Inglourious Basterds und Ein Haufen verwegener Hunde: die Unterschiede

Quel maledetto treno blindato von Enzo G. Castellari wurde im englischsprachigen Raum als The Inglorious Bastards vertrieben. Tarantino griff diese Referenz für den Titel seines Films auf, entwickelte jedoch eine andere Geschichte und eine andere Struktur.

Die dokumentierte Verbindung beginnt beim Titel

Enzo G. Castellaris Film kam 1978 in die Kinos und ist in Deutschland unter dem Titel Ein Haufen verwegener Hunde bekannt. Sein englischer Verleihtitel, The Inglorious Bastards, ist die offensichtlichste Verbindung zu Inglourious Basterds, der 2009 von Quentin Tarantino in die Kinos gebracht wurde. Die abweichende Schreibweise des zweiten Titels hilft dabei, zwei Werke zu unterscheiden, die nicht dieselbe Geschichte erzählen.

In den Produktionsnotizen zu Tarantinos Film findet sich eine Aussage von Castellari, der ihn als eigenständiges Werk und nicht als Neuverfilmung seiner Handlung beschreibt. Tarantino erklärte bei einem Filmgespräch ebenfalls, dass ihn der Titel und die Tradition einer Gruppe von Männern auf einer Mission reizten. Diese Dokumentation erlaubt es, von Inspiration zu sprechen, ohne den Film von 1978 als eine Szene für Szene übernommene Drehbuchvorlage darzustellen.

Der Begriff Remake kann umgangssprachlich verwendet werden, um auf eine Hommage anzuspielen. Hier ist er jedoch ungenau, wenn damit eine Wiederholung der Handlung gemeint ist. Die Figuren Shosanna, Landa und Aldo sind keine direkten Entsprechungen von Figuren aus Castellaris Film. Ihre Konflikte und Funktionen gehören zu einer neuen Erzählkonstruktion.

Die Verbindung zu Enzo G. Castellariumfasst Tarantinos Bewunderung für dessen Kino und den Auftritt des italienischen Regisseurs in einer kleinen Rolle im Film von 2009. Diese sichtbare Anerkennung bestätigt den Dialog zwischen den Filmemachern, macht aber nicht automatisch jede Ähnlichkeit im Genre zu einer konkreten Übernahme.

Von der Gruppe entflohener Soldaten zu mehreren zusammenlaufenden Handlungssträngen

Ein Haufen verwegener Hunde begleitet eine Gruppe gefangener US-Soldaten, denen mitten im Krieg die Flucht gelingt und die in eine Mission verwickelt werden. Im Mittelpunkt steht ein Kriegsabenteuer mit Männern, die sich außerhalb der üblichen militärischen Disziplin bewegen. Die Handlung der Gruppe wird von der Action, wechselnden Situationen und einem Ziel rund um einen Zug bestimmt.

Auch Inglourious Basterds zeigt ein Kommando unkonventioneller Kämpfer, doch diese Gruppe bleibt nicht das einzige Zentrum der Erzählung. Der Film widmet einer verfolgten Familie einen ausführlichen Auftakt und entwickelt einen langen Handlungsstrang um Shosanna, ihre Identität in Paris und ihr Kino. Aldos Einheit teilt sich den Film mit einer Geschichte über Überleben und Rache, die nicht aus Castellaris Film stammt.

Die Kapitelstruktur verstärkt diesen Unterschied. Tarantino kann die Basterds eine Zeit lang aus dem Blick verlieren, um eine Begegnung zwischen Shosanna und Zoller oder eine Verhandlung mit Landa zu verfolgen. Die Aussicht auf eine militärische Mission bleibt bestehen, doch der Film verteilt die Aufmerksamkeit auf Figuren, die nicht immer von den Plänen der anderen wissen. Das Publikum muss Handlungsstränge zusammenführen, die sich teilweise unabhängig voneinander entwickeln.

Auch die Schauplätze bringen unterschiedliche Prioritäten zum Ausdruck. Die Zugreferenz verweist auf ein konkretes Ziel in einem Kriegsabenteuer. Bei Tarantino werden ein Bauernhof, eine Taverne und ein Kino zu Schauplätzen ausgedehnter Gespräche, in denen eine Identität auffliegen kann. Waffen spielen weiterhin eine Rolle, doch die Gefahr wächst oft schon, bevor sie eingesetzt werden.

Gemeinsames Genre, Finale und unterschiedliche Methoden

Beide Filme stehen im Dialog mit einer Tradition des Militärabenteuers, in der Figuren im Mittelpunkt stehen, die nicht dem Ideal des disziplinierten Vorzeigesoldaten entsprechen. Diese gemeinsame Grundlage macht verständlich, warum ein solcher Titel Tarantino reizen konnte. Die Verwandtschaft bedeutet nicht, dass die Ereignisse gleich ablaufen oder der Krieg auf dieselbe Weise dargestellt wird.

Der Film von 2009 baut einen großen Teil seiner Spannung um Sprachen, Akzente und soziale Rollen herum auf. Eine Person kann bewaffnet sein und dennoch auf eine Geste oder ein Wort angewiesen sein, um ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Diese Betonung des Schauspielens schafft eine Verbindung zum Kino innerhalb der Handlung selbst: Schauspieler, Kritiker und Zuschauer sind unmittelbar an der Operation beteiligt.

Tarantinos Finale nimmt eine explizite historische Veränderung vor, indem es die NS-Führung während einer Filmvorführung vernichtet. Die reale Geschichte wird zum Stoff einer Vergeltungsfantasie. Castellaris Film gehört zu einer anderen Art von Abenteuer und entwickelt keinen vergleichbaren Anschlag auf Hitlers Geschichte. Beide Filme als gleichartige Erzählungen darzustellen, würde einen ihrer deutlichsten Unterschiede verwischen.

Auch die Gewalt folgt unterschiedlichen Rhythmen. Tarantino lässt Gespräche und Wartezeiten lange andauern, damit eine kurze Explosion die Szene neu ordnet. Castellaris Abenteuer stützt sich auf eine Abfolge militärischer Zwischenfälle und Gruppenaktionen. Das sind hilfreiche Tendenzen für einen Vergleich, aber keine Regeln, nach denen jede Einstellung der beiden Werke gegensätzlich eingeordnet werden muss.

Der gemeinsame Titel eignet sich eher als Einladung, eine Tradition zu entdecken, denn als Versprechen, denselben Film mit anderen Schauspielern vorzufinden. Wer im Film von 1978 den direkten Ursprung von Landa, der Familie Dreyfus oder Shosannas Gesicht auf der Kinoleinwand sucht, wird ihn dort nicht finden. Was die beiden Werke verbindet, ist ein von ihren Urhebern anerkannter Dialog über Geschmack und Genre; was sie trennt, ist die konkrete Geschichte, die jeder Film erzählen will.

Weitere Hintergründe finden Sie im Leitfaden zu Inglourious Basterds.