Stuntman Mike: Die vorgetäuschte Sicherheit des Killers aus Death Proof

Stuntman Mike macht seinen Beruf zu einem Teil seiner Selbstdarstellung und sein Auto zum Versprechen der Unverwundbarkeit. Der Film stellt dieses Bild auf die Probe: Was bleibt davon, wenn sich seine Opfer wehren können?

Ein Mann, der sich über seinen früheren Beruf vorstellt

Mike verwendet den Begriff Stuntman als Teil seines Namens. Er wartet nicht darauf, dass andere seinen Beruf herausfinden: Er nimmt ihn in die erste Information auf, die er über sich preisgibt. Diese Beharrlichkeit legt nahe, dass der Beruf seine Identität noch immer prägt, auch wenn die Fernseharbeiten, von denen er erzählt, bei den jungen Frauen nicht die Anerkennung hervorrufen, die er sich wünscht.

In den Gesprächen wird der Generationenunterschied deutlich. Seine Referenzen haben für die anderen nicht automatisch das Ansehen, das er ihnen offenbar zuschreibt. Die Figur muss erklären, wer sie war und was sie getan hat, während die Frauen ihren eigenen Interessen nachgehen. Der Film zeigt, wie Mike versucht, das Bild eines erfahrenen Mannes aufrechtzuerhalten, ohne zu bestätigen, dass dieses Bild für alle attraktiv oder relevant ist.

Mikes gezeichnetes Gesicht und seine Kleidung tragen zu seiner Selbstdarstellung bei, liefern für sich genommen aber keine Biografie. Es ist nicht nötig, ihm ein bestimmtes Trauma, eine psychologische Diagnose oder eine einzige Ursache für seine Gewalt zuzuschreiben. Sicher ist nur, was sein Verhalten zeigt: Er beobachtet Frauen, nähert sich ihnen und nutzt Situationen, die scheinbar ganz normal wirken, um Zugang zu ihnen zu bekommen.

Seine Vergangenheit als Stuntman gehört zur Fiktion und zu dem, was die Figur erzählt. Die echte Arbeit von Stuntleuten darf nicht mit seinem kriminellen Einsatz eines Fahrzeugs verwechselt werden. Der Film greift einen Beruf auf, der mit Risikokontrolle verbunden ist, und zeigt einen Mann, der diesen Vorteil zu einem Mittel macht, um andere zu unterwerfen.

Das Gespräch als Form der Annäherung

Mike bleibt nicht immer im Verborgenen. Er kann sich in ein Gespräch einschalten, zuhören und seinen Tonfall an sein Gegenüber anpassen. Diese teilweise vorhandene Geselligkeit macht ihn beunruhigender als eine Bedrohung, die sich von Anfang an durch offenes gewalttätiges Verhalten ankündigt. Das Publikum muss auf kleine Unstimmigkeiten zwischen seiner Höflichkeit und seinem beharrlichen Blick achten.

Bei Arlene nutzt er eine Information, die ihm ermöglicht, ein Gespräch nach Regeln zu beginnen, die andere bereits festgelegt haben. Seine Annäherung verbindet Humor, Provokation und Berechnung. Die Szene beweist nicht, dass er unwiderstehlichen Charme besitzt. Sie zeigt, dass er eine soziale Situation auszunutzen und in eine Gelegenheit zur Annäherung zu verwandeln weiß. Die Lapdance-Szeneführt diese Spannung auf besondere Weise weiter.

Sein Umgang mit Pam nimmt eine andere Form an. Sein Angebot, sie mitzunehmen, scheint auf einer vernünftigen Bedingung zu beruhen: Er hat nichts getrunken. Mike nutzt diesen Umstand als Zeichen seiner Zuverlässigkeit und verbirgt dabei die eigentliche Gefahr. Der Film zeigt, wie eine übliche Vorsichtsmaßnahme der Mitfahrerin angesichts einer Absicht, von der sie nichts weiß, nicht ausreicht. Die Schuld an dem Übergriff trägt derjenige, der ihn vorbereitet.

Kurt Russell verkörpert diese unterschiedlichen Seiten, ohne die Figur völlig zu verändern. Das Lächeln, die Pause und der gesprächige Ton können einige Sekunden lang freundlich wirken und danach eine unangenehme Genugtuung erkennen lassen. Die Stärke der Darstellung liegt darin, beide Lesarten nebeneinander bestehen zu lassen. Mike muss lange genug gesellschaftlich erträglich wirken, um sich seinen Opfern nähern zu können.

Der Vorteil, der ihm seinen Mut verleiht

Das Auto ist die materielle Grundlage seiner Sicherheit. Innerhalb der Logik des Films glaubt Mike, Schäden verkraften zu können, denen andere nicht standhalten würden. Der erste Crash in Death Proofzeigt, wie sehr seine Gewalt von diesem Ungleichgewicht abhängt. Er sucht weder einen fairen Wettkampf noch eine Geschicklichkeitsprüfung zwischen Beteiligten, die das Risiko akzeptieren.

Dass er Frauen zu seinen Zielen macht und ihren Körpern so viel Aufmerksamkeit widmet, verleiht seinem Verhalten eine sexualisierte Dimension der Beherrschung. Der Film muss keinen sexuellen Übergriff zeigen, damit die Verfolgung als Angriff auf ihre Freiheit wahrgenommen wird. Mike beobachtet die Frauen, während sie ihren eigenen Beschäftigungen nachgehen, und will ihre Fahrten zu einem Schauspiel machen, das ganz auf seine Befriedigung ausgerichtet ist.

Als Kim ihn verletzt, bricht die Pose in sich zusammen. Der Schmerz, den er anderen zufügte, bleibt nicht länger außerhalb seiner eigenen Erfahrung. Seine Klagen und sein Rückzug zeigen eine Verletzlichkeit, die durch Russells Darstellung beinahe grotesk wirkt. Diese Veränderung widerspricht dem zuvor Gezeigten nicht: Sie macht deutlich, dass seine Souveränität davon abhing, die Gefahr vom eigenen Körper fernzuhalten.

Auch die zweite Verfolgungsjagd zwingt ihn dazu, die Initiative abzugeben. Er entscheidet nicht länger, wann er sich nähert und wann er verschwindet. Die Frauen bleiben an ihm dran und zwingen ihn zu reagieren. Das Ende von Death Proofnimmt ihm so sowohl seinen körperlichen Schutz als auch die Geschichte, die er sich über sich selbst zurechtgelegt hat.

Russells Wechsel des Darstellungsstils verhindert, dass das Ende ausschließlich auf körperlicher Gegenwehr beruht. Wenn man Mike zuhört, wie er darum bittet, dass alles aufhört, verändert sich unser Verhältnis zu seiner Stimme. Mit dem Gespräch, das er zuvor zur Annäherung nutzte, kann er sich nun weder schützen noch diejenigen überzeugen, die seine Absicht kennen.

Mike wirkt durch die Verbindung von Erfahrung und Feigheit beunruhigend. Seine Fähigkeit, zu fahren und Angriffe zu planen, ist innerhalb der Geschichte real; eine moralische oder heroische Überlegenheit besitzt er nicht. Am Ende macht der Film den Unterschied deutlich zwischen dem beruflichen Umgang mit Risiken und dem Vergnügen an einem Übergriff, dessen Folgen nur andere tragen sollen.

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