Der größte Teil des Frankreichs in Inglourious Basterds wurde in Deutschland gebaut und gefilmt. Die Drehorte verteilen sich auf Studios, umgestaltete Räume und einen bekannten Schauplatz in Paris – ohne mit der Landkarte der Filmhandlung übereinzustimmen.
Babelsberg als Produktionszentrum
Inglourious Basterds wurde hauptsächlich in Deutschland gedreht, mit dem Studio Babelsberg als Produktionszentrum. Außerdem kamen Drehorte in Paris zum Einsatz. Mitteilungen des Studios selbst verorten die Arbeiten auf dem Studiogelände sowie in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Diese Verteilung räumt mit einem ersten Missverständnis auf: Nur weil sich die Figuren in Frankreich befinden, heißt das nicht, dass die Kameras während des Großteils der Szenen dort waren. Der dargestellte Ort und der Drehort gehören zu unterschiedlichen Landkarten.
Babelsberg liegt in Potsdam in Brandenburg, nahe Berlin. Es einfach als Berliner Studio zu bezeichnen, mag als grobe Orientierung verständlich sein, ist geografisch aber nicht exakt. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man Szenen bestimmten Anlagen zuordnet. Im Studio konnten Innenräume gebaut werden, die Kontinuität, Platz für die Kamera und kontrollierte Arbeitsbedingungen für längere Sequenzen bieten mussten. Das sind andere Anforderungen als bei einem Außendreh, für den ein passender Ort gesucht wird.
Die Innenräume von LaPadites Bauernhof, La Louisiane und dem Kino wurden im Studio gebaut. Man sollte nicht nach ihnen suchen, als wären es drei unverändert erhaltene historische Gebäude. Ein Set kann Merkmale realer Orte, visuelle Vorbilder und Anforderungen der Inszenierung vereinen. Dass ein Ort auf der Leinwand zu sehen ist, bedeutet jedoch nicht, dass es eine öffentliche Adresse gibt, die man besuchen kann. Insbesondere ist Le Gamaar ein fiktiver Saal; seine filmische Kontinuität bedeutet nicht, dass von Anfang bis Ende ein einziges Gebäude verwendet wurde.
Beim Bau von Innenräumen lassen sich auch einzelne Teile desselben Raums voneinander trennen. Eine Fassade, eine Treppe und ein Saal können unter unterschiedlichen Bedingungen gedreht und im Schnitt zusammengefügt werden. Für das Publikum entsteht ein zusammenhängender Weg, weil die räumlichen Bezüge, das Licht und die Gestaltung aufeinander abgestimmt bleiben. Diese Kontinuität ist das Ergebnis der Produktion. Orte, die im Film scheinbar physisch miteinander verbunden sind, müssen in der Realität nicht alle direkt ineinander übergehen.
Der Bauernhof und die deutschen Drehorte
Die Dreharbeiten begannen in Sachsen, in der Gegend um Bad Schandau nahe der tschechischen Grenze. Als Landschaftsdrehort für den Bauernhof wurde die Umgebung von Sebnitz-Hertigswalde identifiziert. Diese regionale Verortung muss man von der französischen Lage unterscheiden, die die Handlung LaPadites Haus zuschreibt. In der Sequenz dient die Landschaft dazu, eine allmähliche Annäherung zu inszenieren: Die Gruppe kommt aus der Ferne näher, während das Haus ihrem Vorrücken ausgesetzt ist.
Die Kameraarbeit für die Anfangsszene verband Dreharbeiten am Originalschauplatz mit Studioaufnahmen. Robert Richardson erklärte, dass die Lichtkontinuität zwischen den beiden Orten gewahrt werden musste. Das ist aufschlussreicher, als sich vorzustellen, das ganze Gespräch sei in einem einzigen, unversehrten Haus gedreht worden. Die Kamera kann einen durchgängigen Innenraum zeigen, obwohl die Einstellungen unter unterschiedlichen Drehbedingungen entstanden sind – vorausgesetzt, das Team behält die Orientierungspunkte bei, an denen sich das Publikum orientiert.
Fort Hahneberg in Berlin-Spandau ist ein weiterer dokumentierter Drehort. Seine Räume werden mit den Szenen der Basterds und ihrer Gefangenen in Verbindung gebracht. Mauern, Bewuchs und Militärarchitektur lassen sich in die Filmhandlung integrieren, ohne den Ort unter seinem tatsächlichen Namen zu zeigen. Dass eine Festung existiert, bedeutet nicht, dass der Film ihre Geschichte erzählt. Die Dreharbeiten nutzen die materiellen Eigenschaften des Ortes und machen daraus einen anderen erzählerischen Raum.
Auch Außenbereiche und Gebäude in der Region dienten als Kulissen für Zugänge und Umgebungen, die später durch Sets ergänzt wurden. So macht etwa die Identifizierung einer Fassade von La Louisiane deren tatsächliches Inneres noch nicht zum vollständigen Kellerraum des Feuergefechts. Diese Unterscheidung zwischen Außen- und Innenaufnahmen ist besonders hilfreich, wenn man Drehortkarten zu Rate zieht. Sie ermöglicht es, einen Drehort zu würdigen, ohne ihm sämtliche Handlungen zuzuschreiben, die der Schnitt hinter seiner Tür verortet.
Paris und der Unterschied zwischen einem Drehort und einem Besuch
Das Bistrot La Renaissance in der Rue Championnet 112 in Paris ist als Drehort dokumentiert. Es ist mit der Begegnung verbunden, bei der Shosanna liest und Zoller wieder auf sie zugeht. Die Ausstattung vermittelt eine durchgehende zeitgenössische Atmosphäre, die sich die Kamera zunutze machen kann. Das Bistro ist weder mit sämtlichen Restaurantszenen des Films gleichzusetzen noch ein Beleg dafür, dass der ganze Pariser Handlungsabschnitt in der französischen Hauptstadt gedreht wurde.
Das echte Lokal zeigt eine weitere Möglichkeit neben dem Studiobau. Ein bestehender Raum kann Oberflächen, Proportionen und über die Zeit angesammelte Details bieten, die das Team durch die Wahl des Bildausschnitts nutzt. Das Bild ist dennoch keine neutrale Wiedergabe des Lokals. Die Positionierung von Darstellern, Gegenständen und Kamera schafft einen bestimmten dramatischen Ort. Wer das Café wiedererkennt, kann den Raum vergleichen; daraus folgt aber nicht, dass alle sichtbaren Elemente zur üblichen Einrichtung gehörten.
Die Zugangsbedingungen zu einem Drehort gelten heute und lassen sich nicht daraus ableiten, dass dort 2008 gedreht wurde. Ein Studio kann weiterhin in Betrieb sein, ein Gelände in Privatbesitz und ein Gebäude inzwischen anders genutzt werden. Deshalb verspricht diese Übersicht weder Rundgänge noch Innenbesichtigungen oder den Erhalt von Filmkulissen. Die Dokumentation der Dreharbeiten beantwortet die Frage, wo gefilmt wurde; für einen Besuch muss man die aktuelle Situation jedes Ortes unabhängig überprüfen.
Die belegbare Drehortkarte umfasst also ein Produktionszentrum in Babelsberg, Drehorte in mehreren deutschen Regionen und Arbeiten in Paris. Durch Ausstattung, Kameraarbeit und Schnitt verwandelt der Film diese Orte in ein stimmiges, besetztes Frankreich. Wer diesen Wandel versteht, kann die Szenen verorten, ohne eine reale Adresse mit einem fiktiven Raum zu verwechseln oder anzunehmen, ein Saal, ein Bauernhof oder eine Taverne sei noch so zugänglich, wie er auf der Leinwand erscheint.
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