Sharon Tates Kostüme: Weiß, Schwarz und Gelb in Bewegung

Sharon Tates Kostüme verbinden biografische Recherche mit fiktionalen Entscheidungen. Der weiße Minirock und der schwarze Pullover beim Kinobesuch sind vom gelben Outfit zu unterscheiden, das sie auf der Party in der Playboy-Mansion trägt.

Zwei Outfits, die man auseinanderhalten sollte

Beim Kinobesuch trägt Sharon Tate einen weißen Minirock, einen schwarzen Rollkragenpullover und weiße Stiefel. Der Rock in dieser Szene ist nicht gelb. Gelb ist ein anderes auffälliges Outfit, das sie auf der Party in der Playboy-Mansion trägt. Die beiden Looks getrennt zu betrachten, macht deutlich, wie der Film Sharon in unterschiedlichen Situationen zeigt, ohne ihre gesamte Garderobe auf ein einziges Werbebild zu reduzieren.

Arianne Phillips erklärte, dass sie sich für das schwarz-weiße Outfit von Fotografien Tates inspirieren ließ. Die Kostümdesignerin arbeitete außerdem mit Debra Tate, der Schwester der Schauspielerin, zusammen und konnte Kleidungsstücke und familiäre Erinnerungsstücke kennenlernen. Diese Recherche bietet eine konkrete Grundlage, bedeutet aber nicht, dass jede Szene einen historischen Tag exakt nachstellt. Die Kostüme nutzen Quellenmaterial, um innerhalb der von Tarantino gestalteten Situationen eine filmische Präsenz zu schaffen.

Der Kontrast zwischen dem dunklen Pullover und den hellen Kleidungsstücken lässt die Figur gut zur Geltung kommen, während Sharon durch Westwood geht. Die Silhouette kombiniert ein relativ geschlossenes Oberteil mit der Leichtigkeit des Minirocks. Die Stiefel betonen optisch die Bewegung der Beine und verorten das Outfit in einer unverkennbaren Mode der Sechzigerjahre. Die Kleidung verleiht dem Spaziergang eine eigene Energie, noch bevor die Figur den Kinosaal betritt.

Die Szene, in der Sharon The Wrecking Crew sieht verändert anschließend, wie wir diese Kleidungsstücke wahrnehmen. Als sie sich hinsetzt und es sich bequem macht, wird aus der öffentlichen Person eine Zuschauerin, die sich an den Reaktionen anderer erfreut. Das Outfit bleibt unverkennbar, doch sie trägt es mit einer anderen, intimeren Selbstverständlichkeit. Der Film legt Wert auf diesen Wechsel der Haltung: Eine Schauspielerin kann ihre eigene Arbeit betrachten, ohne ständig eine gesellschaftliche Präsentationspose einzunehmen.

Das Gelb auf der Party und die Erinnerung an Ossie Clark

Das gelbe Outfit für die Party ist ein Vintage-Kleidungsstück von Ossie Clark, das für den Film ausgewählt wurde. Phillips stellte klar, dass es Sharon Tate nicht gehört hatte. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Der Designer gehörte zu den Stilreferenzen der Schauspielerin, doch die Herkunft eines bestimmten Kleidungsstücks sollte nicht erfunden werden, um den Eindruck von Authentizität zu verstärken. Die Wahl verbindet historische Affinität mit der Passform für Margot Robbie.

Bei ihrer Ankunft auf der Party trägt sie einen langen Mantel, der von einem Pythonfellmantel inspiriert ist, den Tate einmal getragen hatte. Für den Film wurde eine Nachbildung aus Kunstmaterial angefertigt. Mantel und darunter getragenes Outfit sorgen für einen sichtbaren Wandel, als Sharon den Mantel auszieht. Die längere, umhüllende Außenschicht gibt eine strahlende Figur frei, die sich auf der Feier ungezwungen bewegen und tanzen kann.

Das Gelb erfüllt hier eine andere Funktion als das Schwarz und Weiß beim Spaziergang. In einer gemeinschaftlichen Szene, in der Musik und Tanz die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wirkt es warm und offen. Dafür muss man der Farbe keine allgemeingültige Bedeutung zuschreiben. Ihre Wirkung hängt von der Beleuchtung, den Menschen um Sharon herum und davon ab, wie sich Robbie zwischen ihnen bewegt.

Die Kleidung trägt auch dazu bei, die Figur als jemanden zu zeigen, der Freude empfindet. Der Film verweilt bei ihrem Tanz, ihrer Neugier und ihren Beziehungen, während das historische Wissen des Publikums diese Bilder mit einer drohenden Gefahr aufladen kann. Die Kostüme lösen diese Spannung nicht auf, tragen aber dazu bei, dass Sharon auf der Leinwand ein gegenwärtiges Leben hat. Das Gelb gehört zunächst zu einer bestimmten Party, bevor es zu einer Erinnerung wird, die mit dem Schicksal eines realen Menschen verbunden ist.

Eine Person recherchieren und eine Figur gestalten

Der Umgang mit der historischen Sharon Tate und ihrer Darstellung erfordert Sorgfalt, denn die Fotografien eines Stars können den Eindruck vermitteln, man kenne die Person bereits. Kleidungsstücke geben Aufschluss über Vorlieben, Proportionen und Zusammenhänge, enthalten aber keine vollständige Persönlichkeit. Phillips und Robbie nutzen solche Referenzen als Grundlage für ihre Interpretation. Das Ergebnis kann an Tate erinnern, ohne zu beanspruchen, direkten Zugang zu jedem Gedanken oder Gefühl zu haben, das sie im Laufe ihres Lebens empfand.

Die Figur Sharon drückt sich in vielen Szenen eher durch Bewegungen und Reaktionen als durch lange Dialoge aus. Die Kostüme helfen dabei, zwischen Ausgehen, Tanzen, Entspannen und Arbeiten zu unterscheiden. Ein Outfit für eine Party schafft eine andere Beziehung zum Körper als Kleidung für einen Tag in der Stadt. Diese Unterschiede verleihen einer Person, die sonst auf ein unbewegliches ikonisches Bild hätte reduziert werden können, alltägliche Tiefe.

Die Kameraarbeit ergänzt diese Gestaltung durch das Licht auf Stoffen, Haut und Farben. Das Weiß der Stiefel, das Schwarz des Pullovers und das Gelb des Outfits stehen nicht losgelöst von Innenräumen und Straßen. Der Film fügt sie in eine Stadt aus leuchtenden Oberflächen und tiefen Schatten ein. Durch die Zusammenarbeit wird die Kleidung sichtbar, ohne jeden Auftritt Sharons zu einer eigenständigen Modenschau zu machen.

Die Kostüme als Ausdruck von Identität funktionieren hier am besten, wenn zwischen Referenz, Nachbildung und originalem Kleidungsstück aus der Zeit unterschieden wird. Das Outfit von Ossie Clark wurde für den Film gefunden, der Mantel nachgebildet und die schwarz-weiße Kombination anhand dokumentierter Vorlagen gestaltet. So entsteht Kontinuität, ohne dass alles aus Tates tatsächlichem Kleiderschrank stammen muss. Die Liebe zum Detail lässt die Arbeit von Phillips würdigen und bewahrt zugleich Sharon als eine Person, die sich bewegt, beobachtet und innerhalb der Fiktion Freude empfindet.

Weitere Hintergründe in unserem Leitfaden zu Once Upon a Time in Hollywood.