Zelluloid, Fernsehen und Werbung in Once Upon a Time in Hollywood

Once Upon a Time in Hollywood verbindet die Panoramaaufnahmen seiner Figuren mit Serien, Werbespots und Filmen, die zu ihrem Berufsalltag gehören. Wechselnde Texturen und Formate lassen die unterschiedlichen Bildschirme erkennen, die ihr Leben prägen.

Eine Stadt voller Bilder, die im Umlauf sind

Rick Dalton lebt davon, in Bildern aufzutauchen, die andere Menschen zu Hause oder im Kino sehen. Der Film führt diese Beziehung gleich zu Beginn ein: In einem Fernsehinterview lernt man den Schauspieler und sein Double kennen. Das Publikum sieht eine Vorstellung, die für ein anderes Publikum innerhalb der Filmhandlung inszeniert wurde. Fragen, Bildausschnitt und Auftreten der Interviewten gehören zu einem vertrauten Format der professionellen Eigenwerbung.

Dieser Auftakt legt eine Regel fest, die sich durch den ganzen Film zieht: Bilder können ihre Funktion wechseln, ohne dass die Figuren darin verschwinden. Rick kann ein Mann sein, der sich um seine Karriere sorgt, der Hauptdarsteller einer alten Serie oder ein Schauspieler, der bei einem neuen Dreh versucht, sich an einen Satz zu erinnern. Bildtextur und Seitenverhältnis helfen dabei, diese Räume auseinanderzuhalten – auch wenn der Film manche Enthüllungen bewusst hinauszögert.

Für die Haupthandlung kommt überwiegend anamorphotisches 35-mm-Filmmaterial zum Einsatz, während bestimmte Fernsehbilder in Schwarz-Weiß und mit einem Bildausschnitt nach dem Vorbild damaliger Fernseher nachgestellt sind. Daneben gibt es Material in kleineren Formaten. Diese dokumentierte Vielfalt macht deutlich, dass die Hommage keine einheitliche Nostalgieoberfläche ist. Der Film bringt verschiedene Arten der Aufzeichnung, Präsentation und Nutzung von Bildern zusammen, die jeweils mit einer konkreten Situation verknüpft sind.

Es geht um mehr als darum, dass das Filmkorn alt aussieht. Ein Vorspann weckt Erwartungen an eine Serie; ein Interview verkauft eine Persönlichkeit; ein Werbespot macht einen Schauspieler zum Fürsprecher eines Produkts. Der Film erkennt diese Funktionen und bindet sie in das Erleben seiner Figuren ein. Hollywood erscheint als eine Industrie, die nicht nur fiktionale Szenen produziert, sondern auch dafür sorgt, dass das Publikum sich an Darsteller erinnert und sie wiedererkennt.

Das Fernsehen bewahrt Ricks Bild – und schränkt es ein

Bounty Law lässt Rick als erkennbaren Helden weiterleben, obwohl sich seine berufliche Stellung verändert hat. Das Fernsehmaterial bewahrt eine Version von ihm, die unabhängig von seiner Gegenwart weiter verbreitet wird. Das kann nützlich sein, weil es ihm Bekanntheit verschafft, bindet ihn aber auch an einen Figurentyp, aus dem er nur schwer ausbrechen kann. Der heimische Bildschirm hält einen Erfolg lebendig, der ihm den nächsten Auftrag längst nicht mehr sichert.

Als Rick und Cliff einen seiner Auftritte im Fernsehen sehen, zeigt der Film außerdem eine Form beruflicher Kameradschaft. Beide kennen die Arbeit, die hinter dem Bild steckt, und können sich am Ergebnis erfreuen. Das Gerät ist kein neutrales Fenster zu einer fernen Welt: Es zeigt den Figuren etwas zurück, an dessen Entstehung sie selbst mitgewirkt haben. In dieser häuslichen Szene treffen Freizeit, Stolz und die Einschätzung des eigenen Handwerks aufeinander.

Die nachgestellten Werbespots erweitern diese Beziehung zur öffentlichen Aufmerksamkeit. Im Red-Apple-Werbespot muss Rick mit Stimme und Gesichtsausdruck die fiktive Marke verkaufen. Der Gegensatz zwischen seinem Werbeauftritt und seiner Reaktion außerhalb des Spots macht die Anstrengung sichtbar. Ein bekanntes Gesicht vermittelt nicht allein dadurch ein spontanes Gefühl, dass es in die Kamera blickt; es kann eine Aufgabe erfüllen, zu der es ein zwiespältiges Verhältnis hat.

Dabei sollte man zwischen den veröffentlichten Filmfassungen und dem zusätzlichen Material unterscheiden. Der Werbespot, der mit Ricks Credits verbunden ist, ist nicht mit allen fiktiven Werbespots gleichzusetzen, die für das Projekt gedreht wurden. Weitere Segmente erschienen als Extras oder im Zusammenhang mit einer Wiederaufführung. Würde man sie ohne diesen Unterschied zusammenführen, entstünde ein imaginärer Film, in dem sämtliches Material Teil derselben Schnittfassung wäre. Die Fernseh-Hommage findet auch außerhalb des Spielfilms statt, doch jedes Stück hat seine eigene Präsentationsform.

Das Trägermaterial ist Teil der Erinnerung an die Arbeit

Die Kameraarbeit in Once Upon a Time in Hollywood lässt diese Materialien aufeinander bezogen wirken, ohne sie gleich aussehen zu lassen. Ein verändertes Seitenverhältnis kann den Eindruck erwecken, dass wir eine Fernsehausstrahlung oder einen Ausschnitt aus einem anderen Werk sehen. Die Rückkehr zum Hauptbildformat gibt dem Lebensraum von Rick, Cliff und Sharon wieder Weite. Die visuellen Unterschiede ordnen verschiedene Darstellungsebenen, denen das Publikum auch ohne Kenntnisse über Kameras oder Filmmaterial folgen kann.

Die Verwendung von Zelluloid bedeutet auch nicht, dass der Film ohne digitale Verfahren auskommt. Die Produktionsdokumentation beschreibt eine Arbeitsweise, die Negativfilm, Kopien und digitale Nachbearbeitung kombiniert. Dieses Zusammenspiel ist wichtig, um Tarantinos Plädoyer für Zelluloid zu verstehen, ohne daraus einen Mythos technischer Reinheit zu machen. Die Wahl des Trägermaterials bringt eine ästhetische und berufliche Vorliebe zum Ausdruck; sie schließt spätere Werkzeuge für Schnitt, Farbkorrektur oder Komposition nicht automatisch aus.

Der Film unterscheidet auch zwischen dem Betrachten eines Bildes und der Zugehörigkeit zu ihm. Sharon geht ins Kino und sieht sich ihre eigene Arbeit gemeinsam mit Zuschauern an, die auf ihre Darstellung reagieren. Rick ist darauf angewiesen, dass andere sein Gesicht weiterhin erkennen. Cliff wirkt an der Herstellung von Bildern mit, in denen er nur selten als Star erscheint. Die unterschiedlichen Trägermaterialien und Bildschirme machen sichtbar, wie ungleich die Anerkennung innerhalb derselben Industrie verteilt ist.

So erhält die Hommage eine konkrete berufliche Dimension. Vorspänne, Werbespots und Fernsehausschnitte erinnern daran, dass Kino und Fernsehen durch Darstellungen, Wiederholungen, Formate und Verbreitung entstehen. Das Zelluloid verleiht dieser Welt eine Textur, doch die Menschen geben ihr ihren Konflikt. Rick kann für immer als Serienheld erhalten bleiben und zugleich den nächsten Tag fürchten: Das Bild bleibt bestehen, während seine Karriere weiterhin Aufträge finden muss.

Weitere Hintergründe bietet der Guide zu Once Upon a Time in Hollywood.