Donny Donowitz: der Bärenjude, sein Baseballschläger und die Inszenierung der Angst

Donny Donowitz tritt mit einem Spitznamen und einem Geräusch auf den Plan. Der Film macht das Warten auf seinen Auftritt zu einem Teil der Bedrohung, die die Bastarde unter ihren Feinden verbreiten wollen.

Eine Figur, die vorgestellt wird, bevor man ihr Gesicht sieht

Donny Donowitz, gespielt von Eli Roth, gehört zu Aldo Raines Kommando und ist als der Bärenjude bekannt. Sein erster großer Auftritt dreht sich um einen Ruf, der ihm bereits vorauseilt. Bevor man sieht, was er kann, hört das Publikum, wie andere über ihn sprechen, und beobachtet die Reaktionen derer, die den Spitznamen kennen. Die Bedrohung existiert zunächst als Erzählung, bevor sie körperlich greifbar wird.

Das Warten am Tunnelausgang macht aus einer einfachen Bewegung einen theatralischen Auftritt. Das Schlagen des Baseballschlägers gegen die Oberfläche kündigt an, dass sich jemand nähert, ohne schon alle visuellen Informationen preiszugeben. Dieser Zwischenraum lässt eine größere Kraft erahnen, als die konkrete Person, die schließlich erscheint. Als Donny ins Licht tritt, enthüllt der Film den Mann hinter einer Legende, die durch Angst und Wiederholung geschaffen wurde.

Der Spitzname entmenschlicht in zweierlei Hinsicht. Für die Deutschen kann er den Feind in ein Wesen verwandeln, dessen Ruf die tatsächlichen Begegnungen übersteigt. Für die Bastarde ist er ein Erkennungszeichen, das körperliche Stärke mit einer ausdrücklich beanspruchten jüdischen Identität verbindet – als Gegenposition zum nationalsozialistischen Antisemitismus. So tritt die Figur in einen Bilderkrieg ein, in dem auch Namen der Einschüchterung dienen.

Roth stellt Donny während der gesamten Szene nicht als schweigsame Figur dar. Sein Verhalten wechselt zwischen Konzentration, Kraft und Begeisterung für das Spektakel. Dieser Wechsel ist wichtig, weil er die Erwartung eines feierlich ernsten Vollstreckers durchbricht. Die Brutalität wird von Gesten begleitet, die an eine Sportveranstaltung erinnern. Dadurch entsteht ein anderes Unbehagen als bei einer Hinrichtung, die ausschließlich mit Schwere inszeniert würde.

Der Baseballschläger als Werkzeug, Emblem und zweckentfremdeter Alltagsgegenstand

Der Baseballschläger unterscheidet sich von den Militärwaffen in seiner Umgebung. Durch seine Verbindung mit dem Baseball erkennt man ihn sofort als Gegenstand aus dem Sport, doch der Film verändert seine Verwendung radikal. Eine ausführliche technische Erklärung ist nicht nötig: Seine Form, die Art, wie er gehalten wird, und der Platz, den man zum Schwingen braucht, machen die Bedrohung verständlich, noch bevor der Schlag erfolgt.

Diese Wahl rückt die Gewalt in körperliche Nähe. Eine Schusswaffe kann aus der Ferne töten; der Baseballschläger erfordert Nähe und eine sichtbare Bewegung des Körpers. Die Inszenierung betont diese Nähe, damit Donny nicht bloß ein weiterer schießender Soldat ist. Seine Identität innerhalb der Gruppe hängt davon ab, wie er seine Kraft auf besondere Weise einsetzt – und welche Erwartung diese Art des Handelns weckt.

Der sportliche Kontext zeigt sich erneut in seinem Verhalten und in der Sprache, mit der er die Aggression vor seinen Kameraden zur Darbietung macht. Der Film verbindet so zwei Arten von Publikum: diejenigen, die eine sportliche Leistung betrachten, und diejenigen, die Gewalt gegen einen Feind bejubeln. Dieser Zusammenhang lässt sich analysieren, ohne die Inszenierung als moralische Handlungsanweisung an das Publikum zu verstehen. Die Szene kann Befriedigung, Abscheu oder beides zugleich auslösen.

Bei den Beschriftungen auf dem Requisit ist Genauigkeit wichtig. Dass es Drehbuchfassungen mit Einzelheiten zu Donnys Vorgeschichte gibt, bedeutet nicht automatisch, dass jedes schriftlich festgehaltene Detail in der veröffentlichten Schnittfassung zu sehen ist. Auch ein schwer lesbares Foto reicht nicht aus, um Namen oder Widmungen zu transkribieren. Die erzählerische Funktion des Baseballschlägers lässt sich erklären, ohne ihm einen konkreten, am verwendeten Gegenstand nicht nachgewiesenen Text zuzuschreiben.

Vom angekündigten Henker zum Beteiligten am Anschlag

Innerhalb des Kommandos ist Donny eine Form des Drucks, auf die Raine verweisen kann. Die verbale Drohung des Leutnants und die seinem Kameraden zugeschriebene Stärke ergänzen einander: Der eine nennt die Alternative, der andere verkörpert, was geschieht, wenn der Gefangene sich weigert. Das erschöpft Donnys Identität nicht, erklärt aber, warum sein Ruf nützlich ist, selbst wenn er nicht im Mittelpunkt eines Gesprächs steht.

Bei der Operation im Kino bewegt er sich in einem anderen Umfeld. Er muss sich in Schale werfen, eine ausländische Identität annehmen und sich in einem Milieu höflicher Vorstellungen bewegen. Die Gewalt, die ihn ausmacht, verschwindet nicht, bleibt aber vorübergehend hinter gesellschaftlichen Umgangsformen verborgen. Wie unangenehm diese Tarnung ist, zeigt den Unterschied zwischen einem Schrecken im Wald und einem glaubwürdigen Gast bei einer Feier.

Beim Anschlag ist er an einer mit Omar Ulmer koordinierten Aktion beteiligt. Der Film lässt ihn nun nicht mehr auf seinen individuellen Auftritt warten: Seine Bewegung ist in den Ablauf des Plans und in die Montage mehrerer gleichzeitiger Aktionen eingebunden. So wandelt sich die Figur vom Spektakel, das die Gruppe beobachtet, zu einem Akteur an einem Ort, an dem er selbst das Spektakel des Regimes unterbricht.

Durch diese Wandlung wird die Beziehung zwischen Donny und dem Kino besonders bitter. Zuvor konnten seine Kameraden Gewalt als Unterhaltung behandeln; später bejubeln die Gäste der Premiere projizierte Gewalt, bis der Kinosaal sie nicht mehr schützt. Donny nimmt einen der Punkte ein, an denen beide Situationen zusammenlaufen. Seine Funktion besteht nicht darin, eine detaillierte Psychologie darzustellen, sondern sichtbar zu machen, wie ein Ruf, ein Körper und ein Gegenstand Angst in ein Spektakel verwandeln können.

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