Inglourious Basterds mit dem Kino Jean Renoirs zu vergleichen, kann ein kritischer Ansatz sein. Zu behaupten, die Figuren zitierten Die große Illusion, erfordert andere Belege.
Ein Vergleich ist nicht gleichbedeutend mit einer Dialogzeile
In den Pariser Gesprächen wurde keine verifizierbare Erwähnung von Jean Renoir oder Die große Illusion gefunden, die es rechtfertigen würde, sie als explizites Zitat in Inglourious Basterds zu behandeln. Der Film enthält zahlreiche filmische Anspielungen, doch ihre Fülle berechtigt nicht dazu, aus thematischer Nähe weitere Titel hinzuzufügen. Um von einer konkreten Dialogzeile zu sprechen, müsste sie sich in einer bestimmten Fassung nachweisen lassen.
Auch das konsultierte Drehbuch bietet keine Grundlage, um einen vermeintlichen Dialog über Renoir zwischen Shosanna und Zoller zu rekonstruieren. Man sollte diesen Figuren keine Ansichten über einen realen Film zuschreiben, wenn die betreffende Passage nicht belegt ist. Genauigkeit ist hier besonders wichtig, weil ihre Gespräche durchaus konkrete Referenzen enthalten, deren Funktion davon abhängt, die Namen korrekt wiederzugeben.
Was Die große Illusion als Vergleich hergeben kann
Die große Illusion von Jean Renoir ist ein Film aus dem Jahr 1937, der die Beziehungen zwischen Gefangenen und Offizieren während des Ersten Weltkriegs schildert. Ein Vergleich mit Inglourious Basterds lässt sich anhand von Fragen zu Nationalität, Sprache, Hierarchie und Verbindungen zwischen Feinden anstellen. Ein solcher Vergleich ist die Leistung des Zuschauers oder des Kritikers – es sei denn, es gibt Belege dafür, dass der Regisseur ihn ausdrücklich gezogen hat.
Die Unterschiede sind ebenso wichtig wie die Gemeinsamkeiten. Eine allgemeine Verbindung zum Kriegsfilm macht die Erzählungen und ihre Darstellungen von Gewalt nicht gleichwertig. Renoirs Film als Referenz heranzuziehen, kann dabei helfen, eine Frage zu formulieren. Es sollte jedoch nicht dazu dienen, eine Einstellung für Einstellung nachweisbare Hommage zu konstruieren, die sich aus den Bildern nicht belegen lässt.
Auch reicht es nicht aus, dass beide Filme Figuren enthalten, die mehrere Sprachen sprechen können. Mehrsprachigkeit kann je nach Situation und Kontext unterschiedliche Funktionen erfüllen. Bei Tarantino kann eine bestimmte Sprechweise zu einem gefährlichen Identitätstest werden. Diese Beobachtung belegt für sich genommen keine konkrete Verbindung zu Renoir.
So lassen sich drei Arten von Beziehungen unterscheiden
Eine explizite Erwähnung liegt vor, wenn ein Name oder Titel tatsächlich im Dialog oder im Bild auftaucht. Für einen dokumentierten Einfluss braucht es Aussagen oder Materialien, die eine solche Verbindung den Verantwortlichen zuschreiben lassen. Ein kritischer Vergleich kann Ähnlichkeiten aufzeigen, ohne eine der beiden vorangehenden Behauptungen aufzustellen. Diese Ebenen schließen einander nicht aus, sind aber nicht austauschbar.
In diesem Fall lässt sich ein möglicher Vergleich vertreten, nicht aber die Behauptung eines belegten Zitats in einem Pariser Gespräch. Diese Grenze zu wahren, ermöglicht es, über Film zu sprechen, ohne aus einer plausiblen Assoziation eine falsche Dialogzeile zu machen. Renoir kann in der Filmanalyse eine Rolle spielen – das bedeutet nicht, dass seine Worte oder sein Name Teil der Gespräche der Figuren sind.
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