Der Look von Once Upon a Time... in Hollywood geht weder auf ein einziges altes Objektiv noch auf einen Goldfilter zurück. Robert Richardson und seine Mitarbeiter entwickelten ein System aus Formaten, Beleuchtung und Farbe, das den Alltag von den Bildern unterscheidet, die sich die Figuren erschaffen.
Das Negativ und das Hauptbildformat
Die Haupthandlung von Once Upon a Time... in Hollywood wurde anamorphotisch auf 35-mm-Film mit einem Breitbild-Seitenverhältnis von 2,39:1 gedreht. Robert Richardson verwendete hauptsächlich Kodak-Vision3-Negativfilm 500T 5219 und 200T 5213. Für die Schwarz-Weiß-Fernsehnachstellungen kamen Double-X 5222 und sphärische Objektive zum Einsatz. Diese Angaben beschreiben eine Produktion mit mehreren visuellen Registern, deren Look sich nicht auf eine einzige, durchgehend angewandte Textur reduzieren lässt.
Das Breitbildformat ermöglicht es, Figuren und Landschaft innerhalb desselben Bildes anzuordnen. Bei den Fahrten durch Los Angeles bleibt die Umgebung rund um das Auto oder die Figur sichtbar. Die Stadt wird nicht immer auf einen unscharfen Hintergrund reduziert: Schilder, Verkehr und andere gleichzeitig stattfindende Vorgänge können ebenfalls ins Bild rücken. Diese Weite begünstigt eine betrachtende Wahrnehmung, die Zeit braucht, um den Bildausschnitt visuell zu erkunden.
Auch in den häuslichen Szenen kann die Breite Abstände zwischen Menschen zeigen, ohne sie zwangsläufig durch Schnitte voneinander zu trennen. Zwei Figuren können sich ein Bild teilen und dennoch unterschiedliche emotionale Positionen einnehmen. Die Kameraarbeit nutzt dann Körper, Möbel und Lichtbereiche, um die Aufmerksamkeit zu lenken. Das Filmmaterial zeichnet die Szene auf, doch die dramatische Beziehung beruht auf Entscheidungen zu Positionierung und Bildgestaltung, die keine Emulsion von sich aus hervorbringt.
Die Wechsel zu Fernsehen, Werbung und anderen Formaten helfen, verschiedene Darstellungsebenen zu erkennen. Das Publikum wechselt von der Welt, in der Rick arbeitet, zu einem Bild, das Teil seiner Karriere ist. Der visuelle Unterschied gibt einen unmittelbaren Hinweis, auch wenn der Film mitunter erst später erklärt, was wir gerade sehen. Das Formatsystem ermöglicht dieses Spiel, ohne dass die gesamte Erzählung an Zusammenhalt verliert.
Nicht alle Objektive waren alt
Das Team kombinierte Panavision-Objektive der C-, E- und T-Serie. Die ersten beiden gehören älteren Generationen an, während die T-Serie 2017 eingeführt und für den Einsatz mit Filmkameras angepasst wurde. Es wäre daher falsch, den Dreh als ausschließlich mit Objektiven aus den Sechzigerjahren aufgenommen zu beschreiben. Bei der Suche nach einem zeittypischen Look kamen auch moderne Werkzeuge zum Einsatz, wenn sie für eine bestimmte Einstellung die gewünschte Wirkung boten.
Objektive beeinflussen, wie Licht, Kontrast und Raum dargestellt werden, doch ihre Wirkung hängt von den Einsatzbedingungen ab. Eine starke Lichtquelle im Bild kann je nach Objektiv unterschiedliche Reflexionen erzeugen; bei einem kurzen Aufnahmeabstand ist eine bestimmte Naheinstellgrenze erforderlich. Die Auswahl muss einem konkreten Bild dienen. Das Alter eines Objektivs allein reicht nicht aus, um zu erklären, warum eine Szene warm, intim oder bedrohlich wirkt.
Richardson und der Kameraassistent Gregor Tavenner führten Tests durch, um die verschiedenen Objektivfamilien zu vergleichen. Dan Sasaki wirkte an ihrer Vorbereitung mit, und Yvan Lucas unterstützte die Farbgestaltung und überwachte die digitale Endbearbeitung. Panavision dokumentiert dieses Zusammenspiel verschiedener Fachgebiete. Das endgültige Bild ist das Ergebnis koordinierter Arbeit, bei der die Wahl des Objektivs mit Belichtung, Beleuchtung, Entwicklung und Nachbearbeitung zusammenspielen muss.
Eine digitale Endbearbeitung widerspricht auch nicht dem fotochemischen Ursprung des Bildes. Auf Filmnegativ zu drehen und anschließend einen digitalen Abzug anzupassen, sind miteinander vereinbare Arbeitsschritte. Tarantinos Plädoyer für Zelluloid lässt sich besser verstehen, wenn man das Aufnahmemedium von den anschließenden Arbeitsschritten unterscheidet. In diesem Film bedeutet die Vorliebe für Film nicht, dass in jeder Phase des Prozesses auf digitale Werkzeuge verzichtet wird.
Farbe, Licht und eine Stadt, deren Stimmung sich wandeln kann
Der Eindruck von Farbfülle hängt auch davon ab, was sich vor der Kamera befindet. Der nachgebaute Hollywood Boulevard bietet Oberflächen, Schilder und Fahrzeuge; die Kostüme bringen Farben in die Nähe der Gesichter; die Beleuchtung bestimmt, wie sie miteinander wirken. Eine zeittypische Farbpalette erfordert die Abstimmung verschiedener Abteilungen. Die Kamera zeichnet diese Beziehungen auf, kann aber nicht allein ein Dekor oder einen Stoff zurückholen, dessen materielle Präsenz einer anderen visuellen Welt angehört.
Die hellen Außenaufnahmen lassen den Film weit und unbeschwert wirken. Die Figuren durchqueren Straßen, die bewohnbar erscheinen, selbst wenn sie von großen Sorgen geplagt werden. Das Licht dient nicht nur dazu, die Handlung zeitlich einzuordnen: Es schafft eine emotionale Beziehung zu Orten, an denen gearbeitet, spaziert und nach Hause zurückgekehrt wird. Diese einladende Landschaft trägt dazu bei, dass die spätere Bedrohung wie ein Einbruch in ein bereits vertrautes Leben wirkt.
Die Nacht bringt eine andere Bildordnung mit sich. Dichtere Schwarztöne können das Sichtbare begrenzen und dafür sorgen, dass ein Gesicht, ein Fenster oder ein Schild die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Aufleuchten der Neonlichter verwandelt die Stadt für einen Moment und bewahrt dabei ihre Schönheit, ohne die Unruhe aufzulösen. Der Film kann die Freude an einer beleuchteten Stadt zeigen und sich zugleich Ereignissen nähern, die dem Publikum Angst machen. Die Farbe trägt zu dieser Ambivalenz bei.
Der Beitrag von Robert Richardson zeigt sich besonders in der Vielfalt der Situationen, die dennoch von einer gemeinsamen Identität geprägt sind. Die Dreharbeiten zu Lancer, der Besuch auf der Ranch, der Kinosaal und die nächtlichen Fahrten werden nicht mit austauschbarer Beleuchtung inszeniert. Jeder Ort verändert die Aufmerksamkeit und die emotionale Stimmung. Die Kameraarbeit erschafft durch konkrete Entscheidungen eine wiedererkennbare Vergangenheit und lässt in ihr zugleich Humor, Erholung, Arbeit und Gefahr zu, ohne sie auf eine einheitliche Postkartenansicht zu beschränken.
Weitere Hintergründe finden Sie im Guide zu Once Upon a Time... in Hollywood.
