Das Accessoire, das Shosanna im Kino bei ihrer täglichen Arbeit trägt, lässt sich am besten als Schiebermütze beschreiben. Ihre Form und ihr Bezug zur Arbeit sind wichtiger als eine ungenaue modische Bezeichnung.
Das Kleidungsstück bestimmen, bevor man es interpretiert
Das Kleidungsstück, das Shosanna in den Alltagsszenen bei der Arbeit trägt, ist eine weiche Schirmmütze, die dem als Newsboy Cap oder Zeitungsjungenmütze bekannten Modell ähnelt. Sie entspricht nicht der typischen Silhouette eines Fedora-Huts, der eine ausgeprägte Krone und eine rundum verlaufende Krempe hat. Wer die beiden verwechselt, beschreibt das Kostüm schon falsch, bevor die Analyse überhaupt beginnt.
Um diesen Unterschied zu erkennen, muss man weder die Marke noch den genauen Stoff des Filmkostüms kennen. Anhand der sichtbaren Form lässt sich eine Mütze von einem Hut mit Krempe unterscheiden. Einen Hersteller, eine Artikelnummer oder die Faserzusammensetzung zu bestimmen, erfordert dagegen zusätzliche Belege. Ähnliche Kleidungsstücke, die zur Nachbildung eines Outfits verkauft werden, belegen nichts über das Original.
Außerdem muss die Mütze dem richtigen Moment zugeordnet werden. Das alltägliche Accessoire gehört zu Shosannas Erscheinungsbild, wenn sie sich um das Kino kümmert. Der Hut mit Schleier am Premierenabend ist für einen anderen Anlass und eine andere Inszenierung gedacht. Es handelt sich nicht um austauschbare Varianten desselben Kleidungsstücks: Der Film setzt sie in unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen ein.
Eine Betreiberin, die auch arbeitet
Wenn Shosanna bei Aufgaben außerhalb des Kinos zu sehen ist, wird sie nicht als Gast einer Veranstaltung dargestellt. Ihre Kleidung passt zu einer praktischen Tätigkeit. Die Mütze unterstreicht ihre zweckmäßige Silhouette und lässt das Publikum sie als jemanden erkennen, der sich um den Betrieb kümmert. Das Kino ist ihr Arbeitsplatz, bevor es zum Schauplatz einer Gala wird.
Die Mütze kann einen Teil der Stirn bedecken und einen Schatten über die Augen werfen, macht die Trägerin aber nicht unsichtbar. Zoller bemerkt sie trotz ihrer Kleidung. Deshalb wäre es übertrieben zu behaupten, sie diene als wirksame Verkleidung, um jegliche männliche Aufmerksamkeit zu vermeiden. Die Szene zeigt gerade die Grenzen eines solchen Versuchs, unbemerkt zu bleiben.
In Shosanna Dreyfus ist auch die alltägliche Identität eine notwendige Konstruktion, um zu überleben. Ihr Erscheinungsbild ist Teil des Lebens, das sie unter einem anderen Namen führt, doch eine Mütze allein erklärt diese Identität nicht. Ihre Arbeitshandlungen, ihre Art zu antworten und ihre Beziehung zum Gebäude ergänzen das Bild. Das Accessoire erhält seine Bedeutung erst in diesem Zusammenhang.
Dass die Mütze aus einer Tradition der Arbeitskleidung stammt, ermöglicht eine weniger feierliche Lesart der Figur. Dadurch wird sie nicht automatisch zu einem politischen Symbol, und es lässt sich der Kostümbildnerin kein Manifest zuschreiben, das sie nicht formuliert hat. Die präziseste Beobachtung ist, dass die Szene Shosanna nicht als Star darstellt, der darauf vorbereitet ist, bewundert zu werden.
Der Kontrast zum Premierenabend
Die Vorbereitung auf die Gala macht den Unterschied zwischen den beiden Erscheinungsbildern deutlicher. Im Alltag begleitet die Mütze ihre Aufgaben und Bewegungen. Bei der Premiere fügt sich das Styling von Gesicht und Haaren in ein bewusst gestaltetes Bild, mit dem sie andere empfängt. Der Wechsel bedeutet nicht, dass eine der beiden Shosannas falsch und die andere echt ist: Er zeigt, dass jede Situation eine andere Präsentation erfordert.
Dies ist ein konkretes Beispiel für Kostüm als Ausdruck der Figurenidentität. Kleidung lässt gesellschaftliche Rollen und Tätigkeiten erkennen, bevor sie im Dialog näher erläutert werden. Sie kann sich auch verändern, ohne dass die Figur dadurch unkenntlich wird. Laurents Interpretation bewahrt die Kontinuität zwischen der arbeitenden Betreiberin und der Gastgeberin, die sich auf den Abend vorbereitet.
Das entscheidende Merkmal, an das man sich bei dieser Kopfbedeckung erinnern sollte, ist daher ihre Form als Mütze und ihr Bezug zur Arbeit im Kino. Sie als Fedora zu bezeichnen, weckt eine visuelle Assoziation, die nicht dem entspricht, was zu sehen ist. Eine präzise Beschreibung lenkt den Blick auf ihre tatsächliche Funktion, ohne sie zu einem Luxusobjekt, einer verborgenen Marke oder einem Symbol zu machen, das der Film nicht vorgibt.
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