Rick Dalton ist Teil einer Fiktion, die von realen Namen, Orten und Filmen umgeben ist. Seine Verbindungen zu anderen Werken Tarantinos funktionieren auf verschiedenen Ebenen: gemeinsame Marken, visuelle Anklänge und Spielereien mit dem Kino selbst.
Ein erfundener Schauspieler in einer erkennbaren Branche
Rick Dalton ist ein fiktiver Schauspieler, dessen Karriere im Hollywood des Jahres 1969 angesiedelt ist. Seine B-Western-Serie Bounty Law und die Figur Jake Cahill gehören zu seiner erfundenen Biografie. Einige Personen und Produktionen, mit denen der Film ihn in Verbindung bringt, gab es hingegen wirklich. Durch diese Mischung wirkt Rick wie ein Profi, der in einer bekannten Geschichte eine Nebenrolle hätte spielen können.
Bei dieser Mischung müssen die verschiedenen Fiktionsebenen auseinandergehalten werden. Ein realer Name im Dialog wird nicht dadurch zu einer Schöpfung Tarantinos, dass er neben Rick auftaucht. Sergio Corbucci, Antonio Margheriti und Sam Wanamaker waren reale Filmschaffende. Der Film kann eine Zusammenarbeit Daltons mit ihnen erfinden, ohne die Personen selbst zu erfinden. Sie als fiktive Regisseure zu bezeichnen, verkennt den Kunstgriff, der Ricks Karriere glaubwürdig erscheinen lässt.
Ausschnitte aus seinen Arbeiten ergeben ein scheinbares Archiv. Wir sehen Rick in verschiedenen Genres, Kulissen und Rollen auftreten, als würde der Film Material aus einer früheren Laufbahn wiederentdecken. So lassen sich sein Ruf und seine Angst vor dem Abstieg verstehen, ohne eine ganze Filmografie aufzuzählen. Das Publikum erkennt Vorbilder aus dem Fernsehen und dem Unterhaltungskino, auch wenn die mit der Figur verbundenen Titel Teil der Erzählung sind.
Das Profil von Rick Daltonvertieft diese berufliche Krise. Um seine Verbindungen zum Tarantino-Universum zu verstehen, ist entscheidend, dass Rick in einer Fiktion leben und darin weitere Fiktionen hervorbringen kann. Dadurch kann ein Verweis auf verschiedene Dinge hindeuten: Er kann Marken innerhalb der erzählten Welt verbinden, an einen Film des Regisseurs erinnern oder einfach einen historischen Stil nachahmen.
Red Apple verbindet die Filme durch eine wiedererkennbare Marke
Der Red-Apple-Werbespot, der im Zusammenhang mit dem Abspann zu sehen ist, stellt die deutlichste Verbindung zu einer wiederkehrenden Marke in Tarantinos Filmen her. Rick wirbt für die Zigaretten als Schauspieler und knüpft dabei an die Figur an, die er verkörpert. Das Produkt gehört zur Fiktion, doch sein Design und sein Name waren bereits in anderen Filmen zu sehen. Wer die Marke kennt, erkennt sofort die visuelle Kontinuität.
Der Werbespot sorgt für zusätzliche Komik, indem er den Abstand zwischen der Werbedarbietung und der Reaktion des Darstellers außerhalb der Werbung zeigt. Rick kann ein Produkt mit professioneller Begeisterung präsentieren und anschließend eine ganz andere Meinung dazu äußern. Dieser Wechsel führt ein zentrales Hollywood-Thema fort: Das Bild, das jemand verkauft, entspricht nicht unbedingt dem, was er empfindet, während er es erschafft.
Die Marke Red Applefungiert als Markenzeichen des Regisseurs und zugleich als Teil des Umfelds. Ihre Wiederholung lässt eine gemeinsame materielle Kultur zwischen den Geschichten entstehen – ähnlich wie eine Fast-Food-Kette oder ein Radiosender einer fiktiven Stadt Vertrautheit verleihen kann. Daraus folgt weder, dass alle Figuren, die das Produkt konsumieren, einander kennen, noch dass sich ihre Handlungsstränge kreuzen müssen.
Die Marke allein ergibt auch keine vollständig schlüssige Chronologie. Requisiten können an verschiedene Epochen und komische Bedürfnisse angepasst werden. Um ein Gründungsdatum, eine Muttergesellschaft oder eine detaillierte Unternehmensgeschichte zu behaupten, bräuchte man Informationen, die in der Erzählung auch belegt werden. Die Freude am Wiedererkennen funktioniert bestens, ohne jede Packung in ein historisches Dokument des erzählten Universums zu verwandeln.
Visuelle Anklänge, die keine Verwandtschaft belegen
Ricks Kriegsfilm, in dem er mit einem spektakulären Flammenwerferangriff auf Nazis zu sehen ist, kann an die revisionistische Gewalt von Inglourious Basterds erinnern. Die Ähnlichkeit lädt dazu ein, Bilder, Genres und Siegesfantasien miteinander zu vergleichen. Der Ausschnitt wird jedoch als ein Werk präsentiert, in dem Dalton mitspielt. Er beweist weder, dass Rick an den Ereignissen des anderen Films beteiligt war, noch dass wir eine geheime Fortsetzung mit dessen Figuren sehen.
Auch Darsteller tauchen in Tarantinos Filmografie wiederholt auf. Brad Pitt spielt Cliff Booth, nachdem er zuvor Aldo Raine verkörpert hatte; Leonardo DiCaprio war Calvin Candie, bevor er zu Rick wurde. Diese Wiederholungen gehören zur Besetzung und zur künstlerischen Zusammenarbeit. Die Ähnlichkeit, die durch denselben Schauspieler entsteht, reicht nicht aus, um eine Verwandtschaft zwischen Figuren zu begründen, die unterschiedlichen Zusammenhängen und Identitäten angehören.
Ricks Cineastentum und das der Menschen in seinem Umfeld schaffen eine weitere Art von Verbindung. Die Figuren erkennen Stilrichtungen, vergleichen Karrieren und sprechen darüber, was sie gesehen haben. Diese gemeinsame Filmkultur ähnelt derjenigen, die andere Gespräche in Tarantinos Filmen prägt. Die Kontinuität kann im Ton und in den Themen liegen, auch wenn kein Handlungselement zwei Geschichten ausdrücklich miteinander verbindet.
Die filmische Verbindung bleibt zudem asymmetrisch: Rick kann Filme aus der realen Welt kennen, während das Publikum einen Schauspieler wiedererkennt, der außerhalb dieser Fiktion nie existiert hat.
Rick erweitert das Universum des Regisseurs, weil er zeigt, wie Unterhaltung entsteht, die andere Figuren konsumieren könnten. Seine Western, Werbespots und Kriegsfilme stehen neben dem alltäglichen Los Angeles der Erzählung. Die spannendste Verbindung liegt in diesem Wechselspiel zwischen Leben, Arbeit und Bild: Eine wiederkehrende Marke kann sich durch mehrere Filme ziehen, während ein erfundener Schauspieler lernt, in einer von realen Verweisen geprägten Branche weiterzubestehen.
Zurück zum Leitfaden zu Once Upon a Time in... Hollywood.
