Francesca Mondino: Wer für Goebbels dolmetscht und welche Rolle sie in der Szene spielt

Francesca Mondino gestaltet einen Teil des Gesprächs mit, in dem Shosanna auf Goebbels’ Umfeld trifft. Ihre Arbeit als Dolmetscherin macht aus einem Restauranttisch einen Ort, an dem Sprechen und Verstehen ungleich verteilte Privilegien sind.

Eine Vermittlerin innerhalb der Machtgruppe

Francesca Mondino, gespielt von Julie Dreyfus, ist mit dem Umfeld Joseph Goebbels’ verbunden und dolmetscht für ihn aus dem Französischen. Durch ihre Anwesenheit kann der hohe Funktionär mit Shosanna sprechen, ohne das Deutsche aufzugeben. Das Dolmetschen ist kein zusätzliches Detail einer ohnehin verständlichen Szene: Es bestimmt, wer antworten kann, wann eine Frage übertragen wird und wer warten muss, um sich beteiligen zu können. Obwohl Francesca nicht die Verhandlungen über das Kino führt, hält sie den sprachlichen Mechanismus aufrecht, der sie überhaupt erst ermöglicht.

Die Position der jungen Kinobesitzerin ist eine ganz andere. Shosanna kommt zu einer Gruppe, die bereits Beziehungen, Hierarchien und ein gemeinsames Ziel hat. Francesca ist in diese Geselligkeit eingebunden und kennt deren Gesprächsabläufe. Der Gegensatz zeigt sich darin, wie die beiden den Tisch einnehmen und mit welcher Selbstverständlichkeit Francesca sich einbringt. Die Besucherin muss erst herausfinden, was von ihr erwartet wird; die Dolmetscherin kennt den Ablauf des Treffens. Dieser Unterschied lässt sich untersuchen, ohne eine gemeinsame Vorgeschichte der beiden Frauen zu erfinden oder Francesca Wissen um Shosannas verborgene Identität zuzuschreiben.

Der Moment, in dem sich eine Übersetzung wegen einer alltäglichen Geste verzögert, sorgt für ein unangenehmes Lachen. Die Mitglieder der Gruppe können lachen und warten, weil sie sich nicht bedroht fühlen. Shosanna muss sich dem von ihnen vorgegebenen Tempo anpassen. Francescas ungezwungene Art trägt so zur Szene bei: Sie macht sichtbar, dass es für manche ein angenehmes Arbeitsessen ist, während für eine andere Person jede Frage Folgen haben kann. Derselbe Ort umfasst unvereinbare Erfahrungen, ohne dass jemand sie laut aussprechen muss.

Die in der Fiktion dargestellte Beziehung zu Goebbels gehört zur Handlung des Films. Der Schnitt enthält eine intime Anspielung, doch daraus lässt sich weder ableiten, dass Mondino eine historisch belegte Person war, noch darf diese Beziehung auf Julie Dreyfus übertragen werden. Ebenso wenig lässt sich daraus schließen, was die Figur für Goebbels empfindet. Für diese Analyse genügt es, ihre Nähe zum Minister und ihre berufliche Funktion gegenüber den anderen zu betrachten. Die Wirkung der Szene hängt nicht davon ab, ein Privatleben auszumalen, das der Film nur andeutet.

Dolmetschen ordnet auch den Gesprächsverlauf

In einem zweisprachigen Gespräch kann ein Satz zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen werden. Zunächst versteht ihn ein Teil der Tischrunde, danach hört ihn der andere. Tarantino nutzt diesen Unterschied, um die Reaktionen zeitlich zu staffeln und dem Publikum diejenigen zu zeigen, die noch nicht antworten können. Francesca verbindet die beiden Phasen. Ihr Einsatz fügt einer fortlaufenden Handlung kleine Unterbrechungen hinzu, als würde der Dialog durch ihre Stimme geschnitten, bevor der Bildschnitt einsetzt.

Das bedeutet nicht, dass sie das, was sie dolmetscht, absichtlich manipuliert. Der Film liefert keine ausreichende Grundlage für die Behauptung, sie verfälsche die Worte nach einem geheimen Plan. Die dramatische Wirkung entsteht aus ihrer Position und daraus, dass die Kommunikation über sie läuft. Zu unterscheiden ist zwischen einer Funktion, die der dominanten Gruppe zugutekommt, und einem vom Drehbuch vorgegebenen individuellen Täuschungsplan. Ersteres ist sichtbar; Letzteres würde Belege erfordern, die die Szene nicht liefert.

Ihre Anwesenheit trägt außerdem dazu bei, eine Autorität zu charakterisieren, die Kultur in Verwaltung verwandelt. Das Gespräch über den Kinosaal und die Premiere erreicht Shosanna durch Vermittler, berufliche Erwägungen und Entscheidungen, die als selbstverständlich dargestellt werden. Francesca fügt sich in dieses Klima eleganter Effizienz ein. Für die Untersuchung des politischen Gehalts dieser Entscheidungen ist die Seite über Goebbels und die nationalsozialistische Filmindustrienützlicher. Mondinos Bedeutung liegt darin, dass sie diese Macht in den freundlichen Formen eines gesellschaftlichen Treffens zum Ausdruck kommen lässt.

Wenn sich die Aufmerksamkeit Landa und Shosanna zuwendet, verändert sich auch die sprachliche Struktur. Der Austausch wird unmittelbarer, und die Vermittlung schützt nicht einmal mehr den Anschein eines Gruppengesprächs. Der Vergleich mit der Strudel-Szenemacht deutlich, was Francesca zur vorherigen Gruppe beigetragen hat: Bewegung, Unterbrechungen und den Austausch von Stimmen. Mit dem Wegfall dieses Geflechts steht Shosanna einer einzelnen Person gegenüber, die alle Bedingungen des Treffens bestimmen kann.

Julie Dreyfus’ Darstellung

Dreyfus gestaltet Francesca präzise und souverän, ohne in jeder Einstellung das Zentrum zu beanspruchen. Eine Dolmetscherin in einer Szene muss aufmerksam auf die Worte anderer wirken und zugleich eine eigene Präsenz bewahren. Die Schauspielerin lässt beide Aufgaben erkennen: Sie hört zu, um sich einzubringen, bleibt aber auch Teil des Essens und des gesellschaftlichen Kreises. Dieses Gleichgewicht verhindert, dass die Figur wie ein Untertitelungsgerät mit menschlichem Gesicht wirkt. Da ist eine Person, die dolmetscht und am Tisch eine erkennbare Position einnimmt.

Ihre Kleidung unterstreicht ihre Zugehörigkeit zum privilegierten Milieu. Ihr gepflegtes Erscheinungsbild steht im Kontrast zu Shosannas verletzlicher Lage, auch wenn sich beide formal verhalten. Nicht jedes Schmuckstück sollte als Beweis für eine bestimmte Absicht oder einen bestimmten Charakter ausgelegt werden. Die Kleidung gibt Aufschluss über die gesellschaftliche Selbstdarstellung und die Nähe zur Macht; für sich genommen belegt sie weder Grausamkeit noch ideologische Loyalität oder Wissen um die Verbrechen einer anderen Figur. Solche Schlussfolgerungen müssten sich auf konkrete Handlungen und Worte stützen.

Dreyfus’ Besetzung fügt sich in Tarantinos internationale Zusammenarbeit ein, doch das berufliche Profil der Schauspielerin reicht darüber hinaus. Unter Julie Dreyfus und andere wiederkehrende internationale Darstellerinnen und Darstellerlassen sich diese Verbindungen einordnen. Innerhalb dieses Films verdient Francesca wegen einer spezifischeren Leistung Beachtung: Sie hält ein Gespräch glaubwürdig, in dem die Sprachen ungleich verteilt sind und das Publikum mehrere Perspektiven zugleich verfolgen muss.

Wichtig ist auch, was die Figur nicht weiß. Der Film macht sie weder zu Shosannas Vertrauter noch zu einer allwissenden Beobachterin des geplanten Vorhabens. Ihre Selbstsicherheit beruht auf der Situation, in der sie sich zu befinden glaubt. Diese Begrenzung verleiht ihrer Mitwirkung im Umfeld der Premiere einen ironischen Beiklang: Sie hilft, ein Ereignis in Gang zu setzen, dessen wahre Bedeutung sie nicht kennt. Die Analyse kann diesen Widerspruch benennen, ohne ihr Pläne, Verdachtsmomente oder eine Biografie zuzuschreiben, die im Film nicht vorkommen.

Zurück zum Inglourious-Basterds-Guide.