Fredrick Zoller: Der Propagandaheld, der keine Zurückweisung akzeptiert

Fredrick Zoller kann schüchtern wirken, während ein ganzes System ihn wie einen Star behandelt. Diese Kombination lässt sein beharrliches Werben wie eine persönliche Geste erscheinen, obwohl es von der Macht der Besatzer gestützt wird.

Ein Soldat wird zum öffentlichen Aushängeschild

Fredrick Zoller, gespielt von Daniel Brühl, ist ein deutscher Scharfschütze, dessen militärische Leistung zur Filmpropaganda wird. Dem Film zufolge tötet er bei der Verteidigung einer Stellung etwa zweihundertfünfzig Gegner. Für seine dramatische Funktion ist nicht entscheidend, diese Zahl als historische Statistik zu behandeln, sondern zu verstehen, wie das Regime eine erzählte Heldentat nutzt, um eine bekannte und bewunderte Persönlichkeit zu schaffen.

In Stolz der Nation spielt Zoller sich selbst. Dadurch scheint die Distanz zwischen dem Helden und dem Schauspieler, der ihn darstellt, zu verschwinden. Sein Gesicht kann auf Plakaten verbreitet, auf der Leinwand gezeigt und dem Publikum anschließend als Echtheitsbeweis präsentiert werden. Der Film im Film nutzt diese Kontinuität, damit der Ruhm scheinbar unmittelbar auf dem Schlachtfeld entsteht.

Im Alltag zeigt sich jedoch, dass Ruhm eine andere Art von Arbeit erfordert als der Kampf. Zoller erhält Aufmerksamkeit, nimmt an Veranstaltungen teil und bewegt sich im Umfeld einflussreicher Personen. Seine Erfahrung wird zu einer Geschichte umgestaltet, über die andere verfügen können. Die Propagandamaschinerie belohnt ihn nicht nur: Sie bestimmt, wo er auftritt, wie er wahrgenommen wird und welchen öffentlichen Wert die Taten haben, von denen er erzählt.

Brühl bewahrt sich ein jugendliches Erscheinungsbild, das es weniger naheliegend macht, die Figur als Bedrohung zu lesen. Zoller kann angesichts des Lobes verlegen oder daran interessiert wirken, über Filme zu sprechen. Diese Darstellung ändert nichts an der Bedeutung seiner Uniform. Die Spannung entsteht daraus, dass das Publikum den Rahmen der Besatzung kennt, während die Figur sich so zu verhalten versucht, als könne persönliche Sympathie ihn außer Kraft setzen.

Sein beharrliches Werben um Shosanna und die Macht, die ihm dabei zur Verfügung steht

Seine Annäherungsversuche bei Shosanna Dreyfus stoßen auf Ablehnung, doch er akzeptiert diese nicht als endgültige Entscheidung. Er sucht sie weiter auf und nutzt die Möglichkeiten, die ihm seine Stellung bietet. Die Beziehung spielt sich nicht in einem neutralen Raum ab, in dem beide denselben Spielraum haben, zuzustimmen oder zu gehen. Sie lebt unter einer falschen Identität und kann ihm und dem Regime, das ihn feiert, gegenüber nicht frei alles sagen, was sie denkt.

Zoller scheint es zu schätzen, dass die junge Frau ihn nicht wie den Helden empfängt, den alle kennen. Dass sie ihn nicht bewundert, bietet ihm eine andere Erfahrung, wird aber zugleich zu etwas, das er ändern möchte. Der Film lässt sich so lesen, dass Zoller nur schwer akzeptieren kann, dass die Meinung eines anderen Menschen nicht von seinem Ansehen abhängt. Öffentliche Bescheidenheit und das Gefühl, Aufmerksamkeit verdient zu haben, können nebeneinander bestehen.

Die Verlegung der Premiere in Shosannas Kino zeigt diese Mischung aus Gefälligkeit und Druck. Aus Zollers Sicht lässt sich das als Gelegenheit darstellen, die er jemandem bietet, an dem er interessiert ist. Für sie bedeutet es, dass NS-Funktionäre in ihren Arbeitsplatz kommen und ihre Möglichkeiten noch weiter eingeschränkt werden. Die Initiative macht deutlich, dass sein persönlicher Wunsch über institutionelle Mittel verfügt, um das Leben der Person zu verändern, der er gefallen möchte.

Seine Nähe zu Goebbels macht diese Fähigkeit sichtbar. Zoller muss keinen direkten militärischen Befehl erteilen, damit seine Vorliebe Folgen hat. Er kann etwas anregen, andere überzeugen und sie dazu bringen, das gewünschte Ergebnis herbeizuführen. Die Figur macht eine Form von Zwang sichtbar, die sich höflich gibt: Die begünstigte Person hat nicht um den Gefallen gebeten und kann ihn auch nicht ablehnen, ohne die Gefahr abzuwägen.

Die Kluft zwischen dem eigenen Bild auf der Leinwand und dem Zusammenleben mit einem anderen Menschen

Während der Vorführung von Stolz der Nation ist Zollers Heldenbild von der begeisterten Reaktion der Zuschauer umgeben. Er selbst nimmt diese Darstellung nicht unbedingt ebenso gelassen auf. Der Film schafft eine Distanz zwischen dem Erleben von Gewalt und ihrer Verwandlung in Unterhaltung. Dieses Unbehagen macht die Figur komplexer, spricht sie aber nicht automatisch von ihren Taten oder ihrer Haltung frei.

Im Vorführraum wird er erneut mit einer persönlichen Grenze konfrontiert. Shosanna versucht, ihn von einem Raum fernzuhalten, den er betreten möchte. Seine Beharrlichkeit schlägt in Härte um und zeigt, was die vorherige Höflichkeit verschleiern konnte: Er erwartet, dass seine Stellung und seine Gefälligkeiten ihr gegenüber ihm ein Recht auf ihre Aufmerksamkeit verschaffen. Für ihn ist Zurückweisung keine Antwort mehr, die er respektieren müsste.

Die tödliche Konfrontation verwandelt die gesamte Beziehung rückwirkend nicht in eine Geschichte über eine enttäuschte Liebe. Zoller empfindet Anziehung, Shosanna Angst und Abscheu, und das Machtgefälle bleibt bestehen. Das kurze Mitgefühl, das sie angesichts eines verwundeten Körpers zeigen kann, gehört zu einem konkreten Moment; es bedeutet nicht, dass sie die Beziehung akzeptiert, die er ihr aufzuzwingen versucht hatte.

Zoller ist zwischen verschiedenen Selbstdarstellungen hin- und hergerissen: Soldat, Star, scheinbar zugänglicher junger Mann und jemand, der eine Grenze nicht ertragen kann. Der Film muss sich nicht für eine einzige entscheiden, um die anderen zu erklären. Seine Bedrohlichkeit wird gerade dadurch greifbarer, dass manches an seinem Verhalten angenehm wirken kann. Das Problem zeigt sich, wenn er glaubt, diese Eigenschaften, sein Ruhm oder seine Gefälligkeiten müssten einen anderen Menschen dazu verpflichten, seine Gefühle zu erwidern.

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