Die Musik von Death Proof verbindet Songs aus verschiedenen Jahrzehnten mit Stücken aus anderen Filmen. Das kommerziell veröffentlichte Album enthält eine Auswahl, aber nicht jeden Ausschnitt, der im Film zu hören ist.
Was das Album zu Death Proof enthält
Das als Soundtrack veröffentlichte Album vereint Songs, Instrumentalmusik und Dialogausschnitte. Diese Mischung ist wichtig, wenn man eine Titelliste betrachtet: Nicht alle Titel sind Musikstücke, und die Gesamtspielzeit entspricht nicht der gesamten Klangwelt des Films. Das Album bietet ein eigenes Hörerlebnis, während die Stücke im Film je nach Bedarf der einzelnen Szenen eingesetzt werden.
Die Auswahl umfasst The Last Race von Jack Nitzsche; Baby, It’s You, gesungen von Smith; Paranoia Prima von Ennio Morricone; Jeepster von T. Rex; Staggolee von Pacific Gas & Electric; The Love You Save (May Be Your Own) von Joe Tex; Good Love, Bad Love von Eddie Floyd; Down in Mexico von The Coasters; Hold Tight! von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich; Sally and Jack von Pino Donaggio; It’s So Easy von Willy DeVille; Riot in Thunder Alley von Eddie Beram und Chick Habit von April March. Gesprochene Passagen ergänzen die Titelfolge des Albums.
Die Vielfalt ist keine streng auf ein bestimmtes Jahr ausgerichtete Rekonstruktion. Death Proof setzt Musik ein, die vor dem Kinostart des Films entstand, um eine Welt aus Vorlieben, Erinnerungen und filmischen Bezügen zu erschaffen. Rock, Soul und Filmmusik sorgen gemeinsam dafür, dass sich die Atmosphäre von Texas nicht auf ein einziges Musikgenre reduzieren lässt. Ein Song kann einen Ort charakterisieren, ein Gespräch begleiten oder eine Energie einbringen, die im Kontrast zum Geschehen steht.
Auch Interpret und Urheber sollten nicht verwechselt werden. Dass Smith Baby, It’s You oder The Coasters Down in Mexico singen, bezeichnet die im Film zu hörende Aufnahme, schreibt den Gruppen aber nicht automatisch die Komposition zu. Um eine bestimmte Version zu finden, sind der Name des Interpreten und der Titel hilfreicher als ein allgemeiner Hinweis wie „das alte Lied aus der Bar“.
Musik in der Nacht
Im ersten Teil werden die Songs zum Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Das Radio, die Musikanlage der Bar und Jungle Julias Vorlieben verbinden Musik und Figuren. Die Musik ist nicht bloß ein äußerer Kommentar zum Geschehen: Die Menschen reagieren immer wieder auf das, was läuft, wählen es aus oder müssen sich darüber hinweg verständigen. Diese Einbindung verleiht einer von ineinandergreifenden Gesprächen geprägten Nacht Kontinuität.
Down in Mexico ist mit dem Tanz von Butterfly vor Stuntman Mike, der in der Langfassung zu sehen ist, verbunden. Der Rhythmus trägt die Darbietung und den Blickkontakt. Dagegen begleitet Hold Tight! die Fahrt, die zum ersten großen Zusammenstoß führt. Die ausgelassene Energie des Songs und die Bedrohung, die der Schnitt erahnen lässt, erzeugen einen anderen Kontrast: Die Freude der Insassinnen im Auto deckt sich nicht mit dem Wissensstand des Publikums.
Jungle Julia arbeitet beruflich beim Radio, doch das bedeutet nicht, dass jedes Stück im Film aus ihrer Sendung stammt. Die Quelle der Musik wechselt je nach Szene. Wer zwischen Musik unterscheidet, die die Figuren hören, und Musik, die für das Publikum hinzugefügt wurde, vermeidet den falschen Eindruck einer durchgehenden Radiosendung. Jungle Julia und ihr Radiosenderveranschaulichen diesen konkreten Aspekt, ohne den gesamten Soundtrack abzudecken.
Der Soul von Joe Tex und Eddie Floyd bereichert die Atmosphäre um weitere Nuancen. Die Songs können im Hintergrund eines Gesprächs laufen oder eine Liebesbeziehung andeuten, ohne die Person auf der Leinwand unmittelbar zu beschreiben. Diese Vielseitigkeit gehört zum Einsatz von Soul und Funk in Tarantinos Filmen: Die Musikauswahl muss den Inhalt nicht Wort für Wort in Musik übersetzen.
Die Straße und was das Album auslässt
Im zweiten Teil gewinnen Motoren, Aufpralle, Stimmen und Musik an Bedeutung. In der Action müssen wir den Kontakt zwischen den Fahrzeugen und die Lage der Menschen wahrnehmen. Ein Song unterlegt nicht die gesamte Verfolgungsjagd gleichmäßig. Musikeinsätze und -ausblendungen gliedern die verschiedenen Phasen einer Szene, in der die physische Klangkulisse eine eigene Rolle behält.
It’s So Easy von Willy DeVille begleitet Mikes Auftritt in diesem Teil. Die Verwendung des Stücks lässt sich in seinem Einsatz in Death Proofuntersuchen, während die Verfolgungsjagd insgesamt instrumentale Bezüge zu anderen Filmen aufgreift. Einige dieser Stücke sind nicht auf dem kommerziellen Album enthalten. Eine Liste mit sechzehn Titeln reicht daher nicht aus, um alles zu identifizieren, was während des Films zu hören ist.
Im Abspann erklingt Chick Habit von April March. In der internationalen Fassung ist auch ihre französische Interpretation von Laisse tomber les filles zu hören. Die Unterscheidung zwischen den beiden Songs und den verschiedenen Fassungen verhindert, dass ein Titel dem Album zugeschrieben wird, der nicht auf dessen ursprünglicher Titelliste steht. Eine Filmkopie kann zusätzliche Musik enthalten, die auf dem Album fehlt.
Um einen Titel zu finden, sollte man von der Szene und der gerade gesehenen Schnittfassung ausgehen. Die Reihenfolge auf dem Album, die Reihenfolge im Film und die Dauer eines Ausschnitts auf der Leinwand sind unterschiedliche Angaben. Death Proof erschafft seine Klangwelt durch diese Auswahl und Montage: Die Aufnahmen behalten ihre Identität, erhalten aber neue Bezüge zu Stimmen, Autos und Körpern.
Weitere Informationen bietet der Death-Proof-Leitfaden.
