
Death Proof verbindet die Beobachtung durch einen Mörder mit Gesprächen unter Freundinnen und einer Bedrohung, die schließlich die Straße beherrscht. Stuntman Mike nutzt seine Erfahrung als Stuntman, um ein Bild der Kontrolle zu vermitteln. Die Frauengruppen, denen er begegnet, haben eigene Interessen, Berufe und Beziehungen, die sich in Gesprächen entfalten, die scheinbar weit entfernt von der Gefahr sind. Der Film lässt diese Distanz beklemmend wirken: Wir wissen von der Bedrohung, während wir Menschen dabei beobachten, wie sie ihre Zeit genießen.
Die Aufteilung in zwei große Blöcke verändert das Licht, die Schauplätze und die Beziehung zum Auto. Das Auto kann ein Ort zum Reden, ein begehrtes Objekt oder ein Mittel der Gewalt sein. Die Inszenierung verändert seine Bedeutung, indem sie darauf achtet, wer fährt, wer beobachtet und wer gefährdet ist. Die Entstehung als Teil des Double Features Grindhouse verleiht dem Film eine weitere Dimension: Die Spuren einer abgenutzten Filmkopie und die abrupten Tonwechsel lassen das Erlebnis einer Filmvorführung wiederaufleben, während die Action klar genug bleiben muss, damit jede Veränderung von Abstand oder Geschwindigkeit verständlich ist.
Death Proof handelt von Stuntman Mike, einem Filmstuntman, der das Auto als Waffe gegen Frauen einsetzt. Der Film widmet zwei Frauengruppen lange Passagen, bevor ihre Alltagsroutinen mit dieser Bedrohung konfrontiert werden. Die Gespräche geben Zeit, ihre Verbundenheit und ihre Unterschiede kennenzulernen. Dadurch trifft die Gefahr Menschen, deren Leben weit über die Begegnung mit dem Täter hinausgeht.
Grindhouse und die Form eines wiederentdeckten Films
Die offizielle Präsentation in Cannes erklärt, dass Death Proof in den US-amerikanischen Kinos als Teil von Grindhouse, zusammen mit Planet Terror von Robert Rodriguez und fingierten Kinotrailern gezeigt wurde. Die Einbindung von Death Proof in Grindhouse stellt den Spielfilm in die Tradition des Double Features im Exploitation-Kino. Das Projekt spielt mit der Erwartung eines Programms, das durch mehrere Beiträge hindurch mit Schockeffekten, Exzessen und wechselnden Tonlagen aufwartet.
Kratzer und Sprünge, die eine beschädigte Filmkopie nachahmen, machen das Bildmaterial als Trägermedium spürbar. Nicht alles, was wir sehen, scheint zu einer glatt polierten und einheitlichen Präsentation zu gehören. Diese Optik beeinflusst die Beziehung zum Publikum: Sie kann zum Schmunzeln bringen, den Erzählfluss unterbrechen oder den Eindruck verstärken, einen aus einer anderen Zeit wiederentdeckten Film zu sehen.
Auf der Pressekonferenz in Cannes 2007 erklärte Tarantino, dass beide Filme für das gemeinsame Programm gekürzt worden seien und zugleich auch für den Einzelverleih konzipiert waren. Die Unterschiede zwischen der Grindhouse-Fassung und der erweiterten Version gehen auf diese doppelte Präsentationsform zurück. Das zusätzliche Material verändert, wie viel Zeit wir mit den Figuren verbringen und wie manche Begegnungen verlaufen; außerdem wirkt es sich auf die Gesamtlänge aus.
Zwei Frauengruppen und unterschiedliche Beziehungen zum Risiko
Die Zweiteilung von Death Proof verlagert die Handlung von Austin nach Tennessee und lässt eine Gruppe von Protagonistinnen durch eine andere ersetzen. Der erste Teil spielt vorwiegend nachts in Bars und wird von der aufdringlichen Präsenz eines Fremden geprägt; im zweiten Teil öffnet sich die Geschichte zu Schauplätzen am Tag und zu Frauen, die mit der Filmarbeit verbunden sind. Die Bedrohung wiederholt sich, trifft aber auf andere Fähigkeiten und Beziehungen.
Kurt Russell spielt laut den Angaben aus Cannes Stuntman Mike. Sein Spiel wechselt zwischen Vertraulichkeit, Verbitterung und einer Aufmerksamkeit, die aufdringlich werden kann. Mike versucht, sich als jemand darzustellen, der Neugier verdient, und nutzt seine beruflichen Erzählungen, um das Gespräch an sich zu reißen. Zwischen dieser scheinbaren Geselligkeit und der Art, wie er die Menschen vor sich beobachtet, hält der Film eine beklemmende Distanz aufrecht.
In der zweiten Gruppe führt Cannes Rosario Dawson als Abernathy, Tracie Thoms als Kim und Zoë Bell als Zoë auf. Die Präsenz von Zoë Bell als Figur in Death Proof verbindet die Lust am Risiko mit beruflicher Erfahrung innerhalb der Filmhandlung. Das Vertrauen zwischen den Frauen lässt sie scherzen, diskutieren und ausloten, wozu jede von ihnen bereit ist. Ihre Unterschiede sind wichtig, denn bei jeder gemeinsamen Entscheidung muss jemand die Initiative einer anderen akzeptieren.
Der Film verbindet die Spannung des Auflauerns mit der Action von Verfolgungsjagden, die unterschiedlich schnell ablaufen. Zunächst kann er die Annäherung an eine Bedrohung in die Länge ziehen; später zwingt er die Figuren, mit unmittelbaren Entscheidungen darauf zu reagieren. Das verbindende Element beider Erzählweisen ist das Auto: Es ermöglicht zwar Bewegungsfreiheit, wird aber auch zur Quelle der Verletzlichkeit, sobald ein anderer Fahrer beschließt, in denselben Raum einzudringen.
Kamera, Schnitt und der Klang der Bewegung
Das Festivalprogramm führt Tarantino bei Death Proof als Kameramann und Sally Menke als Cutterin auf. Die Kamera setzt Gesichter, Hände, Karosserien und Straße zueinander in Beziehung, damit eine Situation verständlich bleibt, obwohl sie sich schnell verändert. In der Schlussverfolgungsjagd von Death Proof lässt sich ein Risiko vorhersehen, bevor es zur nächsten Kollision kommt, wenn man erkennt, wo sich die einzelnen Fahrzeuge befinden.
Die Darstellung des ungeschützten Körpers vermittelt eine andere Art von Unsicherheit als die einer Person, die vom Fahrzeuginnenraum geschützt wird. Das Bild vermittelt Anstrengung, Gleichgewicht und Widerstandskraft, während der Schnitt bestimmt, wie lange eine Schwierigkeit sichtbar bleibt. Die Inszenierung stützt sich auf diese körperliche Wahrnehmung: Jedes neue Hindernis verlangt eine Anpassung der Bewegung und macht spürbar, wie viel es kostet, die Kontrolle zu behalten.
Der Soundtrack von Death Proof steht neben Motoren, Wind, Bremsen und Aufprallgeräuschen, die das Geschehen greifbar verorten. Die Songs schaffen eine Atmosphäre der Freizeit und vermitteln eine angenehme Beziehung zum Unterwegssein. Wenn die Fahrzeuggeräusche stärker in den Vordergrund treten, fühlt sich die Straße nicht länger wie eine sorglose Strecke an: Jede hörbare Veränderung kann Nähe, Beschleunigung oder schwindenden Spielraum ankündigen.
Mikes Beruf als Stuntman verbindet ihn mit einer Erinnerung an die Filmindustrie, von der er anderen erzählen muss. Seine öffentliche Identität beruht auf Arbeiten, bei denen jemand anderes als Hauptfigur erscheint. Sich mit diesen Erfahrungen vorzustellen, bedeutet auch, Aufmerksamkeit und Anerkennung einzufordern – selbst wenn seine Gesprächspartnerinnen nicht unbedingt die Referenzen teilen, die er für bedeutsam hält.
Die zweite Gruppe bringt einen anderen Bezug zu diesem Beruf ins Spiel. Die Filmarbeit ist Teil aktueller Gespräche und Freundschaften; sie wird als gemeinsame Erfahrung und praktisches Wissen eingebracht. So stellt der Film unterschiedliche Haltungen zu einer ähnlichen körperlichen Tätigkeit gegenüber. Wer gelernt hat, Risiken zu bewältigen, entscheidet dadurch noch nicht, wie er andere Menschen behandelt.
Dieser Unterschied macht deutlich, dass Können keine moralische Garantie ist. Mike versteht seinen Vorteil als Recht, die Bedingungen der Begegnung zu bestimmen, während die Freundinnen Entscheidungen untereinander aushandeln müssen. Berufliche Anerkennung, Vertrauen und Macht hängen zusammen, doch die Figuren setzen ihre Fähigkeiten in ganz unterschiedlichen Beziehungen ein. Im Konflikt geht es sowohl um das Verhalten als auch um das Können.
