Chick Habit, gesungen von April March, begleitet den Abspann von Death Proof. Der poppige Ton macht aus dem Ende der Action einen spöttischen Abschied vom Täter.
Von Laisse tomber les filles zu April March
Chick Habit ist eine englischsprachige Bearbeitung von Laisse tomber les filles, einem von Serge Gainsbourg geschriebenen Song, der durch die Interpretation von France Gall bekannt wurde. April March nahm ihre Version in den Neunzigerjahren auf und sang das Lied auch auf Französisch. Die Verbindung zwischen den Titeln erklärt, warum der Abspann verschiedener Schnittfassungen leicht unterschiedliche musikalische Erinnerungen wecken kann.
Der Song von April March wurde nicht eigens für Death Proof komponiert. Tarantino verwendet eine bereits zuvor aufgenommene Version und platziert sie nach einer Szene, die ihre Wirkung verändert. Wer das Stück kennt, kann darin ein eigenständiges Werk wiedererkennen; wer es zum ersten Mal hört, verbindet es mit Mikes Niederlage. Beides ist möglich, denn der Film löscht die musikalische Geschichte des Songs nicht aus.
Es lohnt sich, zwischen der englischen Version, der französischen Interpretation und der Aufnahme von France Gall zu unterscheiden. Sie gehen auf dieselbe Komposition zurück, sind aber weder dieselbe Tonaufnahme noch dieselbe Stimme. Auf dem offiziellen Death-Proof-Album ist Chick Habit enthalten. Die internationale Fassung des Films enthält im Abspann außerdem Laisse tomber les filles, gesungen von April March.
Eine Warnung, die erst nach dem Geschehen kommt
Im Allgemeinen geht es in dem Song um die Folgen davon, Frauen schlecht zu behandeln, und um den Verlust einer überlegenen Haltung. Das passt zu einer Figur, die ihre Macht darauf gründet, sich diejenigen auszusuchen, die sie für verwundbar hält. Man muss den Text nicht wiedergeben, um den Zusammenhang zu erkennen: Der Song wird am Ende zu einem musikalischen Konter gegen sein Verhalten.
Die Platzierung ist entscheidend. Würde das Lied am Anfang erklingen, könnte es als Ankündigung oder Vorahnung dienen. Nach der Konfrontation begleitet es ein Ergebnis, das wir bereits gesehen haben. Der Kommentar wirkt dadurch rückblickend und ausgelassen, mit einer Energie, die den Triumphgestus der Protagonistinnen fortführt. Der Film wechselt von der Spannung auf der Straße zu einem Abschluss, der von Spott geprägt ist.
Der Glanz des Arrangements und die scheinbare Leichtigkeit des Vortrags nehmen dem gewaltsamen Ende nichts von seiner Härte. Vielmehr entsteht eine Reibung zwischen der Pop-Form und der Brutalität des Geschehenen. So kann das Publikum Erleichterung empfinden und zugleich erkennen, wie sehr der Film sein Vergnügen auf eine Vergeltung stützt. Die Musik lenkt die Emotionen, zwingt aber niemanden dazu, das Geschehen auf dieselbe Weise zu beurteilen.
Das Ende von Death Proofkehrt das Verhältnis um, das Mike zu seinen Opfern aufgebaut hatte. Chick Habit führt diese Umkehr auf einer anderen Ebene fort. Die Figur kann ihre eigene Geschichte der Härte nicht mehr bestimmen; der letzte bedeutende Kommentar kommt von einer weiblichen Stimme, die nicht zu ihm gehört. Die Musikauswahl nimmt ihm sogar die Kontrolle über den Ton, in dem wir uns von ihm verabschieden.
Der Wechsel zwischen der englischen und der französischen Interpretation macht einen weiteren Unterschied deutlich: Eine Melodie kann ihre Identität bewahren, während sich das Verhältnis zu den Hörenden durch den Text verändert. Für manche bietet das Englische eine unmittelbar verständliche Warnung; für andere kann das Französische zunächst Erinnerungen an die Poptradition wecken, aus der der Song stammt. Der Film lässt diese Assoziationen nebeneinander bestehen, ohne vorauszusetzen, dass alle den Song über dieselbe Sprache kennenlernen.
Der Ton des Abspanns und die Erinnerung des Publikums
Der Abspann ist hier keine emotional neutrale Zone. Der Song greift den Impuls des Endes auf und überführt ihn in ein Stück, das sich auch außerhalb des Films hören lässt. Das erklärt zum Teil, warum er die Erinnerung an den Schluss so prägt: Wenn das Publikum ihn später erneut hört, kann es das Gefühl von Triumph und Sarkasmus wiedererleben, ohne die gesamte Verfolgungsjagd vor Augen haben zu müssen.
Die Wirkung hängt auch nicht davon ab, jedes Wort auf Englisch oder Französisch zu verstehen. Rhythmus, Instrumentierung und Stimme vermitteln eine spürbare Haltung. Wer den Text kennt, nimmt eine konkrete weitere Ebene wahr, doch schon der Wechsel von der Action zum Pop markiert einen Tonartwechsel. In der Handlung ist die Gewalt vorbei, während ihr emotionaler Nachhall im Klang fortbesteht.
Die Einordnung von Chick Habit in den Soundtrack von Death Proofermöglicht es, die Funktion des Songs von der anderer Lieder abzugrenzen. Down in Mexico gestaltet eine Begegnung in der Bar, und Hold Tight! begleitet eine Situation, die von einer Bedrohung unterbrochen wird. Der Song von April March erklingt, nachdem auf diese Bedrohung reagiert wurde. Seine Aufgabe ist es, die Beziehung des Publikums zu Mike abzuschließen, und nicht, einen Ort zu beschreiben, an dem sich die Figuren noch aufhalten.
Die französische Herkunft schafft eine musikalische Verbindung, belegt für sich genommen aber keine Erklärung für die persönlichen Absichten des Regisseurs. Sicher analysieren lässt sich der Zusammenhang zwischen Text, Ton und Platzierung im Schnitt. Durch diese Kombination wird ein bereits zuvor entstandener Song zu einem besonders passenden Abschied von der Figur.
Weitere Hintergründe finden Sie im Death-Proof-Guide.
