Zoller spricht Shosanna an, während sie an der Fassade ihres Kinos arbeitet. Das Gespräch dreht sich um Filme und macht deutlich, dass er eine Distanz nicht akzeptieren will.
Die Begegnung findet vor dem Kino statt
Das erste Gespräch zwischen Shosanna und Fredrick Zoller in Inglourious Basterds dreht sich nicht um einen Kastanienkauf. Er trifft sie bei der Arbeit vor ihrem Kino an und nimmt das Programm zum Anlass, sie anzusprechen. Die vermeintliche Kastanienszene bietet keine verlässliche Grundlage, um den Beginn ihrer Beziehung zu deuten. Im Mittelpunkt der Begegnung steht das Kino: Sie betreibt es, er gibt sich als Filmfan zu erkennen, und beide tauschen Verweise auf Filme aus.
Schon die Position der beiden macht einen Unterschied deutlich. Shosanna ist beschäftigt und hat eine konkrete Aufgabe. Zoller kann stehen bleiben, sie betrachten und das Gespräch in die Länge ziehen. Was für ihn wie eine angenehme Gelegenheit wirkt, ist für sie eine Unterbrechung. Das Gespräch beginnt also nicht zwischen zwei Menschen, die gleichermaßen offen dafür sind, einander kennenzulernen. Noch bevor der Ruhm des Soldaten die Situation verändert, zeigt der Film dieses Ungleichgewicht.
Wichtig ist auch, dass das Publikum einen Teil von Shosannas Vergangenheit kennt, von dem Zoller nichts weiß. Die deutsche Uniform bedeutet ihr etwas, das sie nicht erklären kann, ohne sich zu gefährden. Ihre Zurückhaltung braucht weder eine romantische Rechtfertigung noch die vermeintliche Erklärung, sie sei schüchtern: Ein Gespräch mit einem Angehörigen der Besatzungsarmee gefährdet die Trennung zwischen ihrer öffentlichen Identität und dem früheren Leben, das sie verborgen hält.
Über Filme zu sprechen bedeutet nicht, dieselbe Haltung zu teilen
Zoller versucht, über einen gemeinsamen Geschmack Nähe herzustellen. Das Gespräch erlaubt ihm, sich wie ein junger Kinogänger zu verhalten, statt sich ausschließlich als Soldat zu präsentieren. Sein Interesse am Kino kann aufrichtig sein und zugleich nicht ausreichen, um die Bedeutung seiner Anwesenheit auszulöschen. Die Szene zwingt nicht dazu, zwischen einem völlig verstellten Filmfan und einem unschuldigen Verehrer zu wählen. Beide Seiten können in seinem Verhalten nebeneinander bestehen.
Shosanna antwortet aus einer anderen Position heraus. Zu ihrem Kino gehören Arbeit, Verantwortung und eine Identität, die sie vor anderen aufrechterhalten muss. Ihre knappen Antworten setzen eine Grenze. Sie ist nicht verpflichtet, aus einer kulturellen Gemeinsamkeit eine persönliche Einladung zu machen. Die Begegnung wirkt anders, wenn man darauf achtet, was sie tut, um sie zu beenden, statt sie nur aus der Erwartungshaltung des Mannes zu betrachten, der auf sie zugeht.
Daniel Brühls Darstellung nutzt das freundliche Auftreten des Soldaten. Zoller versucht, zugänglich zu wirken, und stellt nicht seinen militärischen Ruhm in den Vordergrund. Dadurch wird die Uneinigkeit noch unangenehmer: Shosannas Zurückweisung stößt nicht auf gleichwertige Akzeptanz. Freundlichkeit kann ein Gespräch am Laufen halten, das die andere Person beenden möchte. Diese erste Begegnung deutet ein Problem mit Fredrick Zoller an, ohne dass es schon zu einer offenen Konfrontation kommt.
Eine von der Besatzung geprägte Beziehung
Die Szene stellt das Kino auch nicht als einen vollständig von der Politik abgeschirmten Zufluchtsort dar. Filme bieten einen Anlass für das Gespräch, doch die Besatzung ist in der Uniform, auf der Straße und in Shosannas begrenztem Handlungsspielraum präsent. Dass sie ein Geschäft hat, bedeutet nicht, dass sie jedem Besucher mit derselben Sicherheit begegnen kann. Ihre alltägliche Unabhängigkeit geht mit einer Verletzlichkeit einher, die der Soldat nicht wahrnimmt.
Die spätere Begegnung im Café verrät mehr über Zollers öffentliche Stellung. Die beiden Momente sollten getrennt betrachtet werden: Beim ersten Annäherungsversuch dienen die Fassade und das Gespräch über Filme als Aufhänger; beim nächsten erfahren wir mehr über seinen Ruhm. Werden sie zu einer imaginären Szene mit einem Spaziergang und Kastanien vermischt, erscheint sein Beharren wie ein viel gegenseitigeres Werben, als ihre Antworten erkennen lassen.
Für Shosanna Dreyfus geht es nicht darum, einen hinreichend interessanten Verehrer zu finden. Sie muss selbst bestimmen können, wer in ihr Leben tritt und welche Folgen das hat. Ihre knappen Antworten, ihre Konzentration auf die Arbeit und ihre mangelnde Begeisterung sind Teil dieser Abwehr. Das gemeinsame Interesse an Filmen überwindet die Distanz zwischen ihnen nicht: Es schafft den Raum, in dem diese Distanz erstmals sichtbar wird.
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