Rick Dalton: die Angst, in Hollywood niemand mehr zu sein

Rick Dalton hat ein Haus und ein Gesicht, das man wiedererkennt. Was er verliert, ist die Gewissheit, dass seine Karriere noch eine Zukunft hat.

Ein ehemaliger Star, der weiterhin arbeitet

Rick Dalton, gespielt von Leonardo DiCaprio, ist zu Beginn von Once Upon a Time... in Hollywood weder mittellos noch aus dem Beruf ausgestiegen. Er bekommt weiterhin Rollen, lebt in einem schönen Haus und genießt den Ruhm aus einer früheren Zeit. Seine Krise entsteht aus der Kluft zwischen diesen Umständen und seinem Selbstbild. Nachdem er einmal Hauptdarsteller war, schmerzt es besonders, als Gast aufzutreten und dabei dem Helden einer anderen Serie unterlegen zu sein.

Die fiktive Serie Bounty Law ist der Ursprung dieses Ansehens. Rick hatte im Mittelpunkt einer fortlaufenden Erzählung gestanden: Seine Figur war der Grund, warum das Publikum immer wieder einschaltete. Der Wechsel zu episodischen Rollen verändert seine Position vor der Kamera und gegenüber den Menschen, die ihn engagieren. Er kann weiterhin gute Arbeit leisten, hat aber die Kontrolle über den Rahmen verloren, in dem er auftritt.

Das Gespräch mit Marvin Schwarz bringt diese Angst auf den Punkt. Der Agent spricht nicht davon, dass Rick überhaupt keine Arbeit mehr bekommt, sondern davon, dass sich das Bild seiner Niederlage wiederholt. Rick nimmt diese Einschätzung auf, als hätte man ihm sein Verschwinden angekündigt. Seine Reaktion zeigt, wie sehr seine Identität auf öffentlicher Sichtbarkeit beruht: Wenn die Branche ihn in eine Nebenrolle drängt, hat er das Gefühl, als Mensch ebenfalls zur Nebenfigur zu werden.

Deshalb fasziniert ihn die Nähe zu Roman Polanski so sehr. Der Nachbar steht für einen möglichen Zugang zu einer neuen Ebene der Anerkennung. Rick macht aus ein paar Metern Straße eine imaginäre Chance. In einem Beruf, in dem Kontakte zählen, ist seine Hoffnung nicht unlogisch. Doch sie zeigt, wie sehr er ein äußeres Zeichen braucht, das seiner Vorstellung widerspricht, seine Zeit sei vorbei.

Die Unsicherheit wird zur Art, sich zu verhalten

DiCaprio zeichnet Rick durch ständige Wechsel. Er kann mit Überzeugung über seine Arbeit sprechen und kurz darauf in Tränen ausbrechen; er kann eine berufliche Chance verächtlich abtun und sie am Ende doch annehmen. Diese Widersprüchlichkeit verhindert, dass Rick wie ein einheitliches Bild vom abgehalfterten Star wirkt. Er ist stolz, eitel, talentiert und ängstlich – und je nach Situation tritt eine andere Mischung dieser Eigenschaften hervor.

Alkohol trägt dazu bei, dass sein Alltag aus dem Gleichgewicht gerät. Der Film bringt seine Exzesse mit Erschöpfung und Schwierigkeiten bei der Arbeit am Set in Verbindung. Es ist sinnvoll, dieses Verhalten zu beschreiben, ohne jeden Fehler zu einer klinischen Diagnose zu machen. Dramaturgisch entscheidend ist, dass Rick den Zusammenhang zwischen seinen Gewohnheiten und seiner Leistung erkennt, es ihm aber schwerfällt, daran etwas zu ändern. Zu wissen, was einem schadet, reicht nicht aus, um sich anders zu verhalten.

Ricks Ausraster in der Garderobe macht ein inneres Selbstgespräch nach außen sichtbar. Er beschimpft sich, bedroht sich selbst und dramatisiert sein Scheitern mit derselben Energie, die er auch einer Figur widmen könnte. Die Szene ist wegen ihrer Übertreibung komisch und wegen dessen, was sie offenbart, schmerzlich: Rick hat die berufliche Bewertung in eine persönliche Bestrafung verwandelt. Statt eine Einstellung zu verbessern, hat er das Gefühl, sein ganzes Leben beurteilen zu müssen.

Das Gespräch mit Trudi Fraser eröffnet eine andere Perspektive. Das Mädchen nimmt ihre Arbeit so ernst, dass Rick das wiedererkennt und seine üblichen Abwehrmechanismen verliert. Ihre spätere Anerkennung bedeutet ihm etwas, weil er sie als Urteil über seine gerade erbrachte Leistung versteht – nicht über seinen früheren Ruhm. Für einen Moment gewinnt er ein konkretes Gefühl für sein Handwerk zurück: Eine Darstellung kann heute funktionieren, auch wenn die Zukunft der Karriere ungewiss bleibt.

Freundschaft als Unterstützung und Abhängigkeit

Cliff ist zugleich Angestellter, Gefährte und emotionaler Halt. Er fährt Rick, kümmert sich um praktische Probleme und hört sich dessen Krisen an. Die Freundschaft zwischen Rick und Cliff ist herzlich, lässt aber die wirtschaftliche Ungleichheit nicht verschwinden. Der eine besitzt das Haus und bezahlt; der andere richtet einen großen Teil seines Alltags nach dessen Bedürfnissen aus. Der Film lässt die Zuneigung spürbar werden, ohne so zu tun, als hätten beide dieselbe Stellung.

Rick ist auf eine Stabilität angewiesen, die Cliff ihm bietet, die er selbst aber nicht herstellen kann. Cliffs Gelassenheit steht im Gegensatz zu Ricks Neigung, jedes Missgeschick zur Katastrophe zu machen. Das bedeutet nicht, dass Rick einfach schwach und Cliff unverwundbar wäre. Beide gehen unterschiedlich mit Unsicherheit um: Rick spricht sie aus und spielt sie durch; Cliff beschränkt sie meist auf eine unmittelbar zu erledigende Aufgabe.

Die berufliche Reise nach Italien zeigt, dass Rick sich noch anpassen kann, auch wenn er zunächst abwehrend reagiert. Die italienische Phase seiner fiktiven Karriere beseitigt weder seine Angst noch verwandelt sie sein Ansehen automatisch. Sie ermöglicht ihm, weiterzuarbeiten und an eine berufliche Kontinuität anzuknüpfen. Der Unterschied zwischen beruflichem Überleben und dem Erfolgsbild, dem er nachjagt, bleibt bestehen.

Sein Handlungsbogen ist interessanter, wenn man ihn nicht als endgültige Erlösung zusammenfasst. Rick erlebt Momente, in denen er sein Können zeigt, erfährt Zuneigung und findet neue Möglichkeiten, erhält aber keine Garantie für den Rest seines Lebens. Der Film begleitet einen Schauspieler, der wieder an die Arbeit selbst glauben muss. Unter dem früheren Ruhm und den Star-Allüren gibt es weiterhin einen Menschen, der auf eine Anweisung hören, eine Einstellung wiederholen und stolz darauf sein kann, sie gut hinbekommen zu haben.

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