Tour einzuordnen. In seinem Gespräch mit Sebastian Haselbeck aus dem Jahr 2009, das in der The Grindhouse Cinema Database dokumentiert ist, unterschied er Dirty Mary Crazy Larry, der von einem großen Verleih vertrieben wurde, von seiner strengen Definition eines Grindhouse-Films. Dass ein Werk in bestimmten Kinos lief, macht seine Produktion nicht automatisch unabhängig oder randständig.

Diese Präzisierung ist wichtig, denn Verfolgungsfilme stammen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Sie haben Motoren, Fluchten und körperliche Risiken gemeinsam, können aber sehr verschiedene Erlebnisse bieten. In manchen wird der Fahrer auf seiner Reise zu einer beinahe mythischen Gestalt. In anderen stehen das Zusammenleben im Fahrzeug oder die Anhäufung materieller Hindernisse im Mittelpunkt. Wer diese Unterschiede erkennt, kann einen Filmabend auswählen, ohne alles auf schnelle Autos zu reduzieren.

Vanishing Point und Dirty Mary Crazy Larry: zwei Arten zu fliehen

Vanishing Point, 1971 von Richard C. Sarafian inszeniert, begleitet Kowalski, gespielt von Barry Newman, auf einer Flucht, die bald über ihr ursprüngliches Ziel hinausweist. Der weiße Dodge Challenger wird zu einem markanten Anblick in der Landschaft. Die Straße eröffnet weite Ausblicke, doch das bedeutet nicht, dass der Protagonist immer mehr Möglichkeiten hat.

Das Verhältnis von Bewegung und Einkesselung bildet eine der zentralen Spannungen des Films. Das Auto kann weiterfahren, während sich das Netz, das es aufhalten soll, immer weiter spannt. Geschwindigkeit setzt die Organisation des Gebiets nicht außer Kraft: Es gibt Kommunikationswege, Kontrollen und Stellen, an denen die Straße keine Ausfahrt mehr bietet. Das Publikum kann in einem Bild Freiheit spüren und zugleich in den begleitenden Informationen eine Bedrohung wahrnehmen.

Das Radio verleiht der Fahrt eine weitere Dimension. Das Erlebnis des Fahrers wird für Menschen, die nicht im Auto sitzen, zur Erzählung. Dadurch verändert sich der Maßstab der Geschichte: Eine individuelle Flucht kann für andere zum Symbol werden. Es lohnt sich, auf den Abstand zwischen Kowalskis Erleben und dem zu achten, was andere in ihn hineinprojizieren, denn beides fällt im Film nicht immer zusammen.

Dirty Mary Crazy Larry, 1974 unter der Regie von John Hough erschienen, entfaltet seine Energie rund um die Flucht und ein angespanntes Zusammenleben. Peter Fonda, Susan George und Adam Roarke teilen sich einen engen Raum, in dem die Entscheidungen eines Einzelnen die anderen unmittelbar betreffen. Das Auto dient als vorläufiger Zufluchtsort und Fluchtmittel – zugleich ist es ein Ort, an dem sich einer Auseinandersetzung nur schwer aus dem Weg gehen lässt.

Die Verfolgungsjagd hat damit eine ganz konkrete zwischenmenschliche Dimension. Der Fahrer kann zwar geschickt sein, hat aber nicht die Wünsche, Einwände oder Reaktionen seiner Mitfahrer unter Kontrolle. Die Gruppe muss weiterfahren und gleichzeitig ihre Beziehungen zueinander aushandeln. Dieser Druck unterscheidet den Film von einer abstrakten Demonstration fahrerischen Könnens: Die Reaktionen im Auto sind ebenso wichtig wie die Fahrzeuge, die hinter ihnen auftauchen.

Der Vergleich der beiden Werke zeigt zwei Maßstäbe desselben Genres. Vanishing Point rückt eine einsame Figur in den Mittelpunkt, die auf ihrer Fahrt immer mehr Bedeutung gewinnt. Dirty Mary Crazy Larry macht die Reibereien zwischen Menschen, die sich eine Fluchtmöglichkeit teilen müssen, stärker sichtbar. Die Straße kann die Legende eines Einzelnen verstärken oder die Probleme einer Gruppe verdichten – und in beiden Fällen für Spektakel sorgen.

Gone in 60 Seconds: Die Verfolgungsjagd als erzählerischer Kern

Gemeint ist Gone in 60 Seconds von H. B. Halicki aus dem Jahr 1974, nicht die Neuverfilmung von 2000. Die ausgedehnte Schlussverfolgungsjagd verleiht Autos, Straßen und Hindernissen eine Bedeutung, die weit über die eines bloßen Höhepunkts hinausgeht. Durch ihre Länge wird die zunehmende Abnutzung spürbar: Jeder zurückgelegte Abschnitt verändert die Bedingungen für den nächsten.

Um diesen Effekt zu würdigen, lohnt es sich, auf das Zusammenspiel von räumlicher Kontinuität und Beschädigungen zu achten. Ein Aufprall ist dann interessant, wenn wir nachvollziehen können, woher er kommt, welchen Teil des Fahrzeugs er trifft und wie er dessen weitere Bewegung beeinflusst. Das Spektakel hängt nicht allein davon ab, immer mehr Kollisionen zu zeigen. Das Publikum muss sich auch ein Bild von der Situation machen und die Anstrengung spüren können, die nötig ist, um die Fahrt fortzusetzen.

Die drei Filme zeigen also unterschiedliche Möglichkeiten, eine Verfolgungsjagd zu gestalten: eine Flucht zum Mythos zu machen, eine konfliktreiche Beziehung in einem Auto einzuschließen oder die Widerstandskraft von Maschine und Fahrer ins Zentrum des Erlebnisses zu rücken. Diese Fragen helfen auch dabei, Tarantinos Action zu betrachten, ohne die Eigenständigkeit der einzelnen Werke aus dem Blick zu verlieren und sie auf das bloße Aufzeigen von Bezügen zu reduzieren.

Die Nähe zum Roadmovie macht die verschiedenen Subgenres nicht austauschbar. In Motorradfilmen können die Gruppe, ihre Regeln und ihr Verhältnis zur Gemeinschaft stärker im Vordergrund stehen. Hier geht es vor allem um die Bewegung eines verfolgten Autos und darum, dem Publikum seine Möglichkeiten verständlich zu machen. Wer mit einem dieser drei Titel beginnt, kann erleben, wie vielfältig diese Erfahrung sein kann, ohne dass der Asphalt je verlassen wird.

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