Lee in Death Proof: das Cheerleaderkostüm und ein offenes Zurücklassen

Lee, gespielt von Mary Elizabeth Winstead, trägt ein Arbeitskostüm, das andere auf ihre eigene Weise deuten. Ihr Ausschluss von der Fahrt sorgt für ein Unbehagen, das das Ende von Death Proof ungelöst zurücklässt.

Ein Kostüm, das zu ihrer Arbeit als Schauspielerin gehört

Lee gehört zu der Gruppe, die mit einem Filmdreh verbunden ist und in der zweiten Hälfte von Death Proof auftritt. Ihr Cheerleaderkostüm beweist weder, dass sie Schülerin ist, noch, dass diese Tätigkeit ihr Leben außerhalb des Kinos prägt. Es ist das Kostüm einer Schauspielerin innerhalb der Fiktion. Wer diese Ebenen auseinanderhält, macht aus einem sofort wiedererkennbaren Bild keine Biografie, die der Film nicht erzählt.

Die Uniform hebt sie optisch von ihren Kolleginnen ab. Während Kim und Zoë stärker durch ihre unmittelbare Verbindung zu Bewegung und körperlicher Arbeit charakterisiert werden, ist Lee durch eine Rolle geprägt, die sie für eine andere Produktion spielt. Ihr Körper trägt eine konstruierte berufliche Identität, sogar während einer Ruhepause. Der Film nutzt diesen Umstand, damit andere ihre Vorstellungen auf sie projizieren.

Mary Elizabeth Winstead verleiht der Figur in manchen Gesprächen eine freundliche und etwas desorientierte Art. Das bedeutet nicht, dass man sie als unfähig zu eigenen Entscheidungen oder als vollkommen naiv beschreiben muss. Lee weiß über einige Vorschläge weniger und teilt nicht die ganze Vertrautheit, die Kim und Zoë bereits miteinander verbindet. Ihre Position ergibt sich zum Teil daraus, wie sich die Gruppe um sie herum organisiert.

Das Verhältnis zwischen Kostüm und Figurenidentität wird hier besonders deutlich. Das Kostüm sagt etwas Wahres über ihre unmittelbare Arbeit aus, begünstigt aber falsche Vorstellungen davon, wer sie ist. Die spätere Szene nutzt genau diesen Abstand zwischen äußerem Anschein und Identität.

Die Abmachung, durch die sie als Pfand zurückbleibt

Um das Auto Probe fahren zu können, vereinbaren die Freundinnen, Lee beim Besitzer zurückzulassen, während die anderen wegfahren. Die Situation wird als praktische Lösung für das Problem mit der Leihe dargestellt. Doch die Abmachung wird nicht zwischen Menschen getroffen, die ihre Bedingungen gleichermaßen kennen und akzeptieren. Lee gerät in eine Lage, die andere für sie festgelegt haben.

Abernathy erzählt dem Mann eine sexuelle Lüge über ihre Freundin, um ihn zu überreden. Diese Lüge verändert die Bedeutung des Wartens. Lee kann glauben, sie werde nur ein paar Minuten mit dem Besitzer verbringen; er hingegen versteht die Situation aufgrund einer Erwartung, der sie nie zugestimmt hat. Die Szene erzeugt durch dieses Missverhältnis Komik, doch dadurch verschwindet das Machtgefälle nicht.

Das Cheerleaderkostüm trägt dazu bei, dass die Projektion unmittelbar wirkt. Der Besitzer muss Lee nicht kennen, um die Geschichte zu glauben, die man ihm erzählt. Ihr Aussehen dient gleichsam als visueller Beweis für eine erfundene Identität. So zeigt der Film eine Form der Objektifizierung, die nicht unmittelbar von Mike ausgeht, sondern auch aus den Entscheidungen der Freundinnen entsteht.

Das Unbehagen ist wichtig, weil es die Solidarität der Gruppe komplizierter macht. Die Protagonistinnen, die später gemeinsam gegen einen Angreifer vorgehen, haben zuvor eine Freundin als Mittel zum Zweck behandelt. Man muss dieses Verhalten nicht mit Mikes Gewalt gleichsetzen, um das Problem zu erkennen. Es sind unterschiedliche Handlungen, aber beide lenken den Blick darauf, wer darüber entscheidet, welchen Platz eine andere Person einnimmt.

Was der Film danach nicht zeigt

Lee bleibt der finalen Verfolgungsjagd fern. Der Film kehrt nicht zu ihr zurück, um ihr Warten abzuschließen, und zeigt auch kein späteres Wiedersehen mit ihren Freundinnen. Daher lässt sich nicht behaupten, dass sie sexuell angegriffen wird, auf eine bestimmte Weise entkommt oder nach dem Abspann gerettet wird. Die Erzählung bestätigt keine dieser Möglichkeiten.

Durch diese Abwesenheit bleibt eine Frage offen, die die Deutung des Endes verändert. Während das Trio einen euphorischen Abschluss erlebt, bleibt eine Angehörige der ursprünglichen Gruppe außerhalb des Bildes. Das Publikum kann sich über Mikes Niederlage freuen und zugleich erkennen, dass der Film nicht alle Situationen auflöst, die er aufgeworfen hat. Der Schluss ist selektiv.

Der Ausschluss hat auch eine strukturelle Folge. Die Handlung bündelt ihre Kräfte bei Kim, Zoë und Abernathy, während Lee mit der vorherigen Abmachung verbunden bleibt. Sie erhält keine gleichwertige Gelegenheit, sich an der Reaktion zu beteiligen. Ihre Position erinnert daran, dass die Frauen der Gruppe nicht einheitlich behandelt werden, auch wenn sie zu Beginn des Handlungsabschnitts gemeinsame Gespräche führen.

Die Figur braucht kein erfundenes Schicksal, um eine Funktion zu erfüllen. Ihr Kostüm führt eine überlagerte Identität ein, die Täuschung offenbart einen Riss in der Freundschaft, und ihre spätere Abwesenheit verhindert einen vollständig unbeschwerten Abschluss. Diese Vorgänge lassen sich beobachten, ohne Lee zum Mittelpunkt einer imaginären Fortsetzung zu machen.

Der fehlende Abschluss beweist auch nicht, dass der Film alles gutheißt, was die Freundinnen getan haben. Er ermöglicht eine kritische Deutung des Gegensatzes zwischen der Feier am Ende und der Person, die sie zurückgelassen haben. Diese Deutung ergibt sich aus Montage und Figurenwahl, ohne dass man weitere Ereignisse hinzufügen muss.

Es ist ebenso wichtig, Lee und Winstead auseinanderzuhalten. Der Film spielt damit, dass eine echte Schauspielerin eine weitere Schauspielerin verkörpert, doch die Lüge, die dem Besitzer erzählt wird, und die Entscheidungen der Gruppe gehören zur Fiktion. Die Darstellerin gestaltet die Reaktion der Figur auf eine befremdliche Abmachung; sie gibt damit weder etwas über ihr eigenes Leben noch über ihre berufliche Laufbahn preis.

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