Willy DeVilles Stimme ist mit Stuntman Mike verbunden, als der Film bereits zu anderen Figuren und einer anderen Situation gewechselt hat.
Das Lied ist nach dem ersten Abschnitt zu hören
„It’s So Easy“ in der Interpretation von Willy DeVille ist Teil von Death Proof, begleitet aber nicht das anfängliche Zusammensein der Frauen in der Bar in Austin. Das Lied setzt ein, als Stuntman Mike nach dem Unfall, der den ersten Abschnitt beendet, zum ersten Mal wieder auftaucht. Durch diese Platzierung erhält es eine andere Funktion: Die Musik begleitet die Rückkehr einer Gefahr, die das Publikum bereits kennt.
Vor dem Unfall konnte Mike als seltsamer Mann erscheinen, dessen Gespräch und Aussehen beunruhigend wirkten. Im zweiten Teil ist diese Ungewissheit verschwunden. Das Publikum weiß, was er mit seinem Auto anstellt, und beobachtet, wie er sich anderen Frauen nähert – aus einer anderen Perspektive. Das Lied wird mit der Wiederholung seines Verhaltens verknüpft, nicht mit einem Abend des Zusammenseins, der noch verschiedene Möglichkeiten offenlässt.
Das Lied existierte schon vor Death Proof: Es war Teil des Soundtracks von Cruising, dem 1980 erschienenen Film von William Friedkin. Tarantino verwendet eine bereits aufgenommene Version und kein neues Stück, das DeVille für die Figur geschrieben hätte. Dieser frühere Einsatz gehört zur Geschichte der Aufnahme und macht innerhalb der Musikauswahl einen weiteren Übergang zwischen Filmen erkennbar.
Eine Stimme, die eine vertraute Präsenz begleitet
DeVilles Interpretation bringt eine raue Note und eine stimmliche Haltung mit, die zum heruntergekommenen Erscheinungsbild Mikes passt. Sie lässt sich als Verlängerung seines Selbstbewusstseins und seiner Art verstehen, Raum einzunehmen. Diese Übereinstimmung entsteht durch den Schnitt: Sie beweist weder, dass das Lied ursprünglich einen mörderischen Fahrer beschrieb, noch, dass es mit einer ähnlichen Situation im Sinn geschrieben wurde.
Das Stück hat einen Rock-Impuls, der den Vorwärtsdrang der Szene unterstützt. Es funktioniert nicht wie ein orchestraler Warnhinweis, der vorgibt, in einem bestimmten Moment Angst zu empfinden. Seine Energie bleibt relativ gleichmäßig, sodass die Unruhe daraus entsteht, was wir über den Mann wissen, den es begleitet. Ansprechende Musik kann bedrohliches Verhalten untermalen, ohne es gutzuheißen.
Durch diese Verbindung wird die Erinnerung des Publikums wichtig. Dieselbe körperliche Präsenz, die zuvor noch mehrdeutig gelesen werden konnte, ruft nun die Erinnerung an Gewalt wach. Das Lied muss diesen Wandel nicht mit Worten erklären. Es erklingt neben einem Körper und einem Auto, deren Bedeutung sich bereits verändert hat. Diese neue Verbindung genügt, um eine scheinbar alltägliche Fahrt mit Spannung aufzuladen.
Die Stimme ist auch kein wörtlicher innerer Monolog. Man sollte nicht jede Zeile eines bereits existierenden Liedes in ein Geständnis der Figur verwandeln. Der Schnitt kann Klangfarbe, Rhythmus und Haltung nutzen, ohne den gesamten Text als erzählerische Information zu übernehmen. So lässt sich DeVilles Interpretation hören und Mike zugleich kritisch betrachten.
Ein genau bestimmter Platz in einem vielseitigen Soundtrack
Der Soundtrack zu Death Proof vereint Lieder, die die Figuren hören, mit anderen, die das Geschehen aus einer anderen Perspektive begleiten. „It’s So Easy“ muss in diesem Verlauf verortet werden, nach dem Bruch, der die beiden Frauengruppen voneinander trennt. Würde man das Lied in die Bar in Austin verlegen, wäre seine Verbindung zur Figur und zum Wissen, das das Publikum bereits gesammelt hat, nicht mehr zu verstehen.
Auch der frühere Einsatz in Cruising macht Death Proof nicht zu einer Adaption von Friedkins Film. Die Übernahme ist musikalischer Art; der neue Film entscheidet, wie er das Stück einsetzt. Wer die Aufnahme wiedererkennt, kann eine eigene filmische Erinnerung hinzufügen. Wer sie nicht kennt, erlebt trotzdem ihre stimmliche und rhythmische Kraft. Die Szene funktioniert auch ohne eine bestandene Prüfung in Sachen Filmreferenzen.
DeVilles Lied trägt so zu Mikes erneutem Auftritt bei: Er ist wieder in der Nähe, die Handlung ist erneut in Bewegung, und das Publikum erkennt die Gefahr, bevor seine möglichen neuen Opfer sie erkennen. Die Musik verstärkt diesen beunruhigenden Wissensvorsprung des Publikums. Ihre Rolle wird verständlicher, wenn man sie an genau dieser Stelle verortet, statt ihr eine allgemeine nächtliche Atmosphäre zuzuschreiben, die zu anderen Liedern gehört.
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