Once Upon a Time... in Hollywood verbindet Radiopop mit dichterem Rock. Dieser Kontrast lässt dieselbe Stadt von einer hellen, unbeschwerten Fahrt in eine Nacht übergehen, in der Klänge auf andere Weise schwer wiegen.
Eine Musikstadt gehört nicht nur einem einzigen Genre
Der Soundtrack von Once Upon a Time... in Hollywood vereint Aufnahmen aus den Sechzigern mit unterschiedlichen Stilrichtungen. Das Veröffentlichungsdatum macht einen Song nicht automatisch zu psychedelischem Rock, und der Klang einer Gitarre allein reicht nicht aus, um ihn als Garage-Rock einzuordnen. Der Film stellt ein vielfältiges Programm zusammen, das einem Radioerlebnis nahekommt, in dem verschiedene Repertoires und Publika nebeneinander bestehen.
Hush in der Version von Deep Purple und You Keep Me Hangin’ On, interpretiert von Vanilla Fudge, zeigen eine intensivere Seite der Klanglandschaft. Beide Versionen haben eine eigene Identität und dürfen nicht mit den Aufnahmen der früheren Autoren oder Interpreten dieser Songs verwechselt werden. Das Arrangement verändert die Beziehung zu einer Komposition, die aus einem anderen Zusammenhang bekannt sein kann.
Die Dichte der Orgel, der beharrliche Rhythmus und die kraftvolle Stimme können das Hörerlebnis an Formen des psychedelischen Rocks oder des aufkommenden Hardrocks heranführen. Diese Kategorien überschneiden sich historisch, sind aber nicht dasselbe. Die Analyse wird präziser, wenn sie beschreibt, was an einer Aufnahme hervorsticht und wie sie in der Szene funktioniert, statt das gesamte Repertoire von 1969 als psychedelisch zu bezeichnen.
Vanilla Fudge und die Umgestaltung des Höhepunkts
You Keep Me Hangin’ On gewinnt im letzten gewalttätigen Abschnitt entscheidend an Präsenz. Die Version von Vanilla Fudge dehnt einen Song, der auch in einer ganz anderen Interpretation von The Supremes bekannt ist, und lädt ihn mit Spannung auf. Tarantino wählt genau diese konkrete Version – nicht eine abstrakte Melodie, die mit jeder beliebigen Interpretation dieselbe Wirkung erzielen würde.
Die Musik begleitet eine Situation, in der Cliffs Wahrnehmung verändert ist und der Zuschauer eine Bedrohung erkennt, die er auf seine ganz eigene Weise erlebt. Daraus sollte man nicht schließen, dass jedes Klangmittel wortwörtlich das wiedergibt, was die Figur unter dem Einfluss einer Substanz hört. Der Film kann ihre Erfahrung, das objektive Geschehen und eine musikalische Gestaltung für das Publikum miteinander verbinden.
Die Intensität des Songs bedeutet auch nicht einfach Freude. Seine Wiederholungen und Kontraste können Unruhe, Beharrlichkeit und ein Gefühl des Überbordens vermitteln. Gewalt muss hier nicht auf dieselbe Weise einer unschuldigen Oberfläche gegenüberstehen wie in anderen Beispielen aus Tarantinos Werk. Die Musik kann den Druck einer Szene erhöhen, die die Alltagsnormalität bereits hinter sich gelassen hat.
Das historische Wissen des Zuschauers fügt eine weitere Ebene hinzu. Der Film hat seine Ereignisse in die Nähe einer realen Tragödie gerückt, doch das Ende schlägt einen Weg der alternativen Fiktion ein. Der Song trägt zu dieser Richtungsänderung bei, ohne ihre Bedeutung allein zu erklären. Die Wirkung hängt von der zuvor aufgebauten Erwartung ab und vom Unterschied zwischen dem, was man befürchtet, und dem, was schließlich geschieht.
Die Wahl einer langen, kontrastreichen Version bietet dem Schnitt Passagen des Wartens und der Entladung. Damit ein Zusammenhang entsteht, muss nicht jede musikalische Veränderung mit einem Schlag zusammenfallen. Die Szene kann eine anhaltende Spannung nutzen und einzelne Handlungen davor umso abrupter wirken lassen.
Die Autofahrten mit dem Radio bewahren eine andere Energie
Während der Fahrten durch Los Angeles sorgen zahlreiche Songs für eine andere, leichtere Stimmung. Das Auto, die Werbespots und die Stimme des Moderators lassen einen Tag lebendig werden, der nicht sofort ganz auf das Verbrechen zuläuft. Der Soundtrack von Once Upon a Time... in Hollywoodräumt diesem gewöhnlichen Leben Platz ein, bevor das Publikum es auf das Schicksal seiner historischen Figuren reduziert.
Der Gegensatz zwischen Fahrten und Höhepunkt erfordert keine strikte Trennung zwischen unschuldigem Pop und düsterem Rock. In derselben Epoche gibt es beide Klangwelten und viele Zwischenbereiche. Der Film kann zwischen ihnen wechseln, um die Aufmerksamkeit zu lenken. Das macht ein Musikgenre jedoch weder zur Ursache der Gefahr noch zum moralischen Spiegel derjenigen, die es hören. Die Beziehungen zwischen Songs und Handlungen sind komplexer.
Das Radio verleiht Psychedelic und Rock eine gemeinschaftliche Dimension. Die Songs sind nicht immer persönliche Musikwünsche von Cliff oder Rick. Sie können Teil eines Programms sein, das beide hören und das die Stadt gemeinsam mit ihnen erlebt. Diese Quelle spricht dagegen, jeder Figur anhand all dessen, was während der Fahrt läuft, eine persönliche Vorliebenliste zuzuschreiben.
Die historische Auswahl ist auch keine lückenlose Rekonstruktion dessen, was ein Sender zu einer bestimmten Stunde ausgestrahlt hat. Der Film ordnet das Material so an, dass ein Zeitgefühl entsteht. Radioarchive sorgen für Textur und Glaubwürdigkeit, während der Schnitt Dauer, Nähe und Verhältnis zu den Bildern bestimmt. Das Gefühl alltäglicher Kontinuität ist eine filmische Gestaltung.
Der dichtere Rock in Once Upon a Time... in Hollywood ist wichtig, weil er in dieser vielfältigen Klangwelt auftaucht. Vanilla Fudge steht weder für das gesamte Jahrzehnt noch für die gesamte Filmmusik, sondern bietet eine bestimmte Form von Spannung für einen bestimmten Moment. Wer sie neben der Leichtigkeit anderer Fahrten hört, kann wahrnehmen, wie sich die Stadt im Laufe einer Nacht verändert, ohne die Songs zu einer umfassenden Erklärung der Geschichte zu machen, die der Film neu imaginiert.
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