Tarantino unterscheidet zwischen der Anerkennung eines Werks und der Entscheidung, es mit dem Ziel der Anerkennung zu konzipieren – auch wenn sich diese Grenze diskutieren lässt.
Der Wunsch zu gewinnen verschwindet nicht, nur weil man Preise kritisiert
In seinem Interview mit Zach Baron für GQ, das im Dezember 2015 veröffentlicht wurde, äußerte Tarantino seinen Ehrgeiz, weitere Oscars für seine Drehbücher zu gewinnen. Außerdem räumte er nach der Kampagne für Inglourious Basterds seine Enttäuschung ein und setzte Grenzen für den Werbeaufwand, den er zu wiederholen bereit war. Diese Aussagen lassen es nicht zu, ihn als jemanden darzustellen, dem die Anerkennung durch die Academy völlig gleichgültig ist.
Der Widerspruch ist interessanter als ein einfacher Gegensatz zwischen Künstler und Preisen. Ein Filmemacher kann sich wünschen, dass seine Arbeit anerkannt wird, und zugleich den Bedingungen misstrauen, die diese Anerkennung wahrscheinlicher machen. An einer Verleihung teilzunehmen, bedeutet nicht, all ihren Entscheidungen zuzustimmen; eine Kampagne zu kritisieren, heißt auch nicht, dass ein Preis für denjenigen, der ihn erhält, wertlos ist.
Außerdem sollte man seine Ambitionen von den tatsächlich erzielten Ergebnissen trennen. Eine Aussage darüber, einen weiteren Oscar gewinnen zu wollen, gehört zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Laufbahn. Sie darf nicht zu einer bereits erhaltenen Auszeichnung umgedeutet oder dazu verwendet werden, seine Erfolgsbilanz automatisch zu aktualisieren. Die Aussagen beschreiben sein Verhältnis zum Wettbewerb, während sich Nominierungen und konkrete Auszeichnungen in den Aufzeichnungen der Academy überprüfen lassen.
Das Biopic und der Verdacht, ein Film sei gezielt auf einen Schauspielpreis zugeschnitten
Bei The Talks kritisierte Tarantino am 28. Oktober 2013 das Biopic als umfassenden Lebensrückblick und brachte es mit dem Streben nach Oscars für schauspielerische Leistungen in Verbindung. Er schlug eine andere Möglichkeit vor: sich auf einen entscheidenden Moment zu konzentrieren, und nannte als hypothetisches Beispiel Elvis Presleys Ankunft bei Sun Records. Das war eine Vorliebe für eine bestimmte dramaturgische Gestaltung, keine Ankündigung eines eigenen Films über Elvis.
Dieser Einwand wirft eine konkrete erzählerische Frage auf. Einen Lebenslauf zusammenzufassen bedeutet, wichtige Ereignisse auszuwählen und Lebensabschnitte miteinander zu verbinden, die möglicherweise unterschiedliche Konflikte erfordern. Die Erzählung kann am Ende vor allem bestätigen, dass bekannte Ereignisse stattgefunden haben, und dabei wenig Raum lassen, die Ungewissheit jedes einzelnen zu erkunden. Ein Film, der sich auf einen kurzen Zeitraum konzentriert, kann Entscheidungen mehr Raum geben, deren Bedeutung den Figuren noch nicht bewusst ist.
Das Elvis-Beispiel trennt eine Biografie außerdem von einer bloßen Aufzählung von Erfolgen. Ein einzelner Tag kann eine noch ungewisse Erwartung in sich tragen, während eine Abfolge bekannter Meilensteine dazu neigt, ein bereits angekündigtes Schicksal zu bestätigen.
Das beweist nicht, dass alle Filmbiografien zwangsläufig scheitern. Eine Auswahl von Episoden kann durch eine eigenständige Ausdrucksform zusammengehalten werden, und auch eine auf einen Tag konzentrierte Erzählung kann konventionell wirken. Der Wert der Kritik liegt darin, zu fragen, was die gewählte Struktur bewirkt – nicht darin, ein Genre schon vor der Sichtung pauschal zu verurteilen.
Die Schauspielleistung wirft ein weiteres Problem auf. Eine körperliche Verwandlung oder eine erkennbare Imitation kann Aufmerksamkeit erregen, weil sie einen unmittelbaren Vergleich mit einer realen Person ermöglicht. Die Arbeit eines Schauspielers umfasst jedoch auch Zuhören, das Gestalten einer Beziehung und das glaubhafte Vermitteln eines Widerspruchs – Aspekte, die sich weniger leicht in einem Werbebild zusammenfassen lassen. Um eine Schauspielleistung zu beurteilen, muss man betrachten, wie sie im Film funktioniert, und nicht nur, wie sehr sie ihrem Vorbild ähnelt.
Kampagnen, Dauerhaftigkeit und die Grenzen des Urteils anderer
Im August 2015 kritisierte Tarantino im Gespräch mit Lane Brown für Vulture schlechtes Kino, das auf die Oscars ausgerichtet ist, sowie dessen kulturelle Beständigkeit. Die Frage, wie lange Ansehen währt, sollte von einem Abstimmungsergebnis unterschieden werden. Ein Gewinn kann die Sichtbarkeit eines Werks erhöhen, entscheidet aber nicht endgültig darüber, wie es Jahrzehnte später wahrgenommen wird.
Eine Kampagne findet innerhalb eines Zeitplans und vor einer bestimmten Gruppe von Wahlberechtigten statt. Das filmische Gedächtnis verändert sich mit neuen Generationen, Restaurierungen, Wiederaufführungen und einem Wandel der Sensibilität. Ein Film kann bei seiner Premiere umstritten sein und später ein anderes Publikum finden. Er kann auch an Bedeutung verlieren, ohne dass dadurch die Gefühle, die er bei denjenigen ausgelöst hat, die ihn ausgezeichnet haben, unwahr werden.
Deshalb muss man bei der Rede von historischem Unrecht genau benennen, wessen Urteil gemeint ist. Dass ein von Tarantino bevorzugter Film nicht gewonnen hat, beweist nicht, dass er dieses Ergebnis öffentlich angeprangert hat. Eine Vorliebe für ein Werk und die ausdrückliche Kritik an einer Abstimmung sind unterschiedliche Aussagen. Man sollte Listen angeblicher Benachteiligungen nicht allein anhand seiner Ranglisten oder der Meinungen anderer Kritiker vervollständigen.
Dieselbe Vorsicht gilt für die Motive der Academy-Mitglieder. Ein Ergebnis zeigt, welche Nominierung ausgezeichnet wurde, gewährt aber keinen unmittelbaren Einblick in die Gründe jedes einzelnen Wahlberechtigten. Eine Niederlage auf Angst, Ressentiments oder kollektive Unfähigkeit zurückzuführen, erfordert Belege, die eine unterschiedliche Geschmacksentscheidung nicht liefert. Man kann deutlich widersprechen, ohne eine psychologische Erklärung für die Wählerschaft zu erfinden.
Tarantinos Haltung behält einen produktiven Widerspruch bei: Er wünscht sich Anerkennung für ein Schreiben, das seiner Darstellung nach von seinen eigenen Interessen geleitet wird, und misstraut einem Schaffen, das dem Preis untergeordnet ist. Leser können darüber streiten, ob diese Trennung in jedem Einzelfall Bestand hat. Sie müssen sich jedoch nicht zwischen dem Bild einer völligen Ablehnung und dem einer vollständigen Unterwerfung unter die Academy entscheiden. Seine Aussagen lassen ein wettbewerbsorientiertes, kritisches und wechselhaftes Verhältnis erkennen, das stets in konkreten Gesprächen und zu bestimmten Zeitpunkten verortet ist.
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