Steve McQueen auf der Party: Was er erzählt und was er nicht weiß

Steve McQueen aus Once Upon a Time... in Hollywood taucht auf einer Party auf und erklärt die Beziehungen, die er beobachtet. Seine Selbstsicherheit und sein kurzes persönliches Geständnis machen daraus eine kleine Szene der Ernüchterung.

Ein echter Star in einem erfundenen Gespräch

Damian Lewis spielt Steve McQueen bei der Feier in der Playboy-Villa. Sein Auftritt macht eine wichtige Figur des damaligen Hollywood erkennbar, ohne sie zur Hauptfigur zu machen. Tarantino nutzt den Bekanntheitsgrad des Namens und eine prägnante körperliche Präsenz, um anzudeuten, dass die Welt des Films über Rick Dalton hinaus weitergeht. Es gibt Stars, deren Stellung ebenso gefestigt zu sein scheint, wie Rick sie zu erreichen fürchtet.

McQueen beobachtet Sharon Tate, Roman Polanski und Jay Sebring und erklärt seiner Gesprächspartnerin, wie die drei zueinanderstehen. Sein Kommentar stellt Jay als früheren Lebensgefährten Sharons dar, der ihr weiterhin nahesteht, und Polanski als ihren Ehemann. Diese Information hilft zu verstehen, warum die drei auf der Party zusammen sein können, ohne dass ihre Nähe automatisch als geheime Beziehung gedeutet werden muss.

Die Worte stammen jedoch von einer für den Film geschriebenen Figur. Sie sind weder ein historisches Interview mit McQueen noch ein Beleg dafür, dass er diese Ansichten im wirklichen Leben tatsächlich vertreten hat. Die Szene verbindet Personen, die es wirklich gab, mit einem dramatisierten Gespräch. Diese Unterscheidung bewahrt davor, einen für die Handlung nützlichen Auftritt als dokumentarisches Zeugnis über private Gefühle zu missverstehen.

Auch die Selbstsicherheit, mit der er spricht, gehört zur Figurenzeichnung. Er scheint die Regeln dieses Kreises zu kennen und vorherzusehen, wie sich dessen Mitglieder verhalten werden. Der Film verleiht ihm eine spürbare gesellschaftliche Autorität, aber keine erwiesene Allwissenheit. Seine Worte können dem Publikum Orientierung geben und zugleich die Grenzen eines Mannes zeigen, der die Wünsche anderer von außen deutet.

Der Beobachter wird schließlich selbst Teil seines Kommentars

Die kleine Wendung der Szene kommt, als McQueen einräumt, dass auch er Sharon nicht so nahekommen konnte, wie er es sich gewünscht hätte. Seine Erklärung klingt nun nicht mehr völlig distanziert. Der Mann, der die Chancen eines anderen scheinbar kühl beurteilt hat, offenbart eine eigene Enttäuschung. Die Informationen über Jay und Polanski erhalten dadurch einen Unterton von Identifikation, Rivalität oder Resignation, den das Publikum wahrnehmen kann, ohne ihn eindeutig festlegen zu müssen.

Damian Lewis erzielt diese Wirkung durch Zurückhaltung. Der Auftritt braucht weder eine gefühlvolle Rede noch einen sichtbaren Verlust der Fassung. Der Gegensatz zwischen dem öffentlichen Bild eines selbstsicheren Stars und dem Eingeständnis eines unerwiderten Wunsches sorgt für Humor. Die Figur bleibt präsent, verliert aber für einen Moment die privilegierte Position, aus der heraus sie scheinbar alle anderen erklärt hat.

Diese Verletzlichkeit steht mit einem allgemeinen Thema des Films in Verbindung: Beruflicher Erfolg garantiert weder, dass man kontrollieren kann, wie andere einen sehen, noch, dass man alles bekommt, was man sich wünscht. Rick erlebt diese Unsicherheit auf umfassende und schmerzhafte Weise; bei McQueen tritt sie in einem kurzen Satz zutage. Der unterschiedliche Maßstab lässt ihre Karrieren nicht gleichsetzen, macht aber eine gemeinsame menschliche Verletzlichkeit hinter sehr unterschiedlichen Star-Images erkennbar.

Das Gespräch vermittelt auch einen männlichen Blick auf Sharon. Für einen Moment wird sie zum Gegenstand einer Erklärung, die von den Männern geprägt ist, die sie begehren oder umgeben. Dieser Blick erschöpft die Figur jedoch nicht. Später zeigt der Film sie dabei, wie sie handelt und Freude empfindet, ohne dass McQueen anwesend ist, um ihre Gefühle zu deuten. Der Kommentar ist als eine Teilperspektive innerhalb eines umfassenderen Porträts zu verstehen.

Die Party als Schnittpunkt öffentlicher Bilder

Auf der Feier in der Playboy-Villanimmt McQueen eine andere Rolle ein als Sharon. Sie ist durch Tanz und Bewegung Teil des Geschehens; er wird mit Beobachten und Sprechen verbunden. Der Schnitt lässt beide Ausdrucksformen nebeneinander bestehen. Geselligkeit kann ein körperliches Vergnügen sein, aber auch ein Austausch von Gerüchten, Geschichten und Einschätzungen über jene, die sich auf der anderen Seite des Gartens befinden.

Der Unterschied bereitet den Kontrast zu Sharon Tate sieht sich Rollkommando im Kino anvor. Dort richtet sich das Interesse darauf, was sie hört und empfindet, als sie die Reaktion des Publikums erlebt. Die Schauspielerin ist nicht länger nur Mittelpunkt eines Gesprächs über Liebesbeziehungen, sondern wird zur Zuschauerin ihrer eigenen Arbeit. Die beiden Szenen eröffnen unterschiedliche Zugänge zu ihrer Präsenz in Hollywood.

McQueen gehört außerdem zur Erinnerung an die Actionhelden, die Rick umgibt, dessen Karriere jedoch fiktiv ist. Sein Werdegang macht den möglichen Aufstieg vom Fernsehen zum Kino greifbar. Der Film kann ihn als Sinnbild des Erfolgs verwenden, ohne zu behaupten, Rick sei ein verkapptes Porträt McQueens oder all seine Erlebnisse entsprächen der Biografie eines einzelnen Stars.

Der kurze Gastauftritt erfüllt seinen Zweck. McQueen kommt herein, deutet den sozialen Kreis und lässt eine persönliche Bemerkung fallen, die seine Autorität verändert. Der Film muss dafür nicht seine gesamte Filmografie erklären. Die Szene arbeitet mit dem, was ein berühmtes Gesicht verspricht, und mit dem, was ein kurzes Geständnis hinter diesem Versprechen sichtbar macht.

So entsteht ein Auftritt mit Charakter. Das Publikum erfährt etwas über Sharon, Jay und Polanski, lernt aber auch, einer allzu selbstsicheren Deutung fremder Gefühle zu misstrauen. McQueen kann viel über die Party wissen und trotzdem von dem ausgeschlossen bleiben, was er sich wünscht. Diese Distanz macht seinen Auftritt zu einer kleinen Variation des Hollywood-Themas: Erkannt zu werden bedeutet nicht, sich vollständig zugehörig zu fühlen.

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